65 Jahre Stolina

Seminar und Workshop Tag Wonder Man Fred 2014

Der Workshop

Dichter, mystischer Nebel legt sich über das Münsterland! Ein Stau auf der A2 verhindert es einigen Teilnehmern, pünktlich zum heute wichtigsten Termin zu kommen. Liegt dies vielleicht an den unglaublichen Fähigkeiten eines der renommiertesten Mentalisten Deutschlands? Sicher nicht, denn Wonder Man Fred freute sich auf jeden einzelnen Teilnehmer eines weiteren Seminar- und Workshoptages bei Stolina Magie in Oelde. Und das hatte einen guten Grund - hatte er doch wieder einiges an hochwertigem Gedankengut im Gepäck! 

Wenn man bei diesem Menschen überhaupt von Gepäck sprechen kann! Klar und strukturiert sind seine Routinen, die Requisiten größtenteils ausgeliehen und die Wirkung unglaublich - Packs small - plays big, gelebt und geliebt.

Gut gelaunt startet Wonder Man Fred an diesem Tag mit Equivoque. Aus 32 Gegenständen durfte der Zuschauer zunächst 16 bestimmen. Durch geschickte Menschenführung und Fragestellungen blieb am Ende ein Gegenstand über, der, den der Künstler natürlich im Vorfeld vorhergesagt hatte.
Eine ähnliche Form schloss sich im Anschluss mit geliehenen Gegenständen aus dem Publikum an.
Mit Hilfe einer 
Pateoforce wählte ein Zuschauer genau den Gegenstand aus, den Wonder Man Fred für seine Vorhersage benötigte. Interessant ist, dass der Vorführende hier das gesamte Publikum in die Entscheidung bei der Auswahl des Gegenstandes einbeziehen kann. Clever gemacht und durchdacht!

 Nach der gewohnt detailgetreuen Erklärung der ersten beiden Effekte durch Dr. Manfred Höhne, wie Wonder Man Fred im bürgerlichen Leben heißt, ging es dann 'Workshop Like' ans Üben.

Hierbei wurden sämtliche zur Verfügung stehenden Räume der Gastgeber Robert und Maria Fislage in Beschlag genommen.

Es muss natürlich nicht sonderlich erwähnt werden, dass der Workshopleiter hierbei jedem mit Rat und Tat zur Seite stand und wertvolle Hinweise zur richtigen Gesprächsführung gab. 

Nach der Mittagspause ging es mit der Vorstellung der unterschiedlichen Publikationen Wonder Man Fred's weiter. Allem voran natürlich sein neuestes Werk "Thunderstruck"!
"
Thunderstruck" ist eine bis ins Kleinste ausgefeilte Routine, die mit im wesentlichen nur ein paar Karteikarten, die Sie immer und überall bei sich tragen können, vorführbar ist. 
Es handelt sich um eine mehrphasige Effektfolge, in der völlig freie Gedanken, Wünsche und Vorstellungen von Zuschauern, die der Vorführende ersichtlich unter keinen Umständen kennen kann, auf unerklärliche und beeindruckende Weise widergegeben werden, sich zum Teil sogar optisch realisieren, ja sich zum Teil - wiewohl völlig frei getroffen – sogar als vorhergesagt herausstellen. So sieht reines Gedankenlesen aus! 
Da
„Thunderstruck“ mehrere Techniken und Abläufe klar und sauber vereint, ging Wonder Man Fred im zweiten Teil sehr detailliert auch auf weitere seiner Publikationen ein, so dass die Übungszeit der Centertear Technik für einige Seminarteilnehmer zu kurz kam. Trotzdem - oder gerade deswegen - blieb aber noch genug Zeit, um auch auf weitere mentalmagische Wunder, wie zum Beispiel einer sehr schönen "Out of this World" Routine, einzugehen. 

Das Seminar...

startete mit The Prophecy

Von Anfang an befindet sich auf dem Tisch ein Weinglas, welches eine farbige, zusammengefaltete Karteikarte enthält. Der Vorführende kündigt an, später darauf zurückkommen zu wollen. Der Vorführende bittet nun eine Zuschauerin sich vorzustellen, dass sie sich in einem Einkaufszentrum bewegt und sich dort in einem von ihr frei gewählten Geschäft für irgendeinen Gegenstand zu entscheiden hat. Der Vorführende holt ein Karteikartenpäckchen hervor, notiert auf einem der Kärtchen ein Wort (ersichtlich eine Vorhersage einer jetzt zu treffenden Wahl) und legt das Kärtchen mit der Beschriftung nach unten auf dem Tisch ab. Anschließend nennt die Zuschauerin Ihren Gegenstand - nehmen wir an, es ist ein Salzstreuer. Das auf dem Tisch abgelegte Kärtchen wird umgedreht - es trägt die Beschriftung 'Salzstreuer'.
Aber es kommt noch besser:
Wonder Man Fred lenkt die Erinnerung der Zuschauer darauf zurück, dass die Dame sich zuvor auf einem virtuellen Einkaufsbummel für den Kauf eines Fernsehers entschieden hat und auch einen anderen Gegenstand hätte wählen können. Bevor dies alles erfolgte, befand sich bereits eine Vorhersage in voller Sicht der Zuschauer. Dieses Kärtchen wird aufgefaltet und vorgelesen: "Es wird bei einem nur gedachten Einkaufsbummel der Fernseher gewählt werden!" 

Als nächstes wurde uns ein Serial Number Reading präsentiert, wie es klarer nicht sein könnte. Es würde den Rahmen sprengen bis ins Detail zu gehen. Der Grundeffekt stellt sich wie folgt dar: 

Der Vorführende bittet Zuschauer um einige Geldscheine (nehmen wir an, es handelt sich um einen 5 €-, einen 10 €-, und einen 20 € Schein), die diese selbst, ohne das der Vorführende ihre Seriennummern sehen kann, mit der Vorderseite nach außen so auf 1/8 zusammenfalten, dass die auf der Rückseite aufgedruckten Seriennummern auf keinen Fall zu sehen sind. Die Zuschauer führen nun einige Handlungen aus und verbergen sie in einer von mehreren zur Faust geschlossen Händen. Der dieses alles nicht sehen könnende Vorführende  weiß jedoch stets, wo welcher Geldschein sich jeweils befindet. Sodann sehen sich die Zuschauer von zweien der Geldscheine die Seriennummer an. Der Vorführende lässt sich sodann die Nummern dieser beiden Geldscheine in äußerst überzeugender Weise in Gedanken übertragen und gibt sie wider. 

Der nun folgende Effekt geht wohl auf die Idee von Bob King zurück, von dem es wiederum Versionen von Wayne Dobson und Gregory Wilson gibt. Eine Zuschauerin denkt sich verschiedene Ziffern, und anschließend versucht sie jeweils, diese Ziffern dem Vorführenden in Gedanken zu übertragen. Es versteht sich wohl von selbst, dass Wonder Man Fred auch diesmal keine Schwierigkeiten hatte, diese zutreffend widerzugeben, ja er erweckte den Eindruck, als verfüge er tatsächlich über ein zweites Gesicht. Das schönste an ‘The Second Sight’ ist, dass dieser Effekt tatsächlich jederzeit ohne besondere Vorbereitungen vorgeführt werden kann. 


Mit Rituality hat man ein Gimmick um den Hals gehängt, mit dem man jederzeit - aus dem Stehgreif - einen unglaublichen Effekt in der Hand des Zuschauers zeigen kann und alle Requisiten genauestens überprüft werden können. 

Eine Kette, auf der sich einige Metallperlen befinden, wird dem Zuschauer in die Hand gelegt. In voller Sicht und äußerst visuell lässt der Künstler die Perlen in der Hand der Zuschauerin die Kette durchdringen. Dieses Kunststück geht auf Dan Harlan´s Ritual zurück. Wonder Man Fred ist es aber gelungen, die Parameter zu verändern und das Gimmick zu modifizieren.

 

Was nun folgte war eines meiner absoluten Highlights an diesem Tag! Es handelt sich um das alte Spiel "Schnick Schnack Schnuck", in dem zwei miteinander spielende Personen im gleichen Moment mit Ihrer rechten Hand jeweils einen von drei möglichen Gegenständen darstellen, von denen immer einer einen anderen schlägt und gegen einen wiederum verliert. Schere schlägt Papier (schneidet es), Papier schlägt Stein (wickelt es ein), Stein schlägt Schere (macht Sie stumpf) 

Dieser Effekt basiert auf dem Mathematischen Prinzip der "Transitiven Relation", hört sich toll an, ist es auch! Anstelle die Gegenstände mit den Fingern darstellen zu lassen, wie es in dem Spiel der Fall ist, bekamen drei Mitspieler jeweils einen Gegenstand, wie Schere, Stein und Papier in die Hand. Während der Vorführende den drei Mitspielern den Rücken zukehrte, tauschten diese - völlig willkürlich - die Gegenstände untereinander aus. Der Vorführende war aber tatsächlich jedes Mal in der Lage genau zu benennen, welcher der Zuschauer auf der Gewinnerseite war. 

Im zweiten Teil dieser Routine spielen die Zuschauer dann tatsächlich "Schnick, Schnack, Schnuck" gegeneinander. Der Vorführende bittet die Personen sich von Ihren Gegenständen zu trennen, und durch das bekannte Handzeichengeben entsprechend den Gewinner auszuspielen. Gesagt getan, es wird gespielt. Am Ende öffnet der Vorführende eine Vorhersage, welche die gesamte Zeit für das Publikum gut sichtbar auf der Bühne war. Und auf dieser Vorhersage steht exakt das Ergebnis des Spiels der Zuschauer. z.B. Schere schlägt Papier. Ein in meinen Augen absoluter Hammer! 

Den Abschluss eines ebenso außergewöhnlichen wie inspirierenden Tages bildet die Routine Wordoholic. Auch hier durfte natürlich als Titel der ungewöhnliche Name nicht fehlen. 
Techniken, die auf ein Kunststück namens Wordo zurückgehen und häufig unter diesem Sammelbegriff zusammengefasst werden, ermöglichen es, einem oder mehreren Zuschauern ein oder mehrere Wörter auf einer frei gewählten Seite eines Buches oder einer Zeitung zu forcieren, die dort nicht einmal stehen. Das hier zu verwendende Gimmick wurde vom Seminarleiter derart optimiert, dass es frühere Schwachstellen nahezu eliminiert.

 

Die auf die zuvor beschriebene Art und Weise "ausgewählten" Wörter des Zuschauers wurden auf einer Spielzeugtafel mit Magnetbuchstaben festgehalten, in diesem Fall hießen die Wörter Amortisieren, oblag, Faltiges! Was jetzt folgte war ein Abschluss, wie er schöner nicht hätte sein können! Wonder Man Fred sortierte die Buchstaben - ohne Abdeckung und Austausch neu - und auf der Tafel erschien der Schriftzug:

   "STOLINA MAGIE ROBERT FISLAGE" 

 Mit lang anhaltendem Applaus - einem sichtlich gerührten Manfred Höhne und einem zufriedenen Robert Fislage - ging ein Workshop und Seminartag der Extraklasse zu Ende! Das dieser Ausnahmekünstler nach diesem "Marathon" nur etwas müde und erschöpft war und nicht von einem Sanitäter beatmet werden musste, grenzt an ein weiteres Mentales Wunder, welches uns Wonder Man Fred sicherlich in einem seiner nächsten Seminare verraten wird! 

Mir bleibt nur noch DANKE zu sagen - Chapeau - Hut Ab! 

Carsten Risse