65 Jahre Stolina

Seminarbericht Wonder Man Fred

Wonder Man Fred

Dass ein Mentalist zwei Stunden Vorarbeit bis zum Beginn seines Programmes benötigt, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich erfuhr es auch erst später, denn kommt man zu anderen Seminaren zu Stolina, ist einem noch der Blick auf die Requisiten im Bühnenhintergrund gestattet und der 'Kaufrauschdämmvorhang' weit geöffnet.

Da ich Wonder Man Fred zwar von seinen Schriften her kannte, durfte ich gespannt auf seine Live-Vorführung sein. Hatte ich im Vorfeld doch von verschiedenen Seiten über seine Einstellung und Art den Zuschauern gegenüber gehört, die mich neugierig werden ließ.

Pünktlich um 19:00 Uhr begann Wonder Man Fred sein Programm. In dunkel gekleidetem Outfit betrat ein Mittvierziger die Bühne. Mit einer leisen Musik leitete er gefühlvoll sein Programm ein und erzählt eine Story vom Amulett seines Großvaters. Durch dieses stimmungsvolle und verblüffende Kunststück schaffte er sofort Atmosphäre und Neugier - auf sich als Künstler - und was da noch alles folgen könnte.

Mit den nun einleitenden Worten bat er die anwesenden Fachzuschauer, ihm einfach in das Reich der Wunder zu folgen, die gleich zu erlebenden Dinge einwirken zu lassen und nicht sofort auf die Jagd nach dem Geheimnis zu gehen.

Nun folgte Mentalmagie - publikumsnah - von einem Profi vorgeführt. Die von 'Wonder Man Fred' gezeigten Routinen waren bis ins Letzte ausgefeilt und ich fragte mich immer wieder: Was müssen da erst Laien denken, wenn Ihnen so etwas gezeigt wird? 'Wonder Man Fred' ist in der Lage, seine Zuschauer an echte Wunder glauben zu lassen. Er versteht es, Storys zu erzählen, in denen seine Zuschauer gedanklich mitreisen können, diese dann aber durch Kalauer zu irritieren und wieder zu ernüchtern.

Ein Höhepunkt (neben vielen anderen) in seinem Seminar war für mich jedoch "Any Card At Any Number". Ein Zuschauer wählt eine Karte, z.B. Pik Dame. Zwei weitere Zuschauer bilden eine zweistellige Zahl. Werden die Karten nun durchgezählt, liegt genau an der Stelle die frei gewählte Karte. Doch damit nicht genug. Bei Rockmusik wird nun ein auf einer Staffelei stehendes Bild enthüllt. Interessanterweise zeigt es gerade den Schauspieler Humphrey Bogart, der kurze Zeit vorher aus einem Stapel Filmpostkarten frei gewählt wurde. Und gerade diesem Schauspieler schaut die vorher frei gewählte Karte (Pik Dame) aus dem Sakko. Schluss, aus!

Nach dreineinhalb Stunden verblüffender, unterhaltsamer Mentalmagie mit nur 10! Minuten Pause, war ,Wonder Manfred' am Ende seiner mentalmagischen Reise angelangt. Dem einen oder anderen Teilnehmer sah man inzwischen leichte Konzentrationsschwächen an, die dieses anspruchsvolle Seminar hinterlassen hatte. ,Wonder Man Fred' - der übrigens mit Zauberkünstlern wenig Kontakt hat - hätte keine Mühe gehabt, sein Programm zu verlängern! Lang anhaltender Beifall erklang von begeisterten Seminarteilnehmern, die an diesem Abend einen Profi erlebten, der unbedarfte Zuschauer an echte Wunder glauben lässt!

Trebor Egalsif