65 Jahre Stolina

Seminarbericht Wolfgang Moser

Wolfgang Moser

Wolfgang Moser ist ein junger, sympathischer Zauberer aus Österreich, der seit 13 Jahren erfolgreich als Profi arbeitet. Starallüren, wie sie die eine oder andere Größe der Szene nicht unterdrücken kann, sind ihm fremd. Auf seiner Seminartour im Rahmen des Magischen Zirkels von Deutschland machte er auch Station in Oelde. Ein Freitagabend ist nicht der günstigste Termin für ein Zauberseminar, aber es hatte sich doch eine ansehnliche Zahl von Teilnehmern bei Stolina eingefunden, und die wurden ganz und gar nicht enttäuscht.

Wolfgang Moser zeigte ausschließlich Effekte und Routinen aus seinem professionellen Programm. Praxistauglichkeit war also stets gegeben. Sein Lieblingseröffnungstrick Glasproduktion stand auch am Anfang des Seminars. Aus einem gefaltet vorgezeigten A 4 Briefumschlag ließ er ein gefülltes Sektglas erscheinen, das er auf das Wohl des Publikums austrank. Welche Schwierigkeiten er anfangs mit diesem Trick hatte und wie er auf das spezielle Gimmick gekommen ist, das dieses Wunder in Perfektion möglich macht, erzählte er anschaulich, als säße man im Bekanntenkreis um den Tisch. Eine ebenso starke Variante des Glas-Erscheinens, diesmal aus einem leeren Tuch, zeigte er nach der Pause. Der Effekt wurde diesmal mit einem Zaubergag eingeleitet – nicht nur, weil der Unterhaltungswert bei Wolfgang Moser obenan steht, sondern auch, weil Lachen die Zuschauer von geheimen Handlungen ablenkt.

Bei einer weiteren Stand-up-Routine zieht der Vorführende im Normalfall genau den Tiernamen aus einem Umschlag, den ein Zuschauer frei genannt hat. Eine tolle Vorhersage. Natürlich hat Moser auch für die 10 Prozent, die »danebengehen«, einen Ausweg parat, der für Lacher sorgt. Genau dieser Fall trat an dem Abend ein, und man konnte sich überzeugen, dass die Routine in beiden Fällen »funktioniert«.

Ein Effekt, der stand-up und close-up eingesetzt werden kann, ist Poker Faces. Ein Zuschauer suchte aus einem Kartenspiel ein Ass heraus und mischte das Spiel, das vom Vorführenden an einen anderen Zuschauer weitergegeben wurde. Der Vorgang wiederholte sich, bis alle Asse in den Taschen von vier Zuschauern steckten. Dank seiner großartigen mentalen Fähigkeiten fand der Vorführende schließlich den Zuschauer mit dem Pik Ass heraus und nannte dann Schlag auf Schlag das richtige Ass bei jedem der anderen drei Zuschauer, obwohl diese es ihm mit Pokergesichtern möglichst schwer machten. Mit einer kleinen Präparation am Kartenspiel, das übrigens vorher bei anderen Effekten problemlos genutzt werden kann und das keinerlei Set-up benötigt, bringt Moser zum Staunen, Rätseln und Lachen.

Wolfgang Moser liebt Kartenkunststücke und entwickelt gern neue Effekte und originelle Kreationen. Bei der Routine Stuntman verband er Karten- und Pyroeffekte und steigerte so den Unterhaltungswert ganz erheblich.

Auch das klassische Kümmelblättchen hat er sehr kreativ überarbeitet und modernisiert. Für diesen Effekt hat er eigens eine DVD mit dem Titel »Miracle Monte« herausgebracht, auf der er alle Feinheiten, und davon gibt es eine Menge, darstellt und erläutert.

In ähnlich intensiver Analyse hat er sich mit dem Klassiker Matrix beschäftigt, der bei ihm Silver Surfer heißt. Vier große Silberdollars erschienen aus einem (Pyropapier-)Feuerblitz, bevor er sie auf rätselhafte Weise von einer Seite des Tisches zur anderen wandern ließ. Er bat die Teilnehmer ganz nah um sich, als könnten sie bei der geringen Distanz irgendein Geheimnis entdecken. Keiner der Seminarteilnehmer dürfte diese Münzroutine jemals klarer und sauberer gesehen haben. Moser führte sie sogar in Super-Zeitlupe vor, was den Eindruck wirklicher Zauberei noch verstärkte. Ein magischer Genuss!

Profis und Halbprofis der Zauberszene müssen ständig bemüht sein, gebucht zu werden und Auftritte zu absolvieren. Speziell für sie erläuterte Wolfgang Moser, wie man mit dem seiner Meinung nach stärksten Werbeinstrument, den Visitenkarten, Erfolg hat. Gestaltung, Druck, Kosten und Art des Einsatzes wurden mit vielen Beispielen so anschaulich gezeigt, dass das Zauberseminar zwischenzeitlich zur Marketingvorlesung wurde. Aber es war sicherlich für die, die sich beruflich der Zauberei verschrieben haben, von außerordentlichem Wert.

Mit dem Karteneffekt »Alles Illusion« ließ Moser das Seminar ausklingen: Aus einem Spiel wurde von einem Zuschauer eine Karte gewählt und wieder ins Spiel gegeben. Damit die Karten vom Vorführenden nicht manipuliert werden konnten, hielt sie der Zuschauer zwischen seinen Händen fest. Doch es nützte nichts. Beim Ausstreifen des Spiels zeigte sich, dass alle Karten, bis auf die gewählte, plötzlich Blankokarten waren. Und auch die gewählte wurde schließlich vom Vorführenden in eine Blankokarte verwandelt. Alles war nur Illusion.

Mit diesem Kartenwunder schloss ein Seminar, das den Zuschauern großes Vergnügen bereitete und viele Lerneffekte brachte. So kann man darauf wetten, dass dort, wo Wolfgang Moser sein Seminar abgehalten hat, bei Beginn von Zaubervorstellungen nunmehr gefüllte Sektgläser geheimnisvoll erscheinen und auf das Wohl der Zuschauer genüsslich geleert werden. Die Chinesen sagen ja, Nachahmung sei das größte Kompliment, das man jemandem machen kann. Wolfgang Moser wird viele Komplimente erhalten.

Dr. Rolf Mühlmann