65 Jahre Stolina

Seminarbericht Wladimir

Wladimir

Etwa zwanzig Zauberinnen und Zauberer hatten sich an diesem schönen Vorfrühlings-Sonntag auf den Weg nach Oelde gemacht und – um es gleich vorweg zu sagen - wurden keinesfalls enttäuscht.

Im Rahmen der MZvD Seminartour war der bekannte slowenische Zauberkünstler Wladimir morgens um 11.00 Uhr bei Robert Fislage zu Gast.
Nachdem der Gastgeber nach einer kurzen Begrüßung den roten „Kaufverhinderungsvorhang“ vor seinen Zauberartikeln geschlossen hatte, begann das Seminar mit einem gut aufgelegten, aber nach eigenem Bekunden noch etwas müden Wladimir. Eine lange Zaubernacht und die Anfahrt von 500 Kilometern aus Belgien lagen hinter ihm.

Er eröffnete den Reigen seiner Darbietungen mit akustischen Gags unter Einsatz eines Knackfrosches, diesem Lärmmacher, den man aus Kindertagen kennt. In der Hand palmiert und mit einem Finger das „Knack“ ausgelöst, prüfte Wladimir Euro-Noten und andere Dinge auf ihre Echtheit. Dieser „Frosch“ - richtig eingesetzt - bietet dem Tabelhopper endlose Einsatzmöglichkeiten und manches Lachen auf den Gesichtern seiner Zuschauer.
Dann ein herrliches „Warming up“: Ein gefalteter und auf die Schmalseite aufgestellter Geldschein kippte - wie von Geisterhand - um! Die Lösung lag für die meisten Teilnehmer nahe - war dafür jedoch falsch. Die Auflösung ließ alle auflachen … und später sicherlich nachmachen!
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man das Gefühl, als wenn sich der Seminarist noch steigern müsste. Und er tat es sofort!
Eine gezeichnete Münze verschwand und erschien mitten im Spiel auf einer vom Zuschauer zuvor frei gewählten Karte.
Bildunten und bildoben, einwandfrei ineinander gemischte Karten, orden sich in eine Richtung und vier an verschiedenen Stellen ins Spiel gesteckte Asse werden trotz mischen … mischen mischen …, effektvoll zum Vorschein gebracht. Kartentechnik in Perfektion? Unglaubliche Handfertigkeit? Eben ein Profi? Die Lösung schon fast enttäuschend – aber genial: Ein allen bekanntes Spezial-Kartenspiel in neuer Verkleidung! Super!

Es folgte ein „Vier-Ass-Trick“, bei dem der Höhepunkt eine sich drehende Karte in der Hand darstellte, aus der nacheinander die vier Asse erschienen und sich förmlich aus der Karte materialisierten. Ein Effekt wie im Trickfilm! Anmerkung des Schreiberlings: „So alt kann ich gar nicht mehr werden, um diese Griffe zu erlernen“. Einfach faszinierend, was uns da geboten wurde.
Weiter folgten nun einige Effekte mit der Kugelkette: Knoten erscheinen, wandern auf der Kette hoch und runter, um schließlich auf den Tisch zu fallen. Der Zuschauer kann bei dieser Routine die Kette als auch jeden einzelnen Knoten untersuchen. Dieses Kunststück kann sehr gut als Einleitung für die bekannten Kugelkettenroutinen eingesetzt werden. Wladimir erklärte schmunzelnd, dass es nicht nur das kleine Aufbewahrungsglas (Mini-Honigglas) in Hotels geben würde, sondern auch an mancher Badewanne die Kugelkette.
Vor der Pause wurden uns nun zwei Riesenkarten-Routinen präsentiert, die einen sehr hohen Unterhaltungswert beinhalten. „Jumbozwillinge“ und „Riesen-Ballonkarte“ lassen sich im kleinsten Kreis wie auch auf der Bühne vorführen. Jumbozwillinge ist ein Übereinstimmungseffekt. Der Zuschauer wählt von zwei Riesenkartenspielen eines aus und daraus völlig frei eine Karte, die er in der Hand behält. Der Magier nimmt das andere Kartenspiel, gibt es in einen großen Umschlag und sticht, in diesem Fall mit einem Korkenzieher, von außen durch den Umschlag in eine Karte. Der Umschlag wird geöffnet und … na, man kann es sich denken: Auf dem Korkenzieher steckt die Duplikatkarte aus dem anderen Spiel. Sehr unterhaltsame und leicht einzustudierende Routine, die jedoch noch etwas „flüssiger“ werden muss.
Bei der Präsentation des Effektes „Riesenballonkarte“ bedarf es allerdings schon einer Portion Sicherheit und Frechheit. Der Zuschauer wählt sich aus einem Riesenkartenspiel wiederum völlig frei eine Karte, diese wird gekennzeichnet und ins Spiel zurückgegeben. Unter Einsatz vieler kleiner verbaler Gags findet letztendlich der Magier in seiner Hosentasche einen Luftballon. Dieser wird aufgepustet, ein Messer gezückt, der Ballon zerstochen.Die Karte des Zuschauers erscheint unter lautem Knall - wo auch anders als - aus dem Ballon. Das Timing des Vorführenden ist bei dieser Vorführung besonders eindrucksvoll. Für mich die stärkste Routine des Seminars.

In der Pause, und das habe ich in der Tat noch nicht erlebt, wurde neben dem „immer wieder gern genommenen Kaffee samt Keksen“, von einigen Besuchern „Eckenzauberei“ dargeboten. Ebenfalls ein unterhaltsames Novum an diesem Tag.

Das Hauptthema nach der Pause war die Manipulationsroutine mit Riesenmünzen, die klassisch mit einem Sektkühler präsentiert wurde. Diese zu beschreiben, würde den Bericht sprengen. Es war eine Augenweide.
Die Routine hat einen sehr hohen Unterhaltungswert, da sie unter Einsatz eines „Streichholzschachtelkunststücks“ und „Pyrofadens“ unterhaltsam aufgelockert wurde. Wladimir entzündet mit nur einer Hand ein Streichholz, das natürlich, ebenfalls „einhändig“ aus der Schachtel entnommen wurde, um damit einen Pyrofaden anzuzünden. Es ist eigentlich ein Close-Up-Kunststück für sich selbst. Einfach einsame Klasse! Um die Manipulationssequenz im Einzelnen erklären zu können, verwendete der Seminarist einen durchsichtigen Kunststoffsektkühler. Tolle Idee!
Als Abschluss des eigentlichen Seminars zeigte Wladimir noch eine seiner „Vier-Ass-Routinen“: „Der einarmige Bandit“. Die vier Asse eines Spiels werden ins Kartenspiel zurückgegeben und natürlich wieder präsentiert. Und dieses einhändig! Die Story des einarmigen Banditen, der eigentlich nur betrügen konnte, weil er ja nur einen Arm hat, hat man eigentlich unter dem Eindruck der speziellen Griff-Folge gar nicht wahrgenommen. Ein Vier-Ass-Effekt, an dem man lange Zeit üben muss und der ein toller Seminar-Schluss-Effekt war!

Nachdem die „Zugabe“-Rufe jedoch nicht verstummten, zelebrierte Wladimir seine Routine der „Geldmaschine“. Neben den unmöglichsten Drucken, die diese Maschine ausspuckte, war die Vorführung mit so vielen optischen und verbalen Gags verbunden, dass man das bekannte Geheimnis einfach vergaß.
Ebenso sehenswert seine perfekte Vorführung des „Schwebenden Tisches“. Selbst der, der das Geheimnis kannte, war fasziniert!

Ein vorbildliches Seminarheft (gedruckt wie auch als CD mit kurzen Videosequenzen) als auch einige Requisiten konnten bei Wladimir erworben werden.

Auf mich hat dieses Seminar insgesamt einen sehr kompetenten und an Unterhaltsamkeit und Qualität der vorgeführten Routinen hochwertigen Eindruck hinterlassen.

Einen lieben Dank auch an Maria und Robert für die Ausrichtung und die Bewirtung vor, während und nach dem Seminar. Der Wohlfühleffekt bei Stolina-Magie war einfach da!

Charly – Frank Dörries