65 Jahre Stolina

Seminarbericht Ted Lesley

Ted Lesley

Auf seiner MZvD-Tournee stand im Terminkalender von Ted Lesley unter dem Datum des 28. März 2000 das Seminar bei Stolina-Magie in Oelde. In nur sechs Wochen bereiste der Mentalist 37 verschiedene Städte in Deutschland.

Mit seinem ihm eigenen, verschmitzten Lächeln betrat Ted Lesley die Bühne, um nach einer kurzen Einführung mit "Ace Duet" seinen Vortrag zu beginnen. Ein 4-As-Trick, der komplett in den Händen eines Helfers aus dem Publikum abläuft.
Jeder hat schon einmal seinen "entliehenen Geldschein in der entliehenen Zigarette" bewundert. Wer glaubte, der sei nicht zu toppen, konnte nun mit "Bill-Sational" das Gegenteil erleben. Ein Geldschein, von dem eine abgerissene Ecke zwecks Kontrolle beim Zuschauer blieb, wanderte zunächst in einen Briefumschlag und anschliessend noch in eine Zitrone.
Es folgte eine Variante von "Dr. Stanley Jaks Schlusstrick", bei der Ted Lesley seine Markierungsmethode präsentierte - einfach genial.
"Der Svengali der Telefonleitungen" zeigte, was man aus solch einem Spiel herausholen kann. Die benötigte Frechheit beim Telefonieren mit einer fremden Person erfordert schon ein gehöriges Maß an Kaltschnäuzigkeit. Aber es ist doch erstaunlich, wie selbst das Handy für Tricktechniken eingesetzt wird!
Mit "Pro-Monition" verblüffte er die Anwesenden genau so, wie vorher bereits versierte Mentalisten auf der ganzen Welt. Eine von einem Zuschauer frei gewählte, nur gedachte Karte erscheint in der ansonsten leeren Jackentasche des Künstlers. Sie fehlt in einem Spiel, das vorher vom Zuschauer einem Sektkübel entnommen wurde.
Schlussthema des Seminars war Ted Lesleys "Teleport Professional", ein Umschlag, der es im wahrsten Sinne des Wortes "in sich hat". Als Beispiel, wie man ihn einsetzen kann, zeigte er eine Routine mit einer Buchseitenforce. Die Ecke einer vom Zuschauer gewählten Buchseite erschien in seinem Kuvert.

Kein übertriebenes Outfit, dem Zuschauer vertraut erscheinende Requisiten und gezielt eingestreute Pointen schaffen die einzigartige "Ted-Lesley-Atmosphäre". Seine Professionalität spiegelt sich darin, dass die Risiken der Technik auf ein absolutes Minimum reduziert, die Feinheiten der Präsentation dagegen bis in die letzten Details optimiert wurden. Unter anderem ist es dieser Minimalismus ("warum soll ich rennen, wenn ich nicht gejagt werde?"), der seine Show von der Masse der Mentalisten abhebt. Langjährige Erfahrung im Umgang mit Menschen befähigen ihn, Misdirection in den unmöglichsten Momenten einzusetzen. Auch seine Outs in schier ausweglosen Situationen sind genial.
Nicht ganz unumstritten ist sicherlich die Tatsache, dass echte Geldscheine tatsächlich zerrissen werden. Auch ist es nicht gerade angenehm, einen zitronensafttriefenden Schein zurückzuerhalten. Doch gäbe es eine ebenso publikumswirksame Alternative, Ted Lesley hätte sie sicherlich schon eingesetzt.

(JK)