65 Jahre Stolina

Seminarbericht Richard Sanders

Richard Sanders

Nach einem halben Jahr voller Entbehrungen fand am 15. Oktober 2004 endlich wieder ein Seminar bei Stolina Magie statt. Und was für eines! Richard Sanders aus Kanda hatte sich angekündigt, ein ausgewiesener Experte für visuelle Zauberei vor allem mit Karten, Geldscheinen und Seilen. Und tatsächlich behandelte das Seminar fast ausschließlich diese drei Requisiten. Trotzdem war es ein abwechslungsreicher Abend, und es war für jeden etwas dabei.

Es ging los mit einigen Effekten, die sich eines neuen, schlauen Trickprinzips bedienten. Damit sind einige sehr visuelle Effekte möglich. Zum Beispiel:

4 Card Crunch: Zuschauer und Vorführender halten jeweils zwei Joker. Plötzlich verwandeln sich alle Karten in Zehnen. Ein im besten Sinne einfacher Karteneffekt.

Color Killer: Eine besonders visuelle Version des farbwechselnden Spiels (Color Changing Deck).

Open Prediction Gone Wild: Eine Vorhersagekarte wird bildunten zwischen zwei bildoben liegende Bildkarten gegeben und auf dem Tisch abgelegt. Eine Karte wird gezogen, unterschrieben und wieder ins Spiel gegeben. Schließlich zeigt sich, dass es sich bei der Vorhersagekarte um die unterschriebene Karte des Zuschauers handelt! Das Schöne bei dieser Version ist, dass die Vorhersagekarte bis zum Schluss nie das Blickfeld des Zuschauers verlässt.

The Alpha Deck: Der Vorführende und ein Zuschauer finden gemeinsam die vier Buben aus dem Kartenspiel. Alles passiert ganz langsam und fair. Der Hammer ist dann allerdings, dass das gesamte Restspiel aus lauter Blankokarten besteht!

Super Duper Jumping Gemini: Ein Päckchentrick mit mehreren visuellen Effekten, der in einer kompletten Verwandlung aller vier Karten endet.

Ein weiteres Thema waren Kunststücke mit Geldscheinen. Auch hier legte Richard besonders viel Wert auf visuelle Effekte.

Double bill switch: Eine Weiterentwicklung des 100-Dollar Bill Switch. Ein geborgter Geldschein wechselt zwei Mal seinen Wert und wird zum Untersuchen ins Publikum gegeben. Genial einfach und praktisch!

Slow Burn: Eine visuelle Verwandlung von vier Geldscheinen. Die Verwandlung passiert hierbei nicht so schnell wie bei Fred Kaps' "Blanks to Bills", sondern durch ein langsames Darüberstreichen mit der Hand. Dadurch wirkt der Effekt noch unglaublicher.

Daneben zeigte Richard Sanders noch weitere Karteneffekte, unter anderem Trick photography (eine gewählte Karte verschwindet aus der Hand des Zuschauers und erscheint auf dem Foto einer Ausweiskarte) und Behind my back (eine ultrakurze und praktische Version der "Karte im Mund"). Mit Fiber Optics zeigte er uns eine unterhaltsame Seilroutine und erklärte einige Griffe, die man leicht in seine vielleicht schon bestehende Seilroutine einbauen kann, um diese noch visueller zu machen.

Zwei Effekte möchte ich noch hervorheben, die mir besonders gefallen haben:

Castle Purse: Diese Routine war lange Zeit der Rahmen von Richards Shows im Magic Castle. Zunächst wird eine kleine Geldbörse gezeigt, die eine Vorhersage enthält sowie einen Geldschein. Falls die Vorhersage nicht stimmen sollte, könne der Zuschauer dieses Geld behalten. Im Verlauf seiner Show zeigt der Vorführende einige Effekte, bei denen eine Karte un ein Geldschein signiert werden. Zum krönenden Abschluss seiner Darbietung holt der Vorführende mit einer Pinzette die Vorhersagekarte aus der Geldbörse. Es handelt sich um die vorher unterschriebene Karte des Zuschauers! Aber nicht nur das: Auch der Geldschein ist derjenige, der gerade erst von einem Zuschauer unterschrieben worden ist!

Pile of Change: Dieses Kunststück ist vor allem deswegen so gut, weil man nicht die geringste Vorbereitung benötigt und dabei trotzdem einen sehr starekn Effekt erzielen kann. Und das alles sogar noch mit dem Geld eines Zuschauers. Der Effekt: Ein 2-Cent-Stück verwandelt sich in ein 2-Euro-Stück. Das Starke: Sowohl vor als auch nach der Verwandlung sind die Hände des Vorführenden leer. Scheinbar vermehren Sie also das Geld des Zuschauers! Das ist doch mal ein sympathischer Effekt!

Und mit dem Wort "sympathisch" wären dann auch schon Seminar und Seminarlehrer beschrieben.Richard Sanders hat es aufs Beste verstanden, sowohl mit seinen Vorführungen als auch mit seinen Erklärungen zu unterhalten. Wenn Sie also einmal Material von diesem Künstler in die Hände bekommen: Kaufen!

Bis zum nächsten Mal!

Frank Ollermann