65 Jahre Stolina

Seminarbericht Rich Marotta

Rich Marotta

Puh - das waren eine Menge Kunststücke, die Rich Marotta uns da vorgeführt hat. In einem atemberaubendem Tempo führte er eine Nummer nach der anderen vor, garniert mit vielen nützlichen Tipps aus der Praxis.

Aus der großen Zahl der gezeigten Kunststücke greife ich einmal einige besonders interessante, praktische und täuschende Programmpunkte heraus.

"Fan See Card Trick": eine gewählte Karte erscheint auf einem Kartenfächer. Das Praktische ist, dass der Zuschauer fast nichts tun muss, wodurch sich dieses Kunststück hervorragend für Stehparties und ähnliche Anlässe eignet, bei denen die meisten Gäste keine Hand frei haben. Außerdem verdeutlichte Rich Marotta, wie wichtig es für ihn ist, dass alle Zuschauer gleichzeitig den Effekt registrieren.

"Card in Orange": ein Bühnenkunststück, bei dem eine zerrissene Karte mit Ausnahme einer Ecke verschwindet und in einer Orange wiedererscheint - und das ohne die hinlänglich bekannte und oftmals nicht so überzeugende "gezwungene Wahl".

"Ring on Rope" und "Poor Man's Ring Flight": Anhand dieser Kunststücke demonstrierte Rich Marotta, wie man viele kleine Effekte zu einer Gesamt-Routine zusammenfügt. Dadurch eignet sich eine solche Routine dann wieder sehr gut für "Walk Around Magic", wo man oft gezwungen ist, ein Kunststück kurz zu unterbrechen und später wieder fortzuführen. Kennen Sie übrigens den Mann, der bei einer Hochzeit auf einem Schiff den bekannten "Ring Flight" mit dem 50.000-Dollar-Ring der Braut vorführte und diesen dann wegen eines "technischen Defekts" seines Hilfsmittels über Bord gehen ließ? Das war der Mann, der Rich Marotta daraufhin nahegelegt hat, doch lieber einen anderen Abschlusseffekt für seine Fingerring-Routine zu wählen. So entstand "Poor Man's Ring Flight", bei dem der Ring in ein Schmuckkästchen wandert. Als Bonus gibt es noch einen Riesenlacher obendrauf. Übrigens ward der oben erwähnte Ehering trotz des Einsatzes von Tauchern (!) nicht wiedergefunden - bleibt zu hoffen, dass der Kollege gut versichert war!

"Repeat Escape": Rich zeigte uns eine sehr starke Wanderung einer frei gewählten Karte aus dem Päckchen des Zuschauers in das Päckchen des Vorführenden. Er wiederholte den Effekt sogleich, doch diesmal wanderten alle Karten des Zuschauerpäckchens in das Päckchen des Vorführenden - außer der gewählten Karte! Einer der stärksten Effekte des Seminars, und dazu noch sehr einfach vorzuführen. Für alle Zauberkünstler, die immer wieder zu hören bekommen: "Zeig' nochmal!", eine perfekte Routine, weil man dem Wunsch des Zuschauers zunächst scheinbar nachkommt, dann aber mit einem völlig anderen und unerwarteten Effekt abschließt.

"Marked Prediction": Ein Zuschauer denkt an irgendeine Spielkarte. Der Vorführende nimmt eine große Karte zur Hand und behauptet, auf dieser Karte sei die Zuschauerkarte abgebildet. Dreht er die Karte um, so sieht man, dass darauf alle 52 Karten des Spiels abgebildet sind - sehr witzig! Doch nun markiert der Vorführende eine der abgebildeten Karten mit einem Kreuz. Wählt der Zuschauer nun wieder frei eine Karte und dreht der Vorführende die Karte um, ist tatsächlich die Karte des Zuschauers mit einem dicken Kreuz markiert. Ein starker und sehr einfach vorzuführender Effekt, den Sie auch bei uns bestellen können (weitere Informationen zu "Marked Prediction").

Sehr überzeugend ist auch Rich Marottas klassische Force, die er dermaßen überzeugend und locker durchführt, dass einem nur ungläubiges Kopfschütteln bleibt.
Und wo wir schon einmal von Karten sprechen: Mit "A.P.E." und "Card Rise" zeigte uns Rich, dass man ein Requisit für mehrere Effekte einsetzen sollte, in diesem Fall das Pochettentuch. Beim ersten Effekt handelt es sich um eine sehr saubere "Karte durch Taschentuch", während "Card Rise" eine praktisch technikfreie Variante des Kartensteigers darstellt, die bei einigem pantomimischen Geschick dennoch extrem visuell ist.

"Ambitious Photography" stellt eine gelungene Verbindung zwischen einer "Ehrgeizige Karte"-Routine und dem Kunststück "Mental Photography" dar, bei dem zunächst die Rückseite, dann die Vorderseite der gewählten Karte "gedruckt" wird. Hier hat Rich einen Händlertrick auf logische Weise in eine längere Routine eingebaut und ihn gleichzeitig so verändert, dass selbst Besitzer dieser Trickausstattung getäuscht werden. So sollte gute Zauberkunst sein!
Ein weiterer Karteneffekt war "Repeat Two Cards to Pocket", bei dem zwei Zuschauerkarten jeweils zweimal in die Taschen des Vorführenden wandern. Sehr sauber, sehr direkt, sehr stark!

Aber auch mit Münzen weiß der Meister umzugehen: "Quick Matrix" ist eine kurze und sehr starke Matrix-Routine, die ohne Spielkarten und nur mit einem einzigen Griff auskommt (, der übrigens in Paul Gertner's Steel and Silver ab Seite 15 beschrieben wird).

Soweit meine kleine Auswahl an Kunststücken, die wir an diesem Sonntagnachmittag zu sehen bekamen. Mein Fazit: Rich Marotta ist Profi, der weiß, worauf es in der realen Welt ankommt. Seine Kunststücke zielen gewiss nicht darauf ab, Kollegen zu verblüffen (, auch wenn ihm dies einige Male gelang), sondern Laienpublikum zu unterhalten. Das Seminar war also weder eine Selbstbeweihräucherungs-Show noch eine Verkaufspräsentation, sondern ein ausgesprochenes Praxisseminar. Als Seminarist wirkte er auf mich allerdings zeitweise etwas unstrukturiert und fahrig, wodurch einige seiner Erklärungen auch etwas an Gründlichkeit einbüßten. Aber abgesehen von dieser kleinlichen Kritik hat sich der Weg nach Oelde wieder einmal so richtig gelohnt, und ich bin mir sicher, dass alle Teilnehmer eine Menge Anregungen mit nach Hause genommen haben. Bis zum nächsten Mal!

Frank Ollermann