65 Jahre Stolina

Seminarbericht Rafael Benatar

Rafael Benatar

Zwischen Steyr (Österreich) und Dresden liegt Oelde. Dies zwar nicht direkt räumlich, sondern im zeitlichen Ablauf der Seminartournee von Rafael Benatar. Seine Darstellungen in Roberts Showroom waren zwar keine Handlungen in Vorübergehen, gipfelten aber in der Behandlung der Zauberpsychologie in mehreren Beispielen für Ascanios "acciones in transito". Schwerpunktmäßig als Kartenzauberei - aber mit welcher Brillianz! Darüber hinaus ein Kunststück mit Münzen und - ein Becherspiel, bei welchem die Bälle als E-Mails hin und her wanderten, um schließlich für's E-Shopping als Kartoffel, Zwiebel und Zitrone im Angebot zu erscheinen. Aber der Reihe nach:

Benatar eröffnete - wie bei realen Auftritten - mit "Die Lieblingskarte meiner Freunde", bei dem er seinen Zuschauern vermittelt, dass sie seine Freunde sind und dass deswegen seine Lieblingskarte zwischen den Favoriten zweier seiner Gäste zu finden ist. Alternativ zu Hofzinsers Unterfächertechnik zeigte Benatar seine Gorilla-Unterfächertechnik, dem Vermeiden verdächtiger Bewegungen.
"Mitten zwischen die Augen" zielte ein Kartentrick unter Mitwirkung einer Dame und eines Herrn, bei dem letzterer eine freigewählte Karte aus den Handlinien ersterer "erlas" und diese dann auch noch in Sekundenschnelle aus einem Spiel zog, das in der Innentasche seines Jacketts steckte. Das Publikum begleitete die Ankündigung des Vorführenden "Torero!" mit einem lautstarken "Olé!" - viel Spaß, Unterhaltung und Staunen.
Am publikumswirksamsten an diesem Abend und am genauesten um Erklärung erbeten war das Kartenkunststück "FAX". Zwei Zahlenkarten mit Werten entsprechend den Endziffern einer Faxnummer stellen ein Empfangsgerät dar. Eine weitere Karte wird wie eine Botschaft beschriftet, in das Kartenspiel vom Zuschauer geschoben - und erscheint gleichzeitig zwischen den beiden Karten in der anderen Hand. Ein Zauberkunststück, das - so Benatar - Geschäftsleute verrückt macht und das sie immer wieder sehen wollen. Eine allzu schnelle Nachahmung verhindert die anspruchsvolle Technik, wenn etwa eine Karte im "Gambler's Cop" palmiert werden muss - unter Beachtung der entsprechenden Winkel.

Diese drei Beispiele mögen stellvertretend stehen für eine ganze Reihe weiterer hochklassiger Kunststücke wie "Gerade Schwarz", "viermal hoch" oder den geradezu fingerbrecherischen "Marmeladen-Poker" ... "Es wäre eine Sünde, in dieser Entspannungssituation keinen Austausch (Übergabe etc.) vorzunehmen!" Dieser von ihm geäußerte Satz kennzeichnet prägnant Rafael Benatars Timing- und Zauberpsychologie. "Wenn Sie nur eine Sache von diesem Seminar mitnehmen, dann diese Übergabe" - so wies er auf eine Lademethode seines Becherspiels hin, das 15 Jahre Arbeit an seinen Grundprinzipien deutlich machte. "Wichtig ist der Zeitpunkt, wenn sich der Blick ändert."

Als dann die meisten Seminarteilnehmer gegangen waren, nahm sich Benatar noch Zeit, der Becherspieldarbietung des ältesten Seminarteilnehmers, Fritz Mels (75) aus Borken seine Anerkennung zu zollen. Dies alles sprach für ein großartiges Seminar!

Emmelo