65 Jahre Stolina

Seminarbericht Petrick & Mia

Petrick & Mia

Petrick & Mia stammen aus der ehemaligen Tschechoslowakei und haben sich in den späten 70ern in den USA niedergelassen. Obwohl ich eigentlich gedacht (und gehofft) hatte, dass sowohl Petrick als auch Mia zaubern würde, war leztendlich nur Petrick für die Zauberei zuständig. Mia fungierte im Hintergrund als Assistentin, die Petrick immer wieder in perfektem Timing Requisiten reichte bzw. ihm wieder abnahm (und ihm manchmal sogar aus den Taschen holte!). Ein tolles Team also!

Hier einige Eindrücke von Kunststücken, die mir aus verschiedenen Gründen im Gedächtnis geblieben sind. (Da ich mir nicht durchgehend Notizen gemacht habe, erheben die folgenden Beschreibungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)

Rings of Smoke
Drei Plastikringe ver- und entketten sich. Praktisch ein Dreier-Ringspiel, nur dass statt Stahlringen drei flache Plastikringe zum Einsatz kommen, die aussehen, als würden sie aus mehreren Segmenten bestehen. Ich glaube nicht, dass viele Zuschauer hier getäuscht werden. Wenn ich mir vorstelle, Petrick hätte das Kunststück mit einem normalen Dreier-Ringspiel vorgeführt, dann wäre es ein gar nicht so übler Trick gewesen. So aber hat er einen Klassiker meiner Meinung nach "verschlimmbessert".

Ring inside the Rose
Ein entliehener Fingerring erscheint in einer Plastikrose, die sich in einer fest verklebten, durchsichten Plastikröhre befindet, und diese wiederum steckt in einem verschlossenen Stoffschlauch. Ein gutes Kunststück, weil der Zuschauer glaubt, der Ring befinde sich noch auf einem Ringstativ, während es sich in Wirklichkeit schon in der Rose befindet. Aber das ist ja in der althergebrachten Version des Mehrfachkästchens ja auch schon so. Und so bleibt es letztlich eigentlich nur eine Frage des Geschmacks, ob man lieber Holzkästchen, Messing- oder Plastikdöschen oder glitterdurchsetzte Stoffschläuche, glitterbeklebte Plastikröhren und Plastikrosen verwendet.

Bewildering Bracelets
Eine Ring-Seil-Routine mit zwei Armreifen. Im Prinzip ja keine schlechte Idee, statt Stahlringen ohne jeglichen Alltagsbezug Armreifen zu benutzen, aber wer bitteschön trägt heutzutage noch Armreifen aus spiralförmig gedrehtem Plastikdraht? Ich wusste bis zu diesem Seminar noch nicht einmal, dass es solche Dinger überhaupt gibt! Aber gut, Geschmäcker sind nun einmal verschieden, und schlecht war das Kunststück auf keinen Fall.

Houdini Card Escape
Eine Karte wird gewählt und ins Spiel zurückgegeben. Das Spiel wird in die Kartenschachtel zurückgesteckt, welches wiederum geschlossen und mit zwei Gummibändern gesichert wird. Das Ganze kann von allen Seiten gezeigt werden. Trotzdem zieht der Vorführende scheinbar mühelos die Zuschauerkarte aus der verschlossenen Schachtel. Ein toller visueller Effekt.
Mit dem gleichen Trickprinzip ist es auch möglich, eine Karte in einer durchsichtigen Plastikbox erscheinen zu lassen. Aber auch eine super saubere Variante der Ehrgeizigen Karte ist mit dieser Idee möglich, bei der der Zuschauer alles alleine macht! Dieses Trickprinzip ist vielleicht das beste, was man aus dem Seminar mit nach Hause nehmen konnte. Mit ein wenig Geschick kann man sich das Gimmick vielleicht sogar selbst herstellen. Aber für wenig Geld gab es das Hilfsmittel auch zu kaufen.

Ring on the Rope und Knotted Card
Zuerst dachte ich, Petrick würde sich selbst ein bisschen auf die Schippe nehmen, als er sagte, er hätte hier ein "ganz normales Seil". Erst einige Sekunden später merkte ich, dass es das wirklich ernst meinte! Dabei handelte es sich um ein farbiges Seil, das in Abständen von ca. 5 cm scheinbar von breiten goldenen Klebestreifen umwickelt war. Das war so ziemlich das am präpariertesten aussehende Seil, das ich in meinen Leben jemals gesehen habe! Dass sich mit diesem Seil Fingerringe und Karten aus einer Tüte fischen lassen, dürfte selbst arglose Zuschauer nicht unbedingt vom Hocker reißen. Schade für den an sich guten Trick; hier hätte ein wirklich normal aussehendes Baumwollseil besser gepasst.

Lethal Teeth
Dieses Kunststück gehörte aus meiner Sicht zu den besten des Seminars. Ein Zuschauer wählt eine Karte, die in eine Tüte gegeben wird. Ein kleines Kunststoffgebiss soll nun in bester Kartenseil-Manier die Zuschauerkarte finden. Scheinbar jedoch schlägt dieser Versuch fehl. Der Zuschauer wird gebeten, das Spiel nach seiner Karte zu durchsuchen. Er findet seine Karte — aus der eine Ecke herausgebissen wurde! Öffnet der Vorführende nun das Gebiss, fällt die abgebissene Ecke heraus - ein herrlich trockener Gag! Unnötig zu erwähnen, dass die Ecke genau passt!

PM Magic Reel
Mit diesem Ringzieher sind eine Menge visueller Kunststücke möglich. Dank des Arretiermechanismus und der schlauen Verschlusstechnik ist die Handhabung besonders komfortabel. Nicht billig, aber für den Profi sicher sein Geld wert. Ein schöner Effekt, den Petrick zeigte, war "Visible Ribbon Fusion". Mehrere kürzere Stoffstreifen verbinden sich zu einem langen Stoffstreifen. Es blieb zwar die Frage im Raum stehen, warum man mehrere Stoffstreifen miteinander verbinden sollte, aber vielleicht findet der eine oder andere ja eine Motivation für diesen Effekt (Gefängnisausbruch? Abschleppseil?).

Straw through Card
Der Titel sagt es: Ein Trinkhalm wird durch eine Karte geschoben. Besonders täuschend hierbei: Der Zuschauer hat die freie Wahl, bei welcher Karte im Spiel er abheben möchte. Mit dieser Karte wird der Effekt vorgeführt. Außerdem sieht man beim Blick in den Trinkhalm nicht etwa durch die Karte hindurch, sondern man erkennt das Rückenmuster der Karte. Der Trinkhalm scheint also tatsächlich durch die Karte zu schmelzen.

PM Magic Coins
Die Tricks, die Petrick mit diesen Requisiten zeigte, hinterließen bei mir einen zweispältigen Eindruck. Auf der einen Seite sind mit diesen "Münzen" sehr schöne Effekte möglich, auf der anderen Seite sehen diese runden Plastikscheiben nicht gerade aus wie Münzen, sondern eben wie Plastik- oder Pappscheiben, die mit glänzender Folie beklebt wurden. Schlimmer noch: Sie klingen nicht im entferntesten wie Münzen. In Verbindung mit einem Plastikkelch, wie Petrick ihn benutzte, klingt das Ganze dann doch eher nach einem dezenten Klappern oder Scheppern, nicht aber nach einem Klimpern. Hier wird ein wichtiger akustischer Effekt leichtfertig verschenkt. Mit echten Münzen und einem echten Glas vorgeführt, würde solch ein Effekt deutlich besser "rüberkommen".

The Buzz Saw Card
Eine Karte wird senkrecht durch ein Kartenspiel geschoben. Die Karte wird also nicht zwischen den Karten hindurch geschoben, sondern durchdringt scheinbar jede einzelne Karte des Spiels. Das sieht schon irre aus. Die Zuschauer dürfen die Karten sogar anfassen und feststellen, dass sich keine Schlitze oder sonstige Öffnungen darin befinden.

Card through Card
Eine Spielkarte durchdringt eine andere Spielkarte. Geschickt wechselt Petrick bei dieser Routine immer wieder die Methode, so dass er teilweise sogar die Karten aus der Hand geben kann.

Mein Fazit: Insgesamt war es ein gutes Seminar, und der Weg nach Oelde hat sich auf jeden Fall gelohnt. Petrick zeigte eine solide Leistung als Vorführender, wenngleich er in Sachen Attraktivität und Anmut von seiner Partnerin "etwas" in den Schatten gestellt wurde.

Etwas befremdlich bleibt aber die Wahl der Requisiten. Der ausufernde Gebrauch von Glitzer und Plastik passt einfach nicht in eine moderne Zauberdarbietung. Münzen sind eben aus Metall und nicht aus Plastik oder Pappe. Gläser sind aus Glas, und nicht aus Plastik, und ein Ringspiel mit klingenden Stahlringen kommt einfach besser rüber als eines mit Plastikringen. Hier gibt es noch eindeutigen Verbesserungsbedarf. Aber so eine Seminarkritik kommt ohne Meckern eben nicht aus …

Bis zum nächsten Mal!
Frank Ollermann