65 Jahre Stolina

Seminarbericht Michael Ammer

Michael Ammar

Mehr als sieben Jahre war es her, dass Michael Ammar das letzte Mal in Oelde zu Gast war (hier der Seminarbericht von damals ). Wer den Namen denn tatsächlich noch nie gehört haben sollte: Michael Ammar ist derzeit der wohl unbestrittene Zauberlehrer Nummer Eins weltweit. Kaum jemand hat so viele und qualitativ so hochwertige Videos und DVDs produziert. Viele Zauberkünstler weltweit, darunter auch Stars wie David Copperfield oder Lance Burton, wurden von seiner Art der Zauberei inspiriert. Und das aus gutem Grund: Michael war seinerseits Schüler des legendären Dai Vernon und hat es sich angewöhnt, sich intensiv Gedanken über die Art und Weise zu machen, wie er seine Kunststücke präsentiert. Diese Gespür fürs Detail, gepaart mit einer ausgeprägten Routiniertheit in der Vorführung, lassen jedes Kunststück zu einem Genuss werden. Unter den Zauberfreunden hierzulande hat sich das herumgesprochen: In Windeseile war das Seminar ausverkauft, und wer nicht schnell genug war, muss vielleicht einige Jahre warten, bis dieser Ausnahmekünstler wieder in deutschen Landen unterwegs ist.

Hier ein Auszug aus dem Seminarprogramm, das er in Oelde präsentierte.

Erscheinende Flasche und Münze in Flasche
Aus dem Nichts erscheint plötzlich eine Weinflasche. Dieser verblüffende und fast schon erschlagende Effekt ist aber erst der Auftakt zu dem Klassiker »Münze in Flasche«, aus dem Michael Ammar aber auch wirklich alles herausholt. Eine große Silbermünze durchdringt den Boden der Flasche und ist plötzlich im Innern der Flasche – viel zu groß, um durch den Flaschenhals wieder aus der Flasche herausgeholt zu werden. Aber genau das tut Michael: Er schüttet die Münze durch den viel zu engen Flaschenhals in die Hand eines Zuschauers. Der kann sich davon überzeugen, dass es sich um eine solide, massive Münze handelt – ein völlig unmöglicher Effekt!

Bei diesem Effekt, so viel sei verraten, kommt unter anderem das Topit zum Einsatz, das Michael ausführlich erklärte. Selbst wenn man wusste, wie er »es machte«, wurde man noch getäuscht.

Ultimate Three Card Monte
Eine der stärksten, wenn nicht die stärkste Version des Kümmelblättchens (engl. »Three Card Monte«): Drei Karten werden gezeigt: ein Herz Ass, eine Kreuz Zwei und eine Kreuz Drei. Der Vorführende erklärt, dass es bei diesem Spiel darum geht, die Position der Ass-Karte zu verfolgen. Ganz langsam und deutlich wird das Ass auf den Tisch gelegt. Trotzdem liegt dort wenige Augenblicke später die Drei, obwohl der Vorführende keinerlei verdächtige Bewegung gemacht hat. Glauben die Zuschauer zunächst vielleicht noch, nicht genau aufgepasst zu haben, beschleicht sie im weiteren Verlauf der Routine immer mehr das Gefühl, dass hier etwas völlig Unmögliches passiert. Das Angenehme an Michaels Routine: Die Zuschauer werden nie direkt herausgefordert, das Ass zu verfolgen, haben demzufolge auch nie das Gefühl, verloren zu haben oder vorgeführt zu werden. Den Kartensatz zu diesem Mirakel gibt's natürlich auch hier im Shop .

Karte in Ballon
Ein weiterer, kommerzieller Karteneffekt, der vor allem durch seine humoristischen Einlagen besticht: Der Zuschauer wählt frei eine Karte aus einem Kartenspiel aus, unterschreibt sie und gibt sie selbst wieder ins Spiel zurück. Das Kartenspiel wird dann sogar noch in die Kartenschachtel zurückgegeben. Dies steckt der Vorführende dann in seine Tasche. Trotzdem findet sich die Karte des Zuschauers im Innern eines aufgeblasenen Luftballons wieder.

Crazy Man's Handcuffs
Ein weiteres Beispiel aus der Reihe »Michael Ammar Classics«: Die Durchdringung zweier Gummiringe, wie sie David Copperfield in einem seiner TV-Specials bekannt gemacht hat. Immer wieder gern gesehen und mit einer nahezu aufreizenden Langsamkeit vorgeführt – das kann man sich auch wirklich nur trauen, wenn man die Technik hunderprozentig »draufhat«.

Roll Over Aces
Mit diesem Kunststück zeigte Michael Ammar uns eine eindrucksvolle Kartenroutine mit einem Falschspiel-Thema, bei der die Fingerfertigkeit und Schnelligkeit des Vorführenden im Vordergrund steht. Die Fingerfertigkeit wird dabei allerdings nur zum Teil vorgetäuscht – die Erklärung des Trickgeheimnisses war nicht gerade eine der Art »Morgens gekauft – abends vorgeführt« … Wer sich jedoch die Mühe macht, diese Routine einzustudieren, hat einen echten Knüller im Programm: Der Vorführende kündigt an, die vier Asse ins Spiel zu mischen, wobei die Karten so gemischt werden, dass sie mal bildoben, mal bildunten liegen – also wild durcheinander. Aus diesem Chaos will der Vorführende die vier Asse herausfinden, und zwar in genau dreißig Sekunden. Entsprechend der Ankündigung mischt der Vorführende die vier Asse ins Spiel und mischt das Spiel mehrmals bildoben/bildunten durcheinander. Trotzdem findet er auf dramatische Weise die vier Asse wieder. Aber damit nicht genug – die Karten sind plötzlich alle wieder gleich ausgerichtet. Und als Höhepunkt zeigt sich, dass sich zu jedem Ass der Royal Flush der jeweiligen Farbe gesellt hat – Finale!

Becherspiel und Geldschein in Zitrone
Es hätte an ein Wunder gegrenzt, wenn Michael Ammar uns nicht sein berühmtes Becherspiel gezeigt hätte. Diesmal zeigt er uns seine Becherspielroutine allerdings im Zusammenhang mit einer effektvollen Geldschein-in-Zitrone-Routine. Dabei wird der Geldschein eines Zuschauers zerrissen und findet sich im Innern einer Zitrone wieder. Der Effekt liest sich so recht trocken, aber dank Michaels aufgeklügelten Vortrags wird daraus ein echter »Showstopper«. Zu seiner Becherspielroutine muss man eigentlich kaum noch etwas sagen, handelt es sich doch um eine der bekanntesten Routinen ihrer Art in der magischen Szene. Hervorzuheben ist auch hier Michaels unglaubliche Routine in der Vorführung – da sehen selbst schwierigste Griffe unglaublich leicht und lässig aus.

Coins through Silk
Zum Schluss führte Michael einen weiteren Klassiker aus seinem Repertoire vor: Drei Münzen durchdringen nacheinander ein Tuch. Wieder liest sich diese Beschreibung recht nüchtern, und wieder täuscht sie über die großartige Wirkung dieses Kunststücks hinweg. Gerade weil der Effekt so klar und leicht zu beschreiben ist, hinterlässt er eine sehr starke Wirkung. Zusammen mit Michaels geschliffenem Vortrag ergibt sich ein magischer Hochgenuss.

Soweit einige der Kunststücke des Seminars. Was mich wieder einmal, neben aller traumwandlerischen Sicherheit bei der Vorführung am meisten beeindruckt hat, war der Mensch und Künstler Michael Ammar an sich: Ein äußerst angenehmer Zeitgenosse, der sich für alle Fragen Zeit nimmt und sie mit großer Ernsthaftigkeit und in aller Ausführlichkeit beantwortet. Insofern hat er sich den Ruf als Zauberlehrer Nummer Eins wahrlich verdient. Und die Stehende Ovation zum Schluss des Seminars spricht für sich. Bleibt zu hoffen, dass nicht noch einmal sieben lange Jahre ins Land gehen, bis Michael Ammar das nächste Mal nach Deutschland kommt.

Frank Ollermann