65 Jahre Stolina

Seminarbericht Marc Oberon

Marc Oberon

Bei schönem Maiwetter versammelte sich eine Schar Zauberbegeisterter bei Robert Fislage in Oelde, um dem Seminar des FISM-Gewinners Marc Oberon beizuwohnen. Man durfte gespannt sein, denn allzu viel drang im Vorfeld nicht über sein Programm durch.

Er eröffnete den magischen Nachmittag mit einer kurzen, klassischen Zaubershow zu Musik. In der Figur des eleganten Salonzauberers zeigte er so bewährte Klassiker wie den Chicagoer Balltrick, das Ringspiel, den Talerfang, die Zombie-Kugel oder Zigarettenmanipulation. Ein toller Auftakt!

Dann folgte das eigentliche Seminar, und zwar mit folgenden Kunststücken:

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Eine psychologische Force, garniert mit einem Gimmick und einem praktischen Index. Damit hat man immer einen starken Mentaleffekt in der Tasche.

Epicpad
Sie kennen sicher den klassischen Effekt mit der dreifachen Vorhersage. Üblicherweise kommen dabei eine Schreibtafel und Kreide zum Einsatz. Marc Oberon zeigte eine Variante mit Edding und Papier. Damit sieht das Ganze sehr viel weniger nach Requisit aus. Die Funktionsweise ist denkbar sicher und praktikabel. Letztlich eine Frage des Geschmacks.

Predict-Event
Der Vorführende hält einen Umschlag in der Hand, in dem eine Vorhersage steckt. Der Zuschauer soll nun an ein Jahr denken, das in seinem Leben eine besondere Bedeutung hat. Der Vorführende holt nun die Vorhersagekarte aus dem Umschlag, und siehe da: Dort steht genau das Jahr, an das der Zuschauer gedacht hat. Ein im besten Sinne geradliniger Effekt.

Tomcat
Auch hier ein netter kleiner Vorhersageeffekt: Drei Zuschauer bestimmenein Haustier, dessen Namen und sogar die Farbe des Halsbandes. Der Vorführende holt die Vorhersage aus einem Umschlag, und darauf abgebildet ist das Haustier mit dem korrekt gefärbten Halsband, an dem ein Schild mit dem richtigen Namen baumelt.

Psych Out
Eine sehr universell verwendbare Trickausstattung, mit der man eine Reihe von Vorhersage- und Übereinstimmungseffekten vorführen kann. Wenn es mit den »Psycho-Tricks« mal nicht so ganz klappen sollte, hat man mit diesen Requisiten immer noch einen recht ordentlichen Ausweg parat.

Name Deck
Das war der Teaser zur Pause. Ein Zuschauer nennt eine beliebige Karte. Der Vorführende zeigt nun ein Kartenspiel, deren Karten auf der Rückseite mit verschiedenen Namen beschriftet sind. Irgendwann gelangt der Vorführende beim Durchblättern zu der Karte, die den Namen des Zuschauers trägt. Wird diese Karte umgedreht, zeigt sich, dass es sich um die vom Zuschauer frei genannte Karte handelt. Ein starker Effekt, mit dem Marc uns ratlos in die Pause entließ.

Der erste Effekt nach der Pause war ein Klassiker: der schwebende Zauberstab. Das Tolle an Marc Oberons Version ist die besondere F…führung, mit der man bei der Vorführung sehr viel mehr Bewegungsfreiheit hat und den Effekt des Schwebens dadurch noch sehr viel realistischer demonstrieren kann.

Digital Deception
Thema dieser Routine ist ein Besuch im Freizeit-Club, wo man einen Schlüssel für einen Spind ausgehändigt bekommt. Der Zuschauer soll dem Vorführenden die Nummer des imaginären Spinds nennen. Zur Kontrolle schreibt der Vorführende die Nummer auf. Nun holt der Vorführende einen Schlüssel mit Schlüsselanhänger aus seiner Jackett-Tasche. Auf dem Schlüsselanhänger ist – na? – die Nummer (in Digitalziffern) zu sehen, die der Zuschauer soeben genannt hat. Hier hat vor allem die geniale Methode für Heiterkeit gesorgt.

Off Key, Ring Fling, Clean Connection
Drei kurze, knackige Verkettungseffekte mit Schlüssel und Kette, Ring und Schnur bzw. zwei Karten. In den Händen Marc Oberons waren diese kleinen Wunder wunderbar anzusehen. Besonders die Kartenverkettung wirkte sehr überzeugend, nicht nur, weil die Karten nach Herzenslust untersucht werden konnten.

Master Deck
Endlich erlöste Marc uns und erklärte sein »Master Deck«, mit dem er zuvor den Effekt »Name Deck« vorgeführt hatte. Ein geniales System, mit dem man sehr schnell eine beliebige Karte im Spiel lokalisieren kann. Hinter diesem einfachen Prinzip verstecken sich eine große Menge sehr eindrucksvoller Effekte, die man auch problemlos direkt hintereinander vorführen kann, um sein Publikum geradezu zu »erschlagen«.

So ging nach ungefähr drei Stunden ein lehrreiches und unterhaltsames Seminar zu Ende. Alle Effekte gab es bei ihm auch direkt zu kaufen. Aber trotzdem war es keine reine Verkaufsshow, sondern darüber hinaus sehr inspirierend. Viele der gezeigten Prinzipien und Ideen konnte man leicht abwandeln und für sein persönliches Programm verwenden. Marc Oberon erwies sich als eleganter, charmanter, aber auch humorvoller und auf dem Boden gebliebener Künstler. Bleibt also wieder einmal das Fazit: Schön war's!

Frank Ollermann