65 Jahre Stolina

Seminarbericht Marc Gettmann

Marc Gettmann

Marc Gettmann - das etwas andere Seminar

Ca. 30 Zauberfreunde scheuten auch bei sehr schlechtem Wetter nicht den Weg nach Oelde zu Stolina-Magie. Robert Fislage hatte für diesen Abend den Ausnahme- Close-up-Zauberkünstler Marc Gettmann zu einer Präsentation seiner Kunststücke mit anschließender Erklärung einladen können.

Obwohl Marc Gettmann zu Beginn bemerkte, er habe keine Erfahrung als Seminarist und wäre da nur so irgend wie reingerutscht, kamen die Gäste voll auf ihre Kosten.

Seine Betonung: Tolle Zauberkunststücke ohne eigentlich schwere Griffe, kommt natürlich auf die persönliche Qualität eines jeden selbst an. Wenn die Griffe auch hier und da einfach erschienen, so sind Marcs Routinen überwiegend sehr komplex . Um z. B. den an den Anfang gestellten 3-Münz-Trick in solch einer Qualität durchzuführen, bedarf es schon einiger Ausdauer in der Vorbereitung und natürlich auch großer Geschicklichkeit.

Dieses Kunststück zelebrierte er mit amerikanischen Silberdollars. Aufgrund der Größe und des Erscheinungsbildes der Münzen und des "Geheimnisses" eine wahre Augenweide. In einer schnellen Reihenfolge und von einem einwandfreien Handwerk begleitet, erschienen und verschwanden die Silberlinge in den Händen, am Ärmel und ganz zum Schluss sogar im Mund.

Das folgende Kartenkunststück, die Zuschauerkarte erscheint am Schuh des Zauberers, beruhte in erster Linie auf einer äußerst perfekten Misdirection. Nicht nur die Karte wurde mit einem festen Fußaufstampfen wiedergefunden, sondern das ganze Restspiel verschwand im Laufe der Story. Marc präsentierte hierbei eine optisch sehr gute Palmage.

Bei dem Kunststück "Karte unter Wasserglas" erschien die vom Zuschauer frei gewählte Karte mehrmals unter einem auf dem Tisch stehenden Wasserglas. Hier auch perfekte Misdirection und eine vollkommen fließende Abstimmung der Bewegungsabläufe der beiden Hände. Dieses mal wirklich keine schweren Griffe, aber ein einwandfreies Timing und eine hervorragende Körpersprache.

Mind-Shaker, so der Titel des nachfolgenden Kartenkunststückes. Für den, der es an diesem Abend erleben konnte, war es auf der einen Seite eine Riesenfrechheit, für den Zuschauer auf der anderen Seite jedoch ein absolutes Mirakel. Auf eine sehr subtile aber gut durchdachte Weise findet der Zauberer aus einem vom Zuschauer vorher gemischten Kartenspiel eine freigewählte Karte wieder. Hierbei werden die Karten vom Zauberer eigentlich gar nicht so richtig in die Hand genommen.

Slydini lässt grüßen: Eine "Münze-durch-Tisch-Routine" vom allerfeinsten. Diese beschreiben zu wollen, würde Seiten voller Text bedeuten. Wer dieses Kunststück gesehen hat, wird es so schnell nicht vergessen. Herrliche Misdirection auch hier, perfekte Griffe, sichere Körpersprache, ein logischer Aufbau der Gesamtroutine. Was will man mehr?

Für mich das stärkste visuelle Erlebnis des Abends: der "Muscle Pass". Ein Münze fällt nicht von der oberen Hand in die untere. Nein, in diesem Fall in Perfektion: Die Münze "fällt" von unten nach oben! Man traute seinen Augen nicht. Roberts Tisch hat der Gesamtbelastung dieses Kabinettstückchens übrigens standgehalten.

Wie übergibt man zauberhaft nach einem erfolgreichen Auftritt seine Visitenkarten? Hier präsentierte Marc Gettmann eine sehr einfache, aber optische und zaubertechnisch tolle Lösung. Für die Fachleute: Hierbei war Al Baker der Vordenker.

Ich habe nun nicht alle Kunststücke beschrieben, aber ich denke, wer an diesem Abend dabei war, vergisst ihn ohnehin nicht. Und wer nicht dabei war, hat ein wenig Pech gehabt.

Dieses Seminar war sicherlich nichts für den, der eben mal ein Close-Up-Kunststück erlernen will. Aber als selbst gestecktes Ziel, diese Sparte der Zauberkunst perfekt zu beherrschen und zu zelebrieren, war es gewiss ein absolutes "Muss".

Frank Dörries (Charly der Zauberer)
OZ Bielefeld