65 Jahre Stolina

Seminarbericht Helder Guimarães

Helder Guimarães

Helder Guimarães ist Profi-Zauberkünstler aus Portugal. Bekannt ist er der Zauberszene wohl vor allem durch seinen Titelgewinn in der Sparte Kartenzauberei bei der FISM 2006. Die Erwartungen waren entsprechend hoch – und wurden nicht enttäuscht. Hier einige Kunststücke des Seminars im Schnelldurchlauf:

Aces and Glass
Eine Stand-up-fähige Version von »Dr. Daley's Last Trick«, bei dem die beiden roten Asse mit den beiden schwarzen Assen die Plätze tauschen. Durch eine clevere Kombination aus Präparation, Grifftechnik und Wortwahl entsteht eine äußerst ansprechende kurze Kartenroutine.

Intro zur »Invisible Thread Routine«
Kurz und gut: Der Zuschauer wählt eine Karte. Es ist eine Vier. Diese Vier verwandelt sich blitzschnell und sehr visuell in die vier Asse. Mit diesen kann dann sofort weitergezaubert werden.

Öl und Wasser
Helder zeigte eine Version des Klassikers »Öl und Wasser«. Der Vorteil dieser Routine: Sie ist kurz und knackig und eignet sich nicht nur deshalb ideal für Table-Hopper. Der Effekt: Vier schwarze und vier rote Karten werden abwechselnd rot, schwarz, rot, schwarz usw. aufeinandergelegt. Auf magische Weise trennen sich die roten und schwarzen Karten voneinander – eben wie Öl und Wasser.

Kriminaltrick
Hiermit zeigte Helder uns eine unterhaltsame Routine, die auf dem klassischen Krimi-Thema basiert. Zwei Könige spielen die Rolle von zwei Polizisten, die sich auf die Suche nach drei Verdächtigen machen. Diese drei Verdächtigen werden von drei Zuschauern in Form von Spielkarten ermittelt. Natürlich schaffen es die zwei Polizisten auf immer magischere und visuellere Weise, die Verdächtigen zu finden.

Die wohl eindrucksvollste Routine des Seminars war »Cards, Signatures and Glasses«: Aus einem Päckchen, bestehend aus zehn Karten mit roten Rückseiten, werden zwei Karten von je einem Zuschauer unterschrieben. Dieses wird in ein Weinglas gestellt. In ein anderes Weinglas wird ein Päckchen von zehn Karten mit blauem Rücken gestellt. Die beiden unterschriebenen roten Karten wandern nun aus ihrem roten Päckchen, das nun logischerweise nur noch aus acht Karten besteht, und erscheinen in blauen Päckchen, das nun ein volles Dutzend Karten enthält. Eine bis ins letzte Detail ausgefeilte Routine mit dem wohl abgefahrensten Austausch-»Griff«, den ich in meinem Leben je gesehen habe.

Three Progressive Choices
Das letzte Kunststück des Seminars wurde nicht erklärt. Dadurch blieb zwar eine gewisse Spannung in der Luft (»Wie hat er das nur gemacht?«), aber dennoch war es ein würdiger Abschluss. Drei Karten werden auf verschiedene Weise gewählt und eine nach der anderen wiedergefunden. Der Abschlusseffekt hat es in sich: Streift der Vorführende das Kartenspiel bildoben aus, stellt sich heraus, dass alle Karten unbedruckt sind – mit Ausnahme der nur gedachten Karte!

Helder Guimarães hat ein tolles Kartenseminar zusammengestellt, mit abwechslungsreichen Routinen, die erstaunlich leicht zu meistern waren und doch eine starke Wirkung entfalteten. Die Routinen waren sehr gut durchdacht und choreografiert. Jederzeit merkte man ihm an, dass er nicht nur Zauberkünstler, sondern auch erfahrener Schauspieler ist. Ein unterhaltsames und lehrreiches Seminar, wie man es sich nur wünschen kann.

Fotos: Georg Fabisch
Text: Frank Ollermann