65 Jahre Stolina

Seminarbericht FL!P

FL!P

Ich habe Flip zum ersten Mal während einer Jubiläumsfeier des Magischen Zirkels 1989 gesehen. Zur damaligen Zeit war ich noch Anfänger. Nachmittags besuchte ich sein Seminar und abends sah ich Flip in der Galavorstellung. Staunend saß ich vor ihm: Flip konnte ZAUBERN und übte eine nicht gekannte Faszination auf mich aus. Es war seine Art der Vorführung, seine Mimik, seine Gesten und vor allen Dingen sein Humor! Umso gespannter war ich auf ein Wiedersehen in Oelde. Am 27. Juni war es dann soweit. Pünktlich um 19.00 Uhr hieß es "Vorhang auf"!

Flip begann mit einer Glühbirnenroutine, die recht verblüffend und lustig war. Aus einer entleerten Schachtel wurden ununterbrochen Glühbirnen hervorgeholt! Toll!

Als nächstes ein Färbeeffekt mit dem BIC-Feuerzeug, in der Bearbeitung von Flip, sehr gut einsetzbar im Close-up Bereich.

Es folgte eine Seilroutine, professionell und überzeugend vorgeführt, bei der es viel zu lachen gab!

Auch beim nächsten Kunststück zeigte sich die Arbeits- und Denkweise eines Profis, der täglich unter "normalen" Bedingungen auftritt: Flips Routine mit unpräparierten Sicherheitsnadeln, bei der man am Ende gleich wieder einsatzbereit ist, also ideal einsetzbar für den Table-Hopper.

Bei dem nun folgenden alten Hut mit der sogenannten Kreuzverstrebungs-Brieftasche mag der eine oder andere schon müde abgewunken haben. Aber was Flip daraus machte, war schon bewundernswert. Eingebunden waren ein Geldschein, eine Scheckkarte und ein Streichholzbrief, die die tollsten Kapriolen vollbrachten. Erwähnenswert ist, dass er diese Routine schon vor 1200 Zuschauern vorführte!

Nun folgte ein Programmpunkt mit fünf Buchstaben: PAUSE. Bei der sommerlichen Hitze sorgte die tolle Bewirtung im Garten der Familie Fislage dafür, dass kurze Zeit später der Blutzuckerspiegel wieder angehoben war und in die zweite Runde des Seminars eingestiegen werden konnte.

Das weitere Programm ließ die Zauberherzen höher schlagen. Flips Comedy-Chop-Cup-Routine mit einer Plastiktasse und Schwammbällen sowie weitere lustige Sequenzen mit der gleichen Tasse.

Weltbekannt wurde Flip durch seine "Flip-Stick-Routine". In abgewandelter Form sahen wir nun eine sehr unterhaltsame Routine mit einer Flöte, einem Flötenreinigerstab und einem Tuch. Auch hier merkte der Insider, wie wichtig eine Manipulationsschule sein kann: Die Dinge sind nicht schwer, aber man muss es eben können.

Nun folgten selbst entwickelte Kartengriffe wie der Side-Steal oder das "Flip-Glissieren" in Verbindung mit wirkungsvollen Kartenkunststücken.

Zum Abschluss des Seminars zeigte Flip seine bekannte Ball-Cone-Routine: Es ist eine sehr abwechslungsreiche Manipulationsroutine, die ohne die typischen Chikagoer Billardballgriffe auskommt, es werden lediglich Palmagen genutzt. Kaum zu glauben, dass sich diese Dinge im Nah- und Rund-um-Bereich vorführen lassen.

Selbst wer in diesem Seminar keine Routine übernehmen mochte, fand wertvolle Hinweise. Präsentationsformen wie Pantomime, Gesichtausdruck, Bewegung und Dynamik sind oft wichtiger als ein Effekt. Flip gibt die unterschwellige Botschaft: Man kann mit wenigen Requisiten auskommen, wenn man seiner Kreativität einmal freien Lauf lässt.

Mich als jungen Zauberinteressierten hat Flip insbesondere in meiner Anfängerphase stark geprägt. Seine Maxime: Geringes ist die Wiege des Grossen. Er ist für mich einer der sympathischsten, natürlichen Zauberkünstler. Kein großes Gehabe, man sieht, dass es ihm Freude macht, die Zuschauer zu verzaubern und mit Alltagsgegenständen zu verblüffen. Er hat einen Riesenspaß an seinem Beruf, der für ihn eine Berufung ist. Nach einem dreieinhalbstündigen Seminar hätte er die gleiche Zeit noch einmal anhängen können, sein Fundus ist schier unerschöpflich.

P.S.: Ich kann jedem nur empfehlen, sich die gerade erschienene DVD-Reihe von Flip zu besorgen. Dort finden Sie universell einsetzbares Material für jede Gelegenheit. Alles was Sie benötigen, passt in einen Zylinder. Wer diese Kunststücke beherrscht, kann überall auftreten, ob Close-up, Stand-up, Bühne oder Straße!

Teddy Ludens