65 Jahre Stolina

Seminarbericht Doctor Marrax

Doctor Marrax

Mit Kaffeekannenwärmer auf dem Kopf und einem Paar Stiefel...

... so erzählte er, mit bürgerlichem Namen Gerhard Matheis, den anwesenden Magiern der Republik eher als Dr. Marrax, der mit »Doppel-R« wir Rock and Roll, Rolls Royce oder Rinderroulade, bekannt, aus seinem Metier: der Straßenzauberei.

Authentisch, wie aus einer alten Zeitepoche entwichen, stand er bei Robert »Stolina« Fislage vor dem Kaufverhinderungsvorhang auf der Bühne und präsentierte den anwesenden Zauberinnen und Zauberern sein aktuelles Programm und das daraus resultierende Seminar.

Um es vorweg zu nehmen: Eigentlich waren die dargebotenen Kunststücke meistens Standardkunststücke, die ein jeder von uns in seinem Zauberschrank liegen oder sogar in seinem eigenen Programm integriert hat. Doctor Marrax ist es jedoch in unnachahmlicher Weise gelungen, all diesen magischen Kleinigkeiten seinen unverwechselbaren Charakter einzuhauchen. Dieses hat er in seiner eigenen Wortwahl, inspiriert von Autoren wie z. B. Tucholsky und mit einer eigenen »Choreografie«, wie die Synchronisation von Sprache und Bewegungsabläufen beim Trickgeschehen, umgesetzt.

In all den Kunststücken findet man seine Ideen, seinen Charme und seinen Witz wieder – sie sind zu etwas Eigenem, Individuellen von Doctor Marrax geworden. Und so sollte es jeder Zauberkünstler machen.

Doch nun zu den Kunststücken:

Dampf aus der Tasche – eher ein beeindruckender weißer Rauch. Die Idee mit dem Kaffeebecher und den Ingredienzien, die man in jeder Apotheke erwerben kann. So toll wie simpel.

Doctor Marraxens Seilroutine – eine bunte Mischung aus »Kurz-Mittel-Lang« und dem klassischen Seilzerscheiden (mit Zeige- und Mittelfinger) und restaurieren, wieder zerschneiden, dieses Mal in drei gleichlange Teile, die dann doch unterschiedlich lang sind. Fünf magische wunderbare Effekte – mit minimalem zauberischen Gepäck.

Eigentlich wurden die benötigten Requisiten von der Größe her immer weniger. Marraxens Routine vom Hindu-Faden – ein Klassiker vom Allerfeinsten. Bestechend hier die Art der Darbietung und den Mut, nur mit einem Faden vor einer großen Schar Zuschauern zu stehen und diese zu begeistern.

Und dann kam die Sache mit den »Nichts« – die Lochwanderung. Zwei kreuzweise gefaltete Zettel werden in den vier aufeinander liegenden Ecken gelocht – mal innen mal außen. Die Zettel werden zum Beweis, dass 4 Löcher existent sind, auseinander gefaltet und dem Publikum gezeigt, wieder gefaltet und zwei Zuschauern in die Hand gegeben. Ein »Simsalabim«, und ein Loch wandert von dem einen Zuschauer zum anderen. Witzig und unterhaltsam.

Die Sache mit Schnur durch Nase muss man mögen. Auf der Straße sicherlich passender als auf der Bühne oder im Salon. Mit einer Ahle werden scheinbar links und rechts Löcher in die Nase gestochen, dann wird eine Art Astgabel mit einem Lederband darin über die Nase gestülpt – dann wird das Lederband zum Beweis der löcherigen Nase hin und her gezogen. Für mich ein Kunststück, das nur zu Doctor Marrax passt.

Beim Nagel im Kopf konnte ich eigentlich gar nicht richtig hingucken – schön schauerlich. Nichts Magisches, es geht einfach, weil genug Platz im Kopf ist.
Die Präsentation von Doctor Marrax perfekt zelebriert, wenn er sich mit großem Brimborium mit einem Hammer den Nagel in den Kopf hämmert und danach mit einer großen Beißzange selbigen unter Stöhnen wieder rauszieht. Wie gesagt: schön – schauerlich.

Ein sehr schöner magischer Effekt, gar nicht schrill, wie die vorhergehenden, sondern irgendwie märchenhaft: Papier zu Geld. Wunderbar gelöst und inszeniert: Von einer Adlerfeder, in diesem Fall von einem Zwergadler – kopiert auf ein Stück Papier – ein Streichholz entzündet dieses Papier – die Asche »fliegt« federgleich hoch – wird aufgefangen – in den Händen geschüttelt – und in einen Geldschein verwandelt. Dieser wird auseinandergefaltet und präsentiert.

Das Papierfressen ist wahrscheinlich auch nicht für jedermann etwas. Verschiedene bunte Seidenpapierstücke werden an die Zuschauer verteilt und wieder eingesammelt. Stück für Stück werden diese dann in den Mund gesteckt und »verschluckt«. Unter Würgen und Ächzen wieder zum Vorschein gebracht und als lange bunte Girlande aus dem Mund gezogen. Ein buntes, eher spektakuläres Schlusskunststück.

35 Minuten kurzweilige tolle Unterhaltung – Applauspose – und Schluss.

Ach ja, hätte ich fast vergessen: Ohne das geheime Mittel »MARRAXOFAX« wäre das natürlich alles nicht möglich gewesen. Dieses Allroundzauber- und (wahrscheinlich) -heilmittel spielte selbstverständlich bei jedem dargebotenen Zauberkunststück eine wichtige Rolle – und das schon seit Jahrzehnten.

Zum Abschluss erzählte Dr. Marrax aus seinem umfassenden Erfahrungsschatz aus Jahrzehnten der Straßenzauberei, nahm Stellung zur Ausstattung und zum restlichen Erscheinungsbild eines erfolgreichen Straßenzauberers. Große Namen wurden genannt: Cellini, Frascatelli oder Shri Magada. Erzählungen und erlebte Geschichten, die immer den Tenor hatten: Die Straße hat ihr eigenes Gesetz.

Es was ein kurzweiliger Nachmittag bei Stolina-Magie – Robert und Maria in Oelde. Ein klasse Seminar – nicht nur für Straßenzauberer – ein jeder konnte etwas daraus mitnehmen.

Wir waren an diesem Nachmittag zu Gast und haben uns zurückfallen lassen in die Welt der Gaukler, Scharlatane und Quacksalber, die ihre Fähigkeit nutzten, Zuschauer mit fantastischer Magie in den Bann ziehen.

Frank Dörries
Charly der Zauberer
MZ Bielefeld
www.charly-zaubert.de