65 Jahre Stolina

Seminarbericht Dirk Losander

Dirk Losander

Die Bude war rappelvoll am Abend des 20. November 2000. Dirk Losander hatte sich angekündigt, der Spezialist für Schwebeeffekte aller Art. Vor dem Seminar plauderte er noch eine halbe Stunde lang in unserem Chat. Dann, um 19.00 Uhr ging es los. Das Seminar befasste sich (fast) ausschließlich mit Schwebeeffekten, den stärksten überhaupt möglichen Effekten in der Zauberkunst. Ich wollte schon lange einmal einen Schwebeeffekt in mein Programm einbauen, war aber bisher noch nicht dazu gekommen. Hatte ich mich vielleicht nicht getraut, einen solchen Effekt vorzuführen? Passte ein Schwebeeffekt überhaupt zu mir und meinem Programm? Nach diesem Seminar - das kann ich hier schon verraten - war mir klar, woran es lag: Ich hatte einfach noch keine gute Anleitung gehabt. Doch mit diesem Seminar hatten die Ausreden ein Ende - gleich am nächsten Tag machte ich mich über meine Zombie-Kugel her! Doch der Reihe nach:

Als Eröffnung wählte Dirk Losander "Die magnetisierte Banknote", einen Stegreif-Effekt mit einem geliehenen Geldschein. Ein Geldschein wird statisch aufgeladen und "klebt" an der Handfläche. Als Höhepunkt dieses kurzen Spuks wird der Geldschein sogar von der Handfläche angezogen und schwebt zu ihr hoch! Zum Schluss kann der Zuschauer den Geldschein selbst von der Handfläche des Vorführenden nehmen. Eine verblüffende kleine Routine, bei der sich wahrscheinlich schon so mancher Zuschauer am nächten Tag gefragt hat, ob er sich alles nur eingebildet hat. Interessant ist auch Losanders Ansatz, den Zuschauer durch die Geschichte mit der statischen Aufladung auf eine falsche Fährte zu locken.
Es folgte "Der schwebende Geldschein". Eine geliehene Banknote fängt plötzlich an, zwischen den Händen zu schweben. Ganz in Zombie-Manier scheint der Schein dem Vorführenden sogar davonfliegen zu wollen. Wenn man entsprechend gerüstet ist und irgendwann einmal gefragt wird, ob man "nicht mal schnell etwas zaubern" könne, gibt es wohl kaum ein Kunststück, mit dem man seine "magischen" Fähigkeiten eindrucksvoller unter Beweis stellen kann.

Der schwebende Papierball war der nächste Effekt im Programm. Ein aufblasbarer Papierball springt in die Hand des Zauberkünstlers, und schwebt zum Schluss scheinbar frei im Raum. Der Vorteil dieser Routine ist, dass er ständig vorführbereit ist und ständig in der Tasche getragen werden kann. So ist man immer für eine kleine Schweberoutine gerüstet.
Als einzigen Nicht-Schwebe-Effekt führte Drik Losander nun ein Kunststück vor, das Laien mit Sicherheit lange im Gedächtnis bleiben dürfte, wenn sie es einmal sehen. Eine Gabel wird auf den Fußboden gelegt. Mit gespreizten Fingern macht der Vorführende beschwörende Gesten über der Gabel, bis diese plötzlich beginnt, sich langsam zu drehen. Ein irrer psychokinetischer Effekt, bei dem kaum die Gefahr besteht, dass ein Zuschauer hinter das Geheimnis kommt. Bonus: In dem Moment, da die Gabel sich nicht mehr bewegt, ist man automatisch "sauber", und die Gabel kann aufs Gründlichste untersucht werden.
Immer wieder gab Dirk Losander wertvolle Tipps für die Arbeit mit Fäden, worauf man beim Hintergrund und beim Licht achten muss, wann man Fäden besser nicht einsetzen sollte und was man gegen Verlust und Reißen von Fäden tun sollte.
Nun kam ein Klassiker, der wahrscheinlich schon lange im Schrank von so manchem Zauberfreund vor sich hin schlummert: der tanzende Stock. Das Besondere an Losanders Ausführung ist die Art und Weise, wie das gewisse Etwas befestigt und aufgenommen wird. Eine Lösung, die es ermöglicht, den tanzenden Stock auch auf Messen oder unter ähnlichen Bedingungen vorzuführen, ohne dass man sich Gedanken über die Präparation machen muss. Einfach den Stock nehmen und loslegen! Eine nette Anekdote aus Dirk Losanders Vorführpraxis machte übrigens deutlich, wie wenig Sorgen man sich manchmal machen muss: Ein Messebesucher hatte ihn den tanzenden Stock 200mal (!) vorführen sehen und war bis zum Schluss davon ausgegangen, dass der Effekt durch den Einsatz eines im Boden eingelassenen Elektromagneten zustande kam ...
Dass man diesen Effekt nicht nur mit einem Stock zeigen kann, bewies Dirk Losander nun mit der tanzenden Kerze - gleiches Prinzip, andere Wirkung; nicht nur schöner anzusehen, sondern vor allem auch psychologisch viel täuschender.

In der Pause stärkten sich die Anwesenden mit Kaffee und Gebäck, wie man es von den guten Gastgebern aus der Hans-Böckler-Straße ja mittlerweile gewohnt ist. Hier hatte man Gelegenheit, sich über das soeben Gesehene zu unterhalten, und man war sich einig, dass man es hier eindeutig mit einem Experten auf seinem Gebiet zu tun hat, der weiß, wovon er redet und worauf es ankommt.

Als ersten Effekt nach der Pause führte Dirk Losander die altbekannte Zombie-Kugel vor. Nun ja, so altbekannt nun auch wieder nicht. Die Verbesserung des Gimmicks nämlich macht das Schweben so echt und täuschend, dass man schon fast von einem neuen Trickprinzip sprechen kann. Klar, um ein überzeugendes Schweben zu erreichen, muss man schon gründlich üben und choreographieren; aber meine Angst, diesen Effekt vorzuführen, war mir endlich genommen!
Bei den nächsten Effekten kam mit der Verwendung von Seifenblasen zum ohnehin schon magischen Effekt des Schwebens noch der Aspekt der Vergänglichkeit hinzu, was auf der "Bauchebene" noch sehr viel direkter und stärker anspricht. Man kann sich der Wirkung dieser kleinen Wunder einfach nicht entziehen - nicht einmal, wenn man weiß, "wie's geht". Zunächst ließ Dirk Losander Seifenblasen über seiner Hand schweben. Dann führte er eine Zombie-Schwebe mit einer Seifenblase (!) vor. (Auf diese Idee muss man erst einmal kommen!) Und als wäre das nicht schon erstaunlich genug, ließ er schließlich noch eine Okito-Schwebe mit einer Seifenblase folgen! Die Seifenblase schwebt vom Zauberkünstler weg und wieder auf ihn zu, durch einen Ring und wieder zurück - ein unglaublicher Anblick! Künstler mit einer poetischen Ader kamen hier voll auf ihre Kosten. Zudem gab er wichtige Tipps zum Umgang mit Seifenblasen, vor allem zum Thema Zugluft. Was passieren kann, wenn man keine optimalen Bedingungen hat, zeigte eine weitere kleine Anekdote aus Japan, wo man für Dirk Losander bei aller Höflichkeit offensichtlich nicht in der Lage war, pünktlich zur Show die Klimaanlage auszuschalten ... Dennoch ist Dirk Losander offensichtlich Optimist geblieben. Wie sonst soll man es erklären, dass er bei der Besprechung dieser beiden Effekte davon sprach, ihm sei die Seifenblase zu Anfang "ein bisschen geplatzt"???
Den krönenden Abschluss bildete das Kunststück, für das Dirk Losander wohl am bekanntesten sein dürfte: "Der schwebende Tisch". Eine Routine, die bis ins letzte Detail ausgefeilt wurde und die an Wirkung nichts zu wünschen übrig lässt. Aus verständlichen kommerziellen Gründen folgte allerdings keine Erklärung dieses Effektes.

So ging ein für mich sehr lohnendes Seminar zu Ende. Und nachdem bereits Experten für Topit, Taschen, Mentalmagie, Kartenkunst und Kinderzauberei in Oelde gewesen waren, war ein Spezialist für Schwebeeffekte eine perfekte Abwechslung im Seminarprogramm von Stolina-Magie. Man darf also gespannt sein, wer diese kleine Bühne in Oelde als Nächster betreten wird. Wir sehen uns!

Frank Ollermann