65 Jahre Stolina

Seminarbericht David Stone

David Stone

Osterglocken säumten den Weg zu Robert Fislage an diesem 18. März 2012. Ansonsten war es draußen eher ungemütlich. Aber egal – das Beste an diesem Tag fand sowieso drinnen statt: das Seminar mit David Stone. Viele sind hierzulande erstmals durch seine DVDs »Basic Coin Magic« (Band 1 und Band 2) auf ihn aufmerksam geworden. Später wurde er unter anderem durch seine DVDs »The Real Secrets of Magic« bekannt. Sein Stil ist unnachahmlich – ausgeflippt, total überdreht, nach eigenen Angaben »ein bisschen pervers«, manchmal an der Grenze des guten Geschmacks, manchmal auch einen Schritt darüber hinaus, und immer zum Brüllen komisch. Sollte ein Veranstalter einmal den Fehler machen, ihn nicht als Abschlussnummer zu buchen, dann kann man nur jeden bedauern, der nach ihm auf die Bühne muss.

Hier eine kleine Auswahl der Kunststücke, die er an diesem Tag vorgeführt und erklärt hat – und die ich mir zwischen Simultanübersetzen und Totlachen merken konnte...

Color Changing Deck
Eine sehr saubere und visuelle Routine des farbwechselnden Kartenspiels. Nur eine der unzähligen Möglichkeiten, die Davids Gimmick »Tool« bietet. Er zeigte uns eine Vielzahl von Ideen mit diesem genialen Werkzeug. Die Möglichkeiten sind wirklich unbegrenzt.

Word(s)
Hierbei handelt es sich um einen sehr kommerziellen und praktischen Buchtest … auch wenn David Stone an diesem Tag leider nicht alles aus ihm herauskitzeln konnte. Zuschauer merken sich aus einen Rätselheft jeweils ein beliebiges Wort. Und natürlich kann der Vorführende Buchstabe für Buchstabe die Wörter ermitteln – durch echtes Gedankenlesen, versteht sich...

Mit Rewind zeigte David Stone und eine High-Tech-Version der zerrissenen und wiederhergestellten Karte, die auf einem cleveren Gimmick basiert. Eine sehr direkte Idee, die aus meiner Sicht jedoch längst nicht so überzeugend wirkt wie manch andere Versionen, die auf dem magischen Markt erhältlich sind.

Ein weiterer käuflich erhältlicher Effekt war »Cell«, bei dem eine frei gewählte und unterschriebene Karte gefaltet im Akku-Fach eines Mobiltelefons wiedererscheint. Wieder ein cleveres Gimmick, das eine sehr überzeugende und zeitgemäße Variante des Grundeffekts »Card to Impossible Location« ermöglicht.

Misdirection Deck war ein weiteres Kartengimmick zum Zungeschnalzen. Es eignet sich ideal, um eine Kartenroutine zu eröffnen. Die muss dann allerdings schon wirklich erste Sahne sein, um eine Steigerung darzustellen. Der Effekt: Sie nehmen eine Kartenschachtel zur Hand und öffnen sie. Darin ist ein Kartenspiel zu sehen. Im Bruchteil einer Sekunde ist die Kartenschachtel um das Kartenspiel herum verschwunden und an einem anderen Ort aufgetaucht. Klingt trocken, ist aber unglaublich visuell und stark.

Dass David Stone auch ohne Gimmicks zu absolut täuschender Misdirection fähig ist, bewies er unter anderem mit seiner Version von »Card on Forehead«, bei der eine Zuschauerkarte immer wieder aus dem Spiel verschwindet und auf der Stirn des Vorführenden wiedererscheint.

Aus meiner Sicht ein kleines Juwel war »Paper Balls« eine Mischung aus »Paper Balls Over the Head« und zerrissener und wiederhergestellter Serviette. Sehr kurz, aber sehr effektiv, mit einem schönen doppelbödigen Effekt.

Splash Bottle durfte natürlich auch nicht fehlen: Aus dem Nichts erscheint eine Sektflasche. David Stone zeigte uns mehrere Varianten dieses verblüffenden Effekts.

Der Effekt aber, über den wohl die meisten Anwesenden sprachen, war »Spot«. So kurz der Name des Effekts, so schnell war er auch schon vorbei. Und insgeheim fragte man sich, ob man das alles nur geträumt hatte. Der Zuschauer unterschreibt eine Spielkarte. Auf der Rückseite befestigt der Vorführende einen kleinen gelben Klebepunkt. Nachdem die Karte ins Spiel zurückgemischt wurde, macht sich der Vorführende auf die Suche und präsentiert auch sogleich eine Karte, die er zunächst mit der Rückseite zum Publikum hält. Es gibt da nur ein Problem: Der Klebepunkt fehlt. Problem? Kein Problem! Auf äußerst magische und visuelle Weise erscheint plötzlich wie aus dem Nichts ein Klebepunkt. Man sieht förmlich, wie er sich auf der Karte materialisiert. Doch leider ist der Klebepunkt nicht gelb, sondern rot. Auch wieder kein Problem: Einmal gegen die Karte schnippen, und der rote Punkt wechselt seine Farbe in gelb. Wird die Karte umgedreht, zeigt sich, dass es sich tatsächlich um die frei gewählte und vom Zuschauer unterschriebene Karte handelt. Man konnte an den Schnippgeräuschen hören, wie gut sich dieses Gimmick verkaufte...

Standing Ovations habe ich schon lange Zeit nicht mehr erlebt. An diesem Tag war es aber mal wieder soweit – und zwar vollkommen verdient! David Stone hat abgeliefert! Er hat das Haus gerockt! Ein Seminar, an das man noch lange und gerne zurückdenkt. Waren seine Vorführungen schon verblüffend und unterhaltsam, so haben wir uns bei seinen Erklärungen mit den vielen eingestreuten Gags und Witzen teilweise fast nicht mehr eingekriegt. Und so traten wir schließlich mit einem Lächeln auf dem Gesicht wieder den Heimweg an. Und selbst das Wetter war wieder heiter...

Frank Ollermann