65 Jahre Stolina

Seminarbericht Danny Archer

Danny Archer

Da stand er auf der Bühne und bereitete gewissenhaft seine Effekte vor: Danny Archer, ein kleiner Mann in den besten Jahren und voller Energie. Mit seinem Seminar war er zum ersten Mal in Deutschland, und Oelde war seine fünfte Station auf dieser Tour. Bei dem dargebotenen Material handelt es sich sozusagen um ein "Best of" aus seinen beiden Seminaren "Working Alone" und "Still Working Alone".

Mit "Balls" zeigte Danny zu Beginn eine flotte Routine, in der sich ein kleiner Ball mehrmals verschwindet, erscheint, sich färbt und verwandelt. Sicherlich keine Routine, die man schon nach zehn Minuten Übungszeit vorführen kann, dafür eine sehr eindrucksvolle Visitenkarte gleich zu Beginn einer Show.

Es folgte "Lost and Smelled", eine Kartenroutine, bei der ein Zuschauer an eine beliebige Uhrzeit denkt und durch entsprechendes Abzählen eine Karte bestimmt. Trotz mehrfachen Mischens durch den Zuschauer (!) findet der Vorführende die Karte (zumindest in 99,9% aller Fälle, so Archer).

Mit "Triple Threat" zeigte Danny dann seine Version des Effektes "Mental Epic" (hier bei Stolina als Occult Board , auch als Close-Up-Version , erhältlich). Ein Haustier, ein Lieblingsspeise sowie ein Wort aus einem Buch werden vom Vorführenden vorausgeahnt. Wie beim Occult Board werden die Vorhersagen getroffen, bevor der jeweilige Zuschauer sein gedachtes Wort nennt. Das Schöne an Dannys Version ist, dass die Routine sich durch die gesamte Vorführung zieht und einen herrlichen roten Faden bildet.

Bei "Par for the Course" geht es um die Vorhersage einer Runde Golf. Mehrere Zuschauer schreiben auf eine Punktekarte beliebige Zahlen, deren Summe der Vorführende als Vorhersage in einem Umschlag deponiert hat. Eine Zusatzlektion gab es an diesem Abend gratis dazu: Weil die Vorführung ein wenig schiefging, musste Danny improvisieren, was ihm jedoch tadellos gelang. Motto: Nur keine Panik!

Als letzten Effekt vor der Pause zeigte Danny eine Routine, bei der drei Münzen nacheinander erscheinen, verschwinden und wieder erscheinen. Der Einsatz eines Gimmicks und die geschickte Präsentation (bei der die Münzen scheinbar hinter den Ohren und im Ellenbogen deponiert werden) macht aus dieser Effektfolge ein eindrückliches Wunder.

In der Pause gingen bereits die ersten kommerziellen Effekte über den Tisch, und Danny stand den Seminaristen für Fragen zur Verfügung.

Mit "A Barrel of Fun" ging es nach der Pause weiter. Bei Dannys Version von Nest of Boxes wandert eine unterschriebene Münze in die innere von drei ineinandersteckenden Spielzeugfässern. Während es sich bei diesen Fässern um ein in den USA recht verbreitetes Spielzeug handelt, werden sich die meisten Deutschen wohl ein anderes Requisit aussuchen müssen. Praktischerweise sind dem einfallsreichen Zauberfreund hierbei jedoch kaum Grenzen gesetzt.

"Magic Jeopardy" ist eine sehr unterhaltsame Routine, bei der es darum geht, aus mehreren Schlüsseln genau den herauszusuchen, der ein Schloss öffnet. War das Thema in diesem Fall ein Gewinnspiel, bei dem die mitwirkenden Zuschauer leider leer ausgingen, so lässt sich das Prinzip bei vielen anderen Gelegenheiten einsetzen, vom Kindergeburtstag bis zur Hochzeit.

Den Höhepunkt sparte sich Danny Archer jedoch bis zum Schluss auf. "Outfoxed" ist seine Version von Paul Fox' Miracle Gimmick. Danny kommt jedoch ohne eben dieses Gimmick aus, sondern nutzt ein Prinzip, das aus dem 16. Jahrhundert stammt! Es ist schon erstaunlich, mit was für "ollen Kamellen" man ausgewachsene Zauberkollegen täuschen kann. Ein Kartenspiel wird in mehrere Päckchen geteilt und im Publikum verteilt. Jeder der mitwirkenden Zuschauer mischt sein Päckchen und merkt sich daraus frei irgendeine Karte. Nach und nach ermittelt der Vorführende alle Karten! Durch das praktisch undurchschaubare Prinzip werden alle verdächtigen Handlungen auf ein absolutes Minimum reduziert, so dass der Effekt wie echtes Gedankenlesen wirkt. Nach diesem "Showstopper" geht wirklich nichts mehr! Als Bonus erklärte Danny noch seinen "Archer Shuffle", das überzeugendste komplette Falschmischen in der Luft, das ich kenne (und auch das einzige …).

Nach dem eigentlichen Seminar demonstrierte Danny Archer noch einige Kunststücke und Requisiten, die er zum Kauf anbot. Darunter auch seine Version von "Balls and Net", die er nicht nur demonstrierte, sondern auch erklärte. Die Routine ähnelt sehr stark der von Johnny Thompson (siehe DVD Commercial Classics of Magic - Einzelband ) und endet mit einer überraschenden Schlussladung.

Na, da hat sich der Weg mal wieder gelohnt. Danny Archer zeigte Kunststücke, die oftmals erstaunlich problemlos vorführbar, dafür aber in jedem Fall absolut publikumswirksam sind. Mit diesem Seminar setzte er bewusst einen wohltuenden Kontrapunkt zum gegenwärtigen "Close-Up-Boom". Und neben den eigentlichen Inhalten des Seminars gab es mindestens zwei weitere Lektionen zu lernen — 1.: Lustig kann nur der sein, der über sich selbst lachen kann. 2.: Man muss nicht groß sein, um ein Großer zu sein. Bis zum nächsten Mal!

Frank Ollermann