65 Jahre Stolina

Seminarbericht Daniel Rhod

Daniel Rhod

Gerade mal 14 Zauberfreunde fanden sich am 28. März 2006 in Oelde ein, und das beim besten Seminarwetter. Schade für die vielen anderen, die nicht dabei waren ...

Daniel Rhod gab eine Kostprobe seines Könnens und seines Wissens. Das Wort "Kostprobe" beschreibt das Seminar in diesem Fall vielleicht besonders gut, denn es behandelte "nur" sieben Kunststücke und war mit knapp zwei Stunden deutlich kürzer als die meisten der Anwesenden es gewohnt waren. Aber Qualität ist ja bekanntlich wichtiger als Quantität, und die Qualität dieses Seminars war auf gewohnt hohem Niveau.

Gleich zu Beginn der vielleicht schon stärkste Effekt des gesamten Seminars - Kinomental. Aus einer Menge von Postkarten, auf denen Filmplakate abgedruckt sind, wählt ein Zuschauer frei eine aus. Der Vorführende dreht dem Geschehen den Rücken zu. Trotzdem ist er in der Lage, das abgebildete Filmplakat akkurat zu beschreiben und schließlich den dazugehörigen Filmtitel zu nennen. Ein im besten Sinne einfacher Effekt, der zudem einige Vorzüge hat: An Requisiten benötigt man lediglich die Postkarten und einen passenden Umschlag. (Aber tricktechnisch könnte man auf diesen sogar verzichten.) Man braucht keine eingeweihten Zuschauer, kein Pre-Show Work und keine geheimen Hilfsmittel. Die Methode ist außerdem so organisch in den Vortrag eingebunden, dass man praktisch keine Möglichkeit hat, dem Geheminis auf den Grund zu gehen. Und schließlich ist die Sache so leicht in der Vorführung, dass man das Kunststück auch als Gelegenheitszauberer in sein Programm aufnehmen kann - nein: sollte!

Kümmelblättchen war das Thema des nächsten Kunststücks - allerdings in Form einer Mentaldarbietung. Wer also nicht über die Fingerfertigkeit verfügt, das Original vorzuführen, hat hier einen Effekt in seinem Arsenal, mit dem er vor allem in informellen Situationen überzeugen kann, sollte die Sprache aufs Thema Falschspiel kommen. Der Effekt: Der Vorführende spielt mit einem Zuschauer Mental 3 Card Monte. Dabei kann der Zuschauer sich für eine von drei verdeckt auf dem Tisch liegenden Karten entscheiden, sich diese ansehen und wieder verdeckt auf dem Tisch ablegen. Danach kann er die Karten mehrmals mischen, wie man es beim Kümmelblättchen eben tut. Trotzdem kann der Vorührende sagen, an welcher Position die Karte liegt. Schließlich nennt er auch noch den Wert dieser Karte. Ein eindrucksvoller Effekt - vor allem, wenn man ihn mit geliehenen Karten vorführt.

Mit dem Prophetischen Kalender zeigte Daniel uns seine Version des bekannten Kalender-Effekts. Der Zuschauer zieht eine Karte, und der Name genau dieser Karte ist in einem Kalender neben dem Geburtsdatum des Zuschauers abgedruckt. Besondere Stärke dieses Effekts: Der Kalender kann von Beginn an für die Zuschauer sichtbar sein.

Der letzte Effekt vor der Pause, Mozartium, bestach vor allem durch seine clevere Methode: Mehrere Karten, auf denen die Namen von bekannten klassischen Komponisten abgedruckt sind, werden auf dem Tisch verteilt. Der Vorführende stellt eine verdeckte Vorhersage auf dem Tisch ab, so dass sie jederzeit im Blickfeld der Zuschauer verbleibt. Nach dem freien Willen des Zuschauers werden nach und nach Karten weggenommen, bis nur noch eine Karte übrig bleibt. Und der Name des Komponisten auf dieser Karte stimmt hundertprozentig mit der Vorhersage überein.

Nach der Pause ging es weiter mit Technicolor Joker: Die Routine beginnt wie der Klassiker "Twisting the Aces" von Dai Vernon. Zum Schluss haben jedoch alle vier Joker völlig andere und völlig unterschiedliche Rückseiten. Der krasse Unterschied zwischen den bekannten Bicycle-Rückseiten und diesen einfarbigen, holografisch wirkenden Rückseiten machen den Effekt äußerst eindrucksvoll.

Als Nächstes zeigte Daniel uns ein Münzkunststück, das man umringt und ohne jegliche Vorbereitung vorführen kann. Der Effekt kurz und gut: Eine Münze durchdringt zweimal nacheinander den Boden eines Glases. Dieser Effekt war übrigens der einzige, der nicht von Daniel Rhod stammte, sondern von seinem irischen Zauberfreund Eddie O'Shaugnessy.

Als Abschluss wählte Daniel Rhod seine Falschspielroutine King of Cheaters. Der Vorführende hebt bei den vier Assen ab, obwohl der Zuschauer das Spiel zwischendurch immer wieder mischt. Außerdem hebt er immer wieder bei Karten ab, deren Werte er vorher ansagt. Dadurch entsteht der Eindruck, dass das Spiel vollständig unter der Kontrolle des Vorführenden ist.

Wie gesagt: Schade für all diejenigen, die nicht dabei waren! Daniel Rhod bot ein solides Seminar mit praktikablen und wirkungsvollen Routinen. Mein persönlicher Favorit ist auf jeden Fall Kinomental - eines der direktesten, saubersten und verblüffendsten Mentaleffekte der letzten Jahre, der wohl seinen Weg in mein Repertoire finden wird. Sie sind das nächste Mal doch wieder dabei?!

Frank Ollermann