65 Jahre Stolina

Seminarbericht Christian Knudsen

Christian Knudsen

Nach dreieinhalb Jahren machte Christian Knudsen wieder Seminarstation bei Stolina-Magie in Oelde. Bereits vorab stellte sich manchen die Frage: "Gibt's was Neues zu sehen? Oder wieder die bewährten Brot & Butter - Sachen , bekannt aus Buch und DVDs ?" Um die Antwort vorweg zu nehmen: Es war eine gute Mischung aus Bewährtem, Neuem und Works in progress!

Gut 20 Zauberfreunde waren zusammengekommen, um im ersten Teil vor der Pause schwerpunktmäßig tatsächlich Bewährtes zu erleben:

C. K. begann mit seiner table-hopping-Eröffnung - und neben der beliebten "Schwamm drüber"-Routine konnte man einiges über die Gestaltung von Close-up-Eröffnungssituationen erfahren, wie z. B. den Unterschied zwischen einer offenen und einer geschlossenen Frage. Der Effekt ist hinlänglich bekannt, aber immer wieder verblüffend: Auf einem kleinen Holzpaddel erscheinen kleine flauschige rote Punkte, die sich schließlich als Schwammbälle abnehmen lassen und in einer kurzen und knackigen Routine enden. Verbale und auch nonverbale Reaktionen der Gäste am Tisch lassen bereits einiges auf die vorgefundene Situation schließen.

Tablehopper's Holy P.O.D. ist ein Effekt, der in Knudsens Buch schnell überblättert werden kann, da er erst gegen Ende auftaucht. Eine unterschriebene Karte verschwindet aus einem Joker-Sandwich (das zur Kontrolle oben und unten in der Kartenmitte ein Loch enthält), taucht im Spiel wieder auf und ändert beim 2. Mal im Sandwich äußerst visuell seine Rückenfarbe. Der Farbwechsel von blau nach rot geschieht in voller Sicht und löste nachhaltiges Augenklimpern aus! (Das Adjektiv "Holy" nimmt übrigens nicht Bezug auf die Heiligkeit des Vorführenden, sondern auf die Löcherigkeit der beiden Joker-Sandwich-Karten!)

Das nächste Kunststück (weder im Buch noch auf den DVDs) war ein Beispiel dafür, wie dem Zuschauer ein sinnvolles Souvenir mitgegeben werden kann: Jeweils eine Visitenkarte wurde vom Zuschauer und vom Vorführenden mit Initialen versehen, getrennt abgelegt, um dann doch nach dem out-to-lunch-Prinzip auf der vom Zuschauer gehaltenen Karte vereint zu erscheinen. Diese Visitenkarte erinnert den Gast nachhaltig an einen erzählbaren zauberhaften Effekt!

Unter dem Begriff Swaven vereinte Knudsen zwei Kartenkunststücke von John Swane und Max Maven. Von vier vorgezählten Königen verschwindet einer, erscheint in einer Jacketttasche wieder und ändert seine Rückenfarbe: wenig Material und drei starke Effekte!

Knudsens Münzmatrix "Matricks" rundete den ersten Teil ab. Technisch detailliert beschrieben und dargestellt in Buch und auf DVD konnte man hier auf Detailfragen wie z. B. zum Pick-up-Move eingehen, oder auch die interessante Close-up-Matte von Jeff Busby einer haptischen Prüfung unterziehen.

Pausenhighlight waren neben Keksen und Getränken noch warme Minipasteten, die sehr schnell vergriffen (bzw. verfuttert) waren. An dieser Stelle deshalb einmal ein ganz herzlicher Dank an Maria Fislage!

Gestärkt konnte man nun mit dem Münzenfang das Eröffnungskunststück von Christians Stand-Up-Programms verfolgen. Detailliert demonstrierte er Handhaltung und Münzenmanagement und ging auch auf Einzelheiten wie den richtigen Sektkühler ein.

Auf seinen Visitenkarten hat Christian Knudsen keine Berufsbezeichnung stehen, sondern unter seinem Namen kann man sein Motto lesen: "Zwischen den Welten". Dieses Motiv greift er in dem Kartenkunststück "Weltenbummler" auf: Zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt wandern Karten (zugegebenermaßen aus einem r-g-Spiel), ändern die Rückenfarbe und tauchen wieder sichtbar in einer Jacketttasche auf. Hier war es sehr interessant, seine Ausführungen über die damit verbundene Philosophie zu hören, wie man mit Risikobereitschaft die Stärke eines Effekts erheblich steigern kann. "Warum ist gerade meine frei genannte Lieblingskarte jetzt durch den Tisch gewandert???" - so könnte sich ein Zuschauer fragen.

Als work-in-progress (das sich durch Erfahrungen während der Seminartour weiterentwickelt) stand ein blindes Verdrehen der Zeiger zweier Armbanduhren, deren übereinstimmende Uhrzeit wieder auf der Rückseite von Visitenkarten notiert wurde.

"Manchmal werden Träume wahr" - so nannte der Seminarhaltende sein m. E. stärkstes Kunststück. Eine Zuschauerin unterschreibt irgendeine Karte aus einem Kartenspiel und bedeckt sie mit ihrer Hand. Der Vorführende holt aus seiner Brieftasche eine andersfarbige Karte, die den gleichen Wert zeigt. Doch die Zuschauerin muss feststellen, dass von ihrer Karte ihre Unterschrift verschwunden und auf diejenige in die Brieftasche gewandert ist - war dies alles nur ein Traum? Die Routine ist auch zu finden auf Band 2 der Herzblut-DVD-Trilogie.

Den Abschluss bildet ein supereinfaches und doch beeindruckendes Kartenkunststück, das bereits am folgenden Tag Bestandteil meines Programms geworden ist. Der Zauberer und ein Zuschauer legen ein Kartenspiel scheinbar wahllos bild- bzw. rückenoben übereinander; wird (nach Michael Ammar) ein Schatten über den Kartenstapel geführt, sortieren sich alle Karten von selbst bildoben - bis auf die beiden zuvor gewählten.

Und eine Zugabe gab es auch: In der Rekordzeit von weniger als 10 Sekunden gelang es Christian, eine vom Zuschauer frei (?) gewählte Karte aus einem mit einem Klebepunkt verschlossenen Kartenspiel zu ziehen, welches sich in der Jackentasche des Zuschauers befand. Anhand dieses Kunststückes gab er dann noch einmal einen Einblick in die hinter seiner Zauberkunst stehende Philosophie, u. a. das Jukebox-Prinzip.

Überhaupt gehörten die zwischendurch immer wieder eingestreuten, den background beleuchtenden Einschübe mit zu den interessantesten Bestandteilen dieses anregenden Seminars (natürlich neben den Trickerklärungen).

Und auch der Zauberkollege, der Christian bestätigte, dass Knudsen für ihn auch beim 4. Mal interessant war, der wird sicher in 3 Jahren wiederkommen. "Bis vielleicht dahin" - hat C. K. sich verabschiedet.

Uwe Möller-Lömke
Emmello