65 Jahre Stolina

Seminarbericht Charles Gauci

Charles Gauci

Charles Gauci ist der wohl renommierteste Zauberkünstler, nicht nur in seiner Heimat Australien. Vor ganzen sieben Jahren war das letzte Mal bei Stolina Magie zu Gast. Damals hatte er mit »Eye to Eye« einen nachhaltigen Eindruck gemacht. Nun, am 29. September 2011, war er endlich wieder in Oelde, und er hatte wieder eine Menge toller Routinen im Gepäck:

You Do As I Do: Ein verblüffender Übereinstimmungseffekt: Zuschauer und Vorführender ziehen wahllos jeweils drei Karten aus einem roten bzw. blauen Kartenspiel und stecken sie in die Hemd- oder Jackett-Tasche des jeweils anderen. Nacheinander eliminieren sie zwei Karten aus den beiden Päckchen, so dass nur noch jeweils eine Karte übrigbleibt. Werden diese hervorgeholt und umgedreht, zeigt sich, dass sie perfekt übereinstimmen. Nicht das, was man einen Mentalhammer nennt, aber doch ein feiner kleiner Trick.

Intuition: Eine raffinierte und saubere Version des Bank-Night- (oder Just-Chance-)Effekts: Der Zuschauer bekommt sechs Umschläge. In einen davon gibt er seinen 100-Euro-Schein (oder, wenn Sie nicht ganz so viel Glück haben, eben einen 50-Euro-Schein). Ein anderer Zuschauer liest nun laut eine Reihe von Anweisungen vor, die der erste Zuschauer befolgen soll. Sie lauten »Geben Sie dem Zauberer den Umschlag Nr. 4«, »Geben Sie dem Zauberer den Umschlag Nummer 2« usw. Je nach Vorführart gibt der Vorführende nun mehr oder weniger genüsslich die aufgerufenen Umschläge in einen Aktenvernichter, der sie ebenso genüsslich »verspeist«. Wer den Effekt kennt, weiß, wie die Sache ausgeht: Zum Schluss bleibt genau der Umschlag übrig, in den der Zuschauer sein Geld deponiert hatte. Die Methode ist wirklich genial und einfach – nur seinem Gedächtnis sollte man einigermaßen trauen.

Exploring the Nostradamus Predictions: Der Zuschauer wählt aus einem bestimmten Zeitraum frei eine Jahreszahl. Dann schreibt er in eine quadratische Tabelle mit 4 × 4 = 16 Zellen einige Zahlen, die der Vorführende ihm von einem Zettel abliest, der schon von Beginn an auf dem Tisch gelegen hatte. Nachdem alle Zahlen notiert worden sind, wird der Zuschauer gebeten, nach Art des Magischen Quadrats jeweils vier der notierten Zahlen zu addieren. Welche Zahlen er auch immer zusammenzählt (vier Zahlen in einer Reihe, die vier Zahlen in den Ecken, die vier inneren Zahlen usw.), die Summe ergibt jedesmal genau die Jahreszahl, die der Zuschauer zu Beginn frei gewählt hat. Ein äußerst beeindruckender Mentaleffekt, der sich, nicht zuletzt aufgrund des Vortragsthemas Nostradamus, auch gut als Abschlusseffekt eignet.

Winner Takes All: Eine tolle Demonstration übermenschlicher Wahrnehmungsfähigkeit, garniert mit einem unterhaltsamen Glücksspielthema: Der Zuschauer soll unter einer von fünf Karten eine Münze verstecken. Obwohl der Vorführende sich die ganze Zeit über abgewandt hat, kann er genau ermitteln, unter welcher der Karten die Münze liegt. Das kann auch mehrmals wiederholt werden. Was sich hier vielleicht etwas trocken liest, wirkt dank des gelungenen Vortrags auf die Zuschauer sehr unterhaltsam. Die Möglichkeiten der cleveren und praktischen Methode sind dabei schier unbegrenzt.

Rain Man: Diese Routine ist eine Variante der Super Memory Routine, die Charles Gauci das letzte Mal in Oelde gezeigt hatte. In aller Kürze könnte man den Effekt so umschreiben: Der Vorführende merkt sich die Kartenwerte einer Hälfte des gemischten Kartenspiels und nennt anschließend noch alle Kartenwerte der anderern Hälfte des Spiels. Einen eindrucksvolleren Effekt als diesen kann man mit einem Kartenspiel kaum vorführen. Die subtile Methode, in Kombination mit einem geschliffenen Vortrag, macht aus diesem Effekt einen echten »Reputation Maker«.

Numerological Birthday Card: Mit Hilfe eines numerologischen Zahlendiagramms, aus dem der Zuschauer frei eine Zahl wählt, wird eine Karte ermittelt. Der Zuschauer soll nun ein Medium anrufen, diesem sein Geburtsdatum nennen und es bitten, die zu diesem Geburtsdatum passende Spielkarte zu nennen. Den geneigten Leser dürfte es nicht überraschen, dass das Medium genau die Karte nennt, die der Zuschauer zuvor über die frei gewählte Zahl ermittelt hat. Um auch den letzten Zweifler zu überzeugen, zeigt der Vorführende, dass sich diese Geburtstagskarte als Vorhersage in einem Umschlag befindet, der die ganze Zeit über auf dem Tisch gelegen hat.

Der Weg nach Oelde hat sich mal wieder gelohnt. Man merkte Charles Gauci zwar an, dass er schon eine ganze Weile nicht mehr ganz ausgeschlafen hatte, aber das tat dem Seminarerlebnis keinen Abbruch. Die Methoden waren mal wieder »erste Sahne«, und wohl jeder konnte etwas mit nach Hause nehmen und für sein eigenes Repertoire verwenden.

Frank Ollermann