65 Jahre Stolina

Seminarbericht Charles Gauci

Charles Gauci

Nur wenige dürften im Vorfeld dieses Seminars schon einmal den Namen Charles Gauci gehört haben. Das dürfte sich nach seiner diesjährigen Seminartournee durch Deutschland ändern. Sein insgesamt sechstes Seminarprogramm führte ihn zum ersten Mal nach Deutschland - kein Wunder, dass wir so lange auf ihn warten mussten, kam er doch den ganzen weiten Weg aus Australien, wo er als Mentalist seinen Lebensunterhalt verdient. Am 20. April 2004 gab er eine kleine Kostprobe seines Könnens. Sein Seminar bot praktische Effekte, vor allem - wen wundert's - aus dem Bereich der Mentalmagie.

Eye to Eye
Ein Zuschauer versteckt ein Medallion in seiner Hand. Der Vorführende sagt mit hundertprozentiger Sicherheit, in welcher Hand es sich befindet. Was sich sehr trocken liest, ist dank Charles' hervorragender Routine ein sehr unterhaltsames Mentalkunststück. Nicht nur die Tricktechnik ist genial, sondern auch die Art und Weise, wie Charles durch einen ausgefeilten Vortrag den Zuschauer beeinflusst, ohne dass dieser sich dessen bewusst ist.

Voice Print
Ein Zuschauer wählt aus einem Kartenspiel völlig frei eine Karte. Nach Art eines Lügendetektors verrät er dem Vorführenden scheinbar, welches seine Karte ist. Das Prinzip, auf dem dieses Kunststück beruht, ist schon sehr alt, aber Charles Gauci versteht es, die Methode sehr geschickt zu verschleiern.

Body Language
Dieses Kunststück basiert auf einem Effekt von Max Maven. Mehrere Zuschauer greifen sich aus einem Stoffbeutel jeweils eine Kugel. Eine dieser Kugeln ist schwarz, alle anderen sind goldfarben. Mit Hilfe seines feinen Gespürs ermittelt der Vorführende, welcher der beteiligten Zuschauer sich im Besitz der schwarzen Kugel befindet. In Wirklichkeit beruht das Experiment auf einem raffinierten Prinzip, und je nachdem, wie der Zufall gerade mitspielt, hat man mal einen starken Effekt, mal aber auch ein wahres Wunder. So ist die Vorführung selbst für den Vorführenden immer wieder irgendwie spannend.

Diabolical Wallet
Eine Vorhersagekarte stimmt mit der vom Zuschauer gezogenen Karte überein. So weit, so gut. Erstaunlich nur, dass sich zunächst die Karte des Vorführenden verwandelt und dann die des Zuschauers - und zwar in die Karte desselben Wertes. Und das, obwohl der Zuschauer die Karte mittels eines kleinen Aufklebers und seiner Unterschrift bereits von Anfang an markiert hatte!

Kids' Billard Balls
Ein Effekt (nicht nur) für Kinderpublikum: Zwei Kinder bekommen je eine Billardkugel zum Halten, die in ein Tuch gewickelt sind. Eine Kugel ist grün, die andere blau. Nach einigen unvermeidlichen Gags zeigt sich schließlich, dass die Bälle sich verwandelt haben. Die eine Kugel ist nun schwarz, die andere rot! Wer schon die Hasenwanderung gut findet, der hat hier einen ähnlichen, aber noch klareren Effekt, der zudem deutlich günstiger in der Anschaffung ist. Mit Hilfe der genialen Präparation lässt sich sogar eine sichtbare Färbung einer Billardkugel vorführen. Also nicht nur Kinderzauberer, sondern auch zum Beispiel Manipulatoren bekamen hier Anregungen.

Numerology
Ein Zuschauer wählt sich frei eine von vielen Zahlen aus, die auf einer numerologischen Zahlentafel abgebildet sind. Entsprechend dieser Zahl zählt der Zuschauer Karten von einem Kartenspiel ab. Wie in der Numerologie üblich, werden die Ziffern der Zahl noch einmal zu einer Quersumme zusammengezählt, um die persönliche numerologische Ziffer des Zuschauers zu ermitteln. Entsprechend dieser Ziffer werden nochmals Karten abgezählt, so dass nunmehr die Zuschauerkarte feststeht. Dies stimmt mit der Vorhersage des Vorführenden überein, die bereits von Anfang an auf dem Tisch lag! Charles Gauci verpackt ein altes Forcierprinzip in einen logischen Zusammenhang. Die Lektion hier: Lange als altbekannt "abgehakte" Methoden können durch eine ideenreiche Präsentation enorm aufgewertet werden.

Houdini Card Mystery
Ein Lieblingseffekt des Meisters: Die Karten eines Kartenspiels weisen an den selben Stellen jeweils zwei Löcher auf - ebenso die Kartenschachtel. Ein Zuschauer wählt völig frei eine Karte, die zurück ins Spiel gemischt wird. Dieses kommt zurück in die Kartenschachtel. Der Zuschauer selbst fädelt nun ein Band durch eines der beiden Löcher, so dass sämtliche Karten inklusive der Schachtel auf dem Band aufgefädelt sind. Doch nicht genug der Sicherung: Nun wird durch das andere Loch auch noch eine massive Stahlschraube gesteckt und mit einer Mutter gesichert. Ein Entkommen der Karte ist unmöglich! Das Ganze Arrangement wird nun unter ein Tuch gegeben. Ein Zuschauer hält die beiden Enden des Bandes die ganze Zeit über fest. Trotz all dieser Vorsichtsmaßnahmen gelingt es dem Vorführenden, die gewählte Karte des Zuschauers in Sekundenschnelle zu befreien und dem verblüfften Publikum zu präsentieren. Alle anderen Karten sind nach wie vor auf dem Band aufgefädelt. Die Methode ist so verblüffend, dass Charles Gauci es sich nicht verkneifen konnte, uns erst einmal gehörig auf die Folter zu spannen, bis er das Trickprinzip endlich erklärte. Aber das sei hier natürlich nicht verraten.

Super Card Memory
Einen echten "Reputation Maker" bewahrte sich Charles Gauci bis zum Schluss auf. Zwei Zuschauer erhalten je einen Teil des gemischten Spiels. Einer der Zuschauer nimmt aus seinem Teil eine Karte und gibt sie in die Karten des anderen Zuschauers. Diese Karten versucht der Vorführende sich nun in weniger als einer Minute zu merken. Um dies zu beweisen, lässt er sich nun den Wert der Karte nennen, die der erste Zuschauer hineingegeben hat, und nennt korrekt, an welcher Stelle sich diese Karte befindet. Das ist schon mal gar nicht schlecht. (Wer, wie Charles Gauci, die entsprechenden Mnemotechniken beherrscht, kann diesen Teil natürlich auch noch weiter auf die Spitze treiben.) Nun erklärt der Mentalist, dass er, da er ja weiß, welche Karten bereits "aus dem Spiel" sind, sämtliche Karten nennen kann, die der erste Zuschauer nun noch in der Hand hält. Nacheinander lässt er sich Kartenfarben zurufen und nennt mit hundertprozentiger Richtigkeit, wie viele und welche Karten dieser Farbe der Zuschauer noch in der Hand hält. Eine nach der anderen legt dieser auf dem Tisch ab, bis er keine Karten mehr in der Hand hält - Finale!

Klare Effekte mit starker Wirkung und einfachen Methoden - wer wünscht sich das nicht?! In diesem Seminar gab es hiervon reichlich. Charles Gauci ist ein kreativer Erfinder solcher "Ideal-Kunststücke". Zudem verfügt er über einen angenehm ruhigen Vorführstil und eine "Aura", der man sich kaum entziehen kann. Lediglich seine Vorliebe für zotige Witze passte aus meiner Sicht nicht so recht ins Bild. Abgesehen von dieser kleinlichen Kritik kann ich nur jeden bedauern, der an diesem Abend nicht in Oelde war.

Frank Ollermann