65 Jahre Stolina

Seminarbericht Boretti

Boretti

Der Kinderzauberer Boretti ist für »Insider« ein absolutes Highlight, ein Fachmann. Seine vielen Bücher und stets ausverkauften Seminare belegen das. Und wer als Kinderzauberer mit 10 verschiedenen Zauberprogrammen 30 Jahre als Profi »arbeitet« oder »spielt«, hat Erfahrung genug für Dutzende von Seminaren und Workshops.
Stolina-Magie hatte zweimal ein volles Haus und konnte gleichzeitig vielen Kunden und Interessenten mit vielen von Boretti gezeigten Requisiten helfen, und Boretti und seine charmante Frau hatten auch noch einen Koffer voller Requisiten dabei, die sich für Kinderzauberei bestens eignen, wie Boretti demonstrierte.

Einige seiner Grundprinzipien entstammen langjähriger Erfahrung:

  • Die Kinder dürfen nie Angst vor dem Zauberer haben; Erwachsene oder größere Kinder haben da vielleicht im Vorfeld genau das Gegenteil erzählt.
  • Die Kinder sind, wie beim Kasperletheater, dem Zaubernden stets einen Schritt voraus: sie wissen mehr als er; er ist der Überraschte. So auch bei Aufsitzertricks. Der Zauberer ist der »Gelackmeierte« (so im Originalton von Boretti). Was geschieht, geschieht gegen seinen Willen, so sollen es die Kinder vermuten. Endlich dürfen Kinder mal über einen Erwachsenen lachen.
  • Problematisch ist, wen man als Assistenten heraussucht. Boretti scheint ein gutes Händchen dafür zu haben, stets das richtige Kind herauszupicken, wie ihm die Kindergärtnerinnen bestätigen. Eine Hupe hilft ihm dabei: sie funktioniert für jenes Kind, das er sich aussuchen will, sonst schweigt sie.
  • Dem Assistenten gelingt, was dem Zauberer misslingt. Wenn es ihm gelingt, lag's am Zaubersalz oder Zauberstab.
  • Lustige Gags wie das Händeschütteln (der Ellbogen des Assistenten wird herumgedrückt, so dass er sich dem Vorführenden mehrfach zum Ergreifen »anbietet«) lockern auf.
  • Kinder haben ein besonderes Gespür fürs Spielerische, Überraschende, Humorvolle.
  • Eine Distanz zum »Zauberkoffer« muss vorher festgelegt werden, sonst kriechen einem die Kinder in die Requisiten und auf die Füße.
  • Beifall, vor allem für die Assistenten, wird vorher eingeübt, mit verschiedenen Klatschformen. Aber nicht Auslachen oder Buhrufen bei Misslingen, sondern ein bedauerndes »Oooh«.
  • Altersklassen nach Jahren: 3 bis 6, 6 bis 12. Kinder über 12 sind wie Erwachsene einzustufen (dem stimmern vielleicht nicht alle zu).
  • Zaubern mit Behinderten ist mit viel Fingerspitzengefühl zu handhaben. Sie sind ganz besonders sensibel, aber auch, auf eine eigene Art, am dankbarsten .
  • Eine kurze, kindgerechte Geschichte erleichtert Kindern das Verständnis des Geschehens.
  • Die Assistenten erhalten von Boretti meist eine »Urkunde«.

Manche dieser Grundsätze und Erfahrungen demonstrierte Boretti an einzelnen Kunststücken und Requisiten. Als Beginn zeigt er gern einen Zauberstab mit Smiley-Ball auf der Spitze (mit Gummiband): der verschwindet und erscheint wieder (mit Duplikat-Ball). Das wirkt lustig und verscheucht letzte Reste von Ängstlichkeit.

Dass auch Manipulation bei Kindern möglich ist, demonstriete Boretti mit einer Fingerhut-Nummer, aber statt Fingerhüten erscheinen und verschwinden Heftpflaster, was für Kinder eine leichte Identifikation ermöglicht; oder eine Fingerhut-Nummer mit einer Handpuppe "Krümel" - Kinder liebe Puppen. Aufsitzer dürfen auch vor Kindern gezeigt werden, aber weniger als Aufsitzer, sondern als lustige Überraschung.
Mit viel Applaus wurde jeweils seine persönliche Version bekannter Zauberkunststücke bedacht, die er für Kinder abwandelte, z. B. Würfelkasten , Hasenwanderung , Malbuch, Affenschaukel (als Fischangel), Schirmillusion (mit bunten Socken auf der Wäscheleine), Salzwunder nach Fred Kaps (das assistierende Kind rennt von einer Seite zur anderen, um mit einem kleinen Eimer den Sand aufzufangen), Pompons (Geschichte mit einem Polizisten mit Hut), Multi-Pip-Card (Marienkäfer Hugo mit vielen Punkten – einfach toll!) und die Seilvase. Als Abschluss hat er gerne den Schneesturm (mit Konfetti). Alles in allem ein lehrreiches Seminar, witzig und überzeugend dargeboten. Der Besuch hat sich gelohnt.

(Schimmel - "Missio-Narr")