65 Jahre Stolina

Seminarbericht Bob Fitch

Bob Fitch

»Ich kann nicht zaubern! Ich kann nur helfen, Zauberei zu sehen! Zauberei existiert in den Köpfen der Zuschauer!« (Bob Fitch)

Bob Fitch galt lange als Geheimtipp unter den Seminarleitern, bis er im vergangenen Jahr den Jugendworkshop des MZvD zu einem Highlight machte. So kam es auch, dass trotz der gut 35 Grad Sommerhitze das Seminar des US-Zaubercoaches gut angenommen wurde.

Das, was Bob Fitch mit seinem Seminar versprach, interessierte nahezu jeden Zauberkünstler. In den ersten 90 Minuten des Seminars zeigte und erklärte Fitch zahlreiche Zauberkunststücke, die er mit Hilfe des Topits bewerkstelligte. Wer bislang noch dachte, er bräuchte so eine Geheimtasche nicht in seinem Sakko, überlegte nach dem Seminar bestimmt, sich doch an dieses Gimmick heranzutrauen. Fitch hatte neben zahlreichen neuen und bekannten Topit-Tricks auch Tipps zur Hand, wie man das Gimmick in Situationen benutzen kann, in denen es bislang unmöglich erschien: bei Bäuchen, ohne Sakko im bloßen Hemd usw.

Während der Vorführungen dieser Kunststücke wurde die Wichtigkeit emotionaler Bindungen in Fitchs Kunststücken deutlich. Er erzählte in seinen Vorträgen von seiner Frau und ihrem schrecklichen Traumerlebnis, von sich als Kind beim Erlernen des ersten Zauberkunststück oder von einer Vorführung des berühmten Houdini. Immer wieder erläuterte der Amerikaner seine Philosophie von guter Zauberkunst: Sie muss emotional ansprechen, muss die Vorstellung benutzen, erzählt eine Geschichte.

Nach einer Kaffee-Tee- und vor allem Wasserpause ging es in den zweiten Teil des Seminars: »Schauspieltechniken«. Bob Fitch verwies auf zahlreiche Künstler, denen er im Laufe seiner Karriere Tipps gab seine Nummern zu ändern (Copperfield, Blaine, McBride …). Er erläuterte Gründe dazu, gab Beispiele aus seinen Coaching-Workshops und traf auf allgemeine Zustimmung der Seminarteilnehmer. Hier zeigte es sich wieder einmal, wie wichtig es wäre, seine eigene Nummer von einem erfahrenen Regisseur analysieren zu lassen.

Es folgten handfeste Tipps, wie man seine Nummer verbessern kann: Wo steht der Zuschauer? Wie betritt man eine Bühne? Wie kommt man leichter zu einer Standing-Ovation? Wie findet man eine Story zu seinen Tricks?

Einer der anwesenden Zauberer wurde sogleich Opfer eines Live-Experiments: Seine Atem- und Sprechtechnik, sowie seine Bühnenpräsenz wurden mit Hilfe von Bob Fitch innerhalb von Minuten spürbar verbessert.

Hier konnte jeder etwas lernen, was aber leider wegen der zunehmenden Schwüle und fortschreitender Stunde nicht einfacher wurde.

Die Erläuterungen zu dem knapp 2000 Dollar teuren Fitch-Kohler-Holdout hätten durchaus nicht mehr sein müssen. Die präsentierten Effekte an sich zeigten deutlich, dass Fitch ein erfahrener Vorführender ist, der die Zuschauer ansprechen kann. Ohne sein spezielles Gimmick kann jedoch keiner der Anwesenden kann die Effekte zu Hause so nachvollziehen. Das Gimmick an sich wurde weder erklärt noch gezeigt.

Nach gut vier Stunden waren die Köpfe der Teilnehmer voll mit neuen Ideen und Eindrücken. Der immer noch gut gelaunte, wenn auch sichtlich erschöpfte Seminarleiter zeigte sich auch nach dem Seminar Gesprächsbereit. Kompliment!

So ein Seminar sieht man sich gerne wieder an – oder vollzieht es mit den dort verkauften zwei Seminarheften, dem Videoband oder dem 3er-DVD-Set zum Topit zu Hause nach.

Marc Dibowski