65 Jahre Stolina

Seminarbericht Banachek

Banachek

Es war ein Erlebnis: Banachek, einer der anerkanntesten Mentalisten der heutigen Zeit, war mit seinem Seminar bei Stolina in Oelde zu Besuch. Mitgebracht hat er, neben seiner Frau Heidi, eine Menge augefeilter Mentalroutinen und noch mehr gute Ideen, wie man diese so effektvoll wie möglich präsentieren kann.

Es ging los mit einer im besten Sinne einfachen Vorhersage: Mehrere Zuschauer nennen jeweils eine zweistellige Zahl, die von einem assistierenden Zuschauer auf der Bühne addiert werden. Das Ergebnis dieser Berechnung steht auf einem kleinen zusammengefalteten Post-It-Zettel, den der Mentalist aus seinem Portemonnaie holt.

Mit einem unverfänglich aussehenden Requisit vollbrachte Banachek sodann gleich zwei Wunder nacheinander – ohne nachzuladen, gewissermaßen. Im Publikum werden mehrere Zettel und Stifte verteilt. Mehrere Zuschauer schreiben auf diese Zettel einige Informationen. Die Zettel werden wieder eingesammelt, und eine assistierende Zuschauerin zieht aus diesen Zetteln einen. Von diesem Zettel wählt sie etwas aus und zeichnet es nur in Gedanken. Dennoch ist der Vorführende in der Lage, die Gedanken der Zuschauerin zu lesen und malt genau das nach, was die Zuschauerin denkt. Als wäre das nicht schon eindrucksvoll genug, ermittelt der Mentalist nun auch noch, was andere Zuschauer auf ihre Zettel geschrieben haben. Hier zeigte sich Banacheks ausgeprägtes schauspielerisches Talent, mit dem er alles aus diesem Effekt herausholt.

Als Nächstes zeigte Banachek einen starken Effekt mit einem Telefonbuch, aus dem mehrere Zuschauer einen Eintrag ermitteln. Und – wer hätte das gedacht – genau diese Zahl hat der Meister korrekt vorhergesagt. Wer dabei war, wird an dieser Stelle vielleicht merken, wie trocken sich diese Beschreibung liest, wenn man sie mit Banacheks Vorführung vergleicht. Mit ausgefeilten sprachlichen Mitteln versteht er es, aus diesem Grundeffekt ein eindrucksvolles Mentalwunder zu machen.

Mit »This and That« zeigte Banachek einen netten kleinen Trick mit vier Karten, den man leicht bei sich tragen und unter allen Bedingungen vorführen kann. Der Zuschauer wählt von vier Karten eine aus. Offensichtlich wusste der Vorführende schon vorher, für welche Karte der Zuschauer sich entscheiden würde, denn sie trägt als einzige auf der Rückseite die Aufschrit »DAS« – alle anderen Karten tragen auf der Rückseite die Aufschrift »DIES«. Im englischen Original mit den Wörtern »THIS« und »THAT« sprachlich ein ganzes Stück eleganter, ist eine Vorführung im deutschen Sprachraum etwas holpriger. Das Grundprinzip erlaubt es dem findigen Zauberfeund jedoch, eine ganze Menge weiterer Varianten vorzuführen.

Nach der Pause ging es gleich mit einem Knüller weiter: Zwei Zuschauer nehmen auf der Bühne Platz. Der Vorführende berührt einen der beiden Zuschauer. Obwohl er weit weg vom anderen Zuschauer steht, spürt dieser die Berührungen ebenfalls! (Unter dem Titel Psychokinetische Berührungen hier bei Stolina erhältlich)

Ein Highlight des Seminars war sicherlich das Metallverbiegen, das Banachek nun demonstrierte. Mit viel Liebe zum (psychologischen) Detail verbogen er und ein Zuschauer ganze Gabeln (sogar in Spiralform!), einzelne Zinken einer Gabel, bis eine Gabel sogar zerbrach. In Worten beschreiben lässt sich das kaum. Wer beim Seminar nicht dabei war, sollte sich die DVD »Psychokinetic Silverware« zulegen.

Sie kennen doch die Sache mit der Asche auf dem Arm, bei der ein Kartenwert erscheint? Wenn Sie gerade mal keine Asche zur Hand haben (das dürfte mit dem fortschreitenden Nichtraucherschutz ja sicher öfter mal vorkommen), haben Sie mit »Stigmata« mehr als nur einen Ausweg. Der Wert einer Karte erscheint schemenartig in roter Farbe auf Ihrem Unterarm. Stegreif-Zauberei vom Feinsten!

Den Bogen schloss Banachek mit der genial einfachen Vorhersage eines Wortes aus einem Buch. Keine speziell gedruckten Bücher oder ähnliches, sondern unverfängliche Requisiten, ein geschliffener Vortrag und ein eindrucksvoller Schlusseffekt für dieses eindrucksvolle Seminar.

Steve »Banachek« Shaw hat mit diesem Seminar bewiesen, dass er zu den ganz großen der gegenwärtigen Mentalszene gehört. Er besitzt eine Bühnenpräsenz und Glaubwürdigkeit, die einen vom ersten Moment and in den Bann zieht. Schade, dass die drei (!) Stunden so schnell vorbei waren – andererseits ist das doch das beste Kompliment, das man einem Künstler machen kann, oder?

Frank Ollermann