65 Jahre Stolina

Seminarbericht Alexander de Cova Design und Kreativität

Am 16.11.2014 war es wieder soweit!
Alexander de Cova "Jünger" traten eine teilweise weite Reise an, um von einem der bekanntesten Zauberkünstler der Szene Seminar De Cova in Oelde zu lernen.
Wer an diesem verregnetem Sonntagnachmittag allerdings eine Fülle an Kunststücken erwartete, wurde enttäuscht. Design und Kreativität hieß die Seminartour, welche vom Künstler selbst als das ungeplante Seminar  benannt wurde. Was unter diesem Titel dann folgte, war ein Feuerwerk an Informationen wie man es schafft, aus einem Trick ein Kunststück zu machen. Um ein sicherlich trockenes Thema visuell interessant zu gestalten, bediente sich Alexander de Cova immer wieder seiner verschiedenen Kreationen um auf die einzelnen Krativitätstechniken einzugehen.
Seminar De CovaLos ging es mit dem Bermuda Dreieck! Hierzu verschenkte der Seminarleiter an jeden der Teilnehmer eine Pappkarte mit einem aus der Astrologie bekannten "schwarzen Loch" in der Mitte! Obwohl jeder der Teilnehmer sein "schwarzes Loch" auf Herz und Nieren überprüfen konnte, durchdrang eine Münze die Pappkarte um in der unter der Karte befindlichen Hand zu landen.
Dieses Kunststück führte Alexander de Cova Vis a vis vor, indem er durch die Reihen ging, um jeden der anwesenden Personen den freien Fall der Münze in der eigenen Hand auch spüren zu lassen.

De Cova wies darauf hin, das wir weniger  Schrott und besseres Material  benötigen. Weniger ist mehr - Less but better lautete daher der nächste Titel seiner theoretischen Ausführungen! Er ermutigte die Teilnehmer kreativ zu werden, denn jeder Mensch hat kreatives Potenzial in sich. Wichtig ist, dass man über genügend Material und Wissen verfügt, und so nutzte der Seminarleiter die Gunst der Stunde um auf seine Zeitschrift NAM hinzuweisen, die es online zu abonieren gibt.

Alles nur geklaut! War die nächste plakative Nachricht auf De Covas IPAD.  
Alles was es zu erfinden gibt, wurde schon irgendwie erfunden. So ermutigte de Cova die Seminarteilnehmer dazu, es ruhig zu wagen, von anderen erfolgreichen Künstlern zu "klauen". Wichtig sei es nur, hierbei wie ein Künstler zu klauen:

    Tricks müssen studiert und abgeändert werden.
    Am besten klaut man von vielen.
    Im Kunststück wird eine Homage an den ausgesprochen der es kreiert hat.
    Nach Möglichkeit sollte das Ergebnis ein Remix aus eigenen Ideen und gestohlenem sein.

Picasso hat hierzu einmal den Satz geprägt, das Kunst Diebstahl ist. Seine Frau Helena hingegen prägte den Satz: Die besten Ideen kommen einem immer an Orten, an denen man zwar genug Papier hat, aber keinen Bleistift! Soll heißen, gute Ideen müssen sofort aufgeschrieben werden, bevor diese wieder in Vergessenheit geraten. Dieses geschieht am besten per Hand! Alexander selber benutzt dafür - wie alle Künstler - einen weichen Bleistift und trägt seine Gedanken in schwarze Notizbücher ein. Er rät allen, die Ideen nicht mit dem Computer zu verfassen, denn von allen Sinnesorganen sind die Hände die wichtigsten. Deshalb ist es ratsam, wenn die Hände selber die Gedanken auf das Papier bringen.

Brute Force - Brachiale Gewalt lautete die nächste Kreativitätstechnik.
Anhand des Kartenklassikers "Glückskartenkalender" erklärte Alexander, wie er hier auf eine Lösung gekommen ist, die kein Rauh-Glatt verwendet und bei der die Karten aus der Hand gegeben werden können, der Zuschauer wirklich die freie Wahl hat und  die Karte später tatsächlich mit der gewählten Karte im Kalender übereinstimmt. Dieses war dann auch ein Kunststück, welches am Ende des Seminares gekauft werden konnte.
Nun folgte war eine gut 20 minütige Pause, die von vielen Teilnehmern zum Stöbern im Zauberparadies STOLINA MAGIE genutzt wurde.

Nach der Pause ging es weiter mit einer sehr starken Routine,in der Alexander de Cova einen ausgeliehenen Ring einer Seminarteilnehmerin verschwinden ließ, um
diesen dann in einem Nageletui wieder erscheinen zu lassen.
Out of sight - out of mind war das Credo, welches der Seminarleiter bei der Entwicklung dieses Kunststückes berücksichtigt hatte. De Cova fand während der Entwicklung zunächst keine Lösung für sein Problem, wie er den Ring ohne Gefummel in das umgebaute Nageletui bekam. Er legte
es schließlich derart zur Seite, dass er es in seinem Arbeitsbereich immer noch sehen konnte. Was hierdurch geschah, war eine perfekte Programmierung des Unterbewusstseins, welches permanent daran erinnert wurde, dass es hier noch eine Aufgabe zu lösen gab. So kam, was kommen musste. Gerade als Alexander an einem anderen Kunststück tüfftelte, hatte er die Lösung im wahrsten Sinne des Wortes in der Hand.
Im nächsten Set sahen wir eine sehr schöne Routine mit seinem selbst konstruierten Avalon Umschlag, bei dem durch einen sehr geschickten Routinenaufbau eine unterschriebene Karte in einen Umschlag wanderte. Alexander de Cova ging hier sowohl auf technische wie auch psychologische Feinheiten beim Aufbau der Routine ein. So ist er der Meinung, dass ein Gegenstand niemals länger als 3 Sec. schweben sollte und dass unerwartete Handlungen ideale Momente für die Ablenkung einleiten.
So balancierte er ein Kartenspiel auf seinen Fingerspitzen und einem Wasserglass und erzählte, dass dieses ein Trinkspiel in den Pubs in Irland sei. Derjenige, der es am längsten schafft in dieser vorgeführten Position auszuharren gewinnt!
Plötzlich und unerwartet nahm der Künstler das Glas - welches auf dem das Kartenspiel ruhte - mit den Worten: "Trinken ist zwischendurch aber schon erlaubt" wobei das Kartenspiel in der Zwischenzeit frei an seinen Fingerspitzen schwebte. Vom Effekt her ein sogenannter 'Double Take'!

Weiter ging es mit seiner absoluten Lieblingstechnik. Die Kopfstandmethode

Bei der Kopfstandmetode geht es darum, durch das Verändern der Denkrichtung die Lösung herbeizuführen. Demonstriert wurde uns dieses am altbekannten Spellbound-Griff, mit welchem de Cova die Farbe einer Münze veränderte. Was kann ich an dieser Routine eigentlich schlechter machen, war die Frage de Covas diesesmal, um auf eine Lösung zu kommen. Und so landete er irgendwann bei der 'Steingeldbörse' bei welcher sich eine Ledergeldbörse vor den Augen der Zuschauer in einen massiven Stein zu verwandeln scheint. Löblich, dass er darauf hinwies, dass es die notwendingen Requisiten bei STOLINA MAGIE in Oelde zu kaufen gibt.

Was wäre wenn? Warum nicht? Eine Geisteshaltung!
Wie sehe die Lösung eigentlich aus, wenn 5+5 nicht zehn wäre? Klar, wir wissen alle, dass dieses so ist. Aber durch das Absolute was wir in der Schulzeit lernen, verbauen wir uns in der Kreativität häufig die Möglichkeit mal "um die Ecke" zu denken.
Wie sehe denn die Aufgabe aus, wenn wir uns ein gewünschtes Ergebnis vorstellen und nach Wegen suchen, wie wir dort hinkommen. 10 - unendlich = ?+? könnte hier eine mögliche Lösung sein, wenn der Ansatz neu gewählt würde.  

Last but not least ging der Seminarleiter noch auf die Walt Disney Methode ein. Mit dieser Methode suchte der Künstler nach einer neuen Variante zum Kartenklassiker "JORO`S Faltkarte", bei der eine unterschriebene Karte in eine Box wandert, die die ganze Zeit sichtbar auf dem Tisch stand. Die Wörter "Walt Disney Methode" wurden ersetzt durch Kreation, Realisation und Kritik. Der Hintergedanke hierzu ist, dass alle Ideen mehrere Abteilungen durchlaufen, die nichts miteinander zu tun haben. Was als Ergebnis hierbei rauskam, dürfte wohl jeden vom Hocker gehauen haben - eine Kartenschachtel die seinesgleichen sucht. Einfach und klar in der Handhabung, und technisch so sauber, dass es nur noch echte Zauberei sein konnte.

Mir kamen - noch während ich im Seminar saß - viele neue Ideen und Lösungen! Einfach mal die Denkrichtung ändern, 1+1 auch mal 5 sein lassen, und das Chaos auf dem Schreibtisch zum Freund machen, um sein Unterbewusstsein zu programmieren.
Vielen Dank Alexander für ein völlig anderes, wenn auch ungeplantes Seminar!

Carsten Risse