65 Jahre Stolina

Seminarbericht Aaron Fisher

Aaron Fisher

An irgend jemanden erinnert mich dieser junge Mann doch?! Artig stelle ich mich vor, und da sagt er doch tatsächlich, Lee Asher habe ihn gebeten, mir seine Grüße auszurichten! Klar doch: Aaron Fisher könnte glatt der Zwillingsbrüder von Lee Asher sein. Und tatsächlich sind die beiden gute Freunde. Kein Wunder: Nicht nur äußerlich, sondern vor allem in ihrer lockeren Art sind sich die beiden sehr ähnlich. Aber natürlich ist Aaron Fisher kein Abziehbild von Lee Asher, sondern hat eine ganz eigene Art der Kartenkunst. In seinem Seminar sollte er uns davon überzeugen. Einige Programmpunkte sollen hier beispielhaft genannt werden.

Soulmates
Aaron zeigte uns seine Version von Daryls Selbstgänger "Untouched". Das Schöne an dieser Version ist vor allem die eindrückliche Geschichte, um die sich das Kunststück dreht: Gott und Teufel spielen um die Seele des Zuschauers. Allein dieses Themas wegen dürfte dieses Kunststück den Zuschauern noch lange in Erinnerung bleiben.

Bicycle Thief
Vier Karten wandern aus einem Päckchen in die Tasche des Vorführenden und sogar unter die offen auf dem Tisch liegende Kartenschachtel. Dank der raffinierten Präparation der Karten ist dieser Effekt selbst für den Einsteiger in die Welt der Kartenkunst relativ schnell zu meistern und erweckt dennoch den Eindruck außerordentlicher Geschicklichkeit.

The Simple Searchers
Hier macht der Zuschauer alles selbst: Mittels zweier "Detektiv-Karten" findet er seine selbst gewählte Karte, indem er das Spiel mehrmals abhebt. Ein Kunststück, das man sich merken sollte, sind Selbstgänger mit Zuschauerbeteiligung doch mit die praktischsten und stärksten Waffen im Arsenal eines Zauberkünstlers.

The Nowhere Pass
Aaron erklärte des Anwesenden in aller Ausführlichkeit seine Version der Scheinvolte (Bluff Pass). Seine Ausführungen beginnen mit der Feststellung, dass dieser Griff so ziemlich der dümmste sei, der jemals erfunden wurde - jedenfalls dann, wenn man sich gedankenlos an die Beschreibungen bisherige Literatur halte. Er stellte in geradezu wissenschaftlicher Manier die Probleme der klassischen Scheinvolte dar und präsentierte uns dann seine Lösungsvorschläge für diese Schwächen. Das Ergebnis ist eine der ausgereiftesten Kartengriffe der letzten Jahre. Und außerdem regten seine Abhandlungen dazu an, sich auch einmal mit anderen "bewährten" Griffen auseinanderzusetzen.

Revolution No. 9
Eine halb ins Spiel gesteckte Karte dreht sich mittels einer magischen Bewegung der Hand um. Der Vorführende wiederholt das Ganze - doch diesmal drehen sich sämtliche Karten des Spiels um! Selten hat man einen derart visuellen und leicht nachzuvollziehenden Karteneffekt gesehen. Man ist fast geneigt, an echte Zauberei zu glauben!

The Gravity Half Pass
Mit ähnlicher Akribie wie schon bei der Scheinvolte demonstrierte Aaron seine Gedanken zur Halbvolte. Auch hier gab es wieder viel über Körperhaltung, Spannung und Entspannung zu lernen. Auch wenn man nach dem Besuch des Seminars nicht unbedingt gleich eine perfekte Halbvolte hinlegen konnte, so kannten wir nun doch zumindest eine "Abkürzung" auf dem Weg zur Perfektion.

Bei all diesen Programmpunkten wusste Aaron durch seine sympathische Art und seinen spitzbübischen Humor zu unterhalten. Waren die Kunststücke selbst schon unterhaltam genug, so hat es die versammelte Mannschaft bei einigen Erklärungen vor Lachen fast schon vom Stuhl gehauen. Gleichzeitig gehörte das Seminar mit gut drei Stunden zu den längsten, die jemals im Hause Stolina stattgefunden haben. Kurzum: Ein Erlebnis-Seminar allererster Güte!

Frank Ollermann