65 Jahre Stolina

Seminarbericht Jan Logemann

Robert FislageAm 22. April war Jan Logemann, amtierender Weltmeister der FISM in der Sparte »Close-up Cards«, bei Stolina Magie in Oelde zu Gast. Bevor es mit dem Seminar losing, gab es aber noch eine Sondervorführung vom Gastgeber Robert Fislage höchstpersönlich: Er zeigte uns mit dem »500-Euro-Gewinnspiel«  und »Freie Wahl«  zwei seiner Lieblingsroutinen in seiner unnachahmlichen Art. Eine solche Einlage vorab kann er meinetwegen gerne zur Gewohnheit machen.

Aber dann ging es los mit dem eigentlichen Seminar: Der junge, hochgeschossene Jan Logemann begrüßte uns mit einem herzlichen »Moin, moin!«. Und schon ging es los mit einigen Karteneffekten.

Zum Beispiel fand das Kartenspiel scheinbar von selbst die Karte des Zuschauers, indem sie sich beim Durchbiegen an der richtigen Stelle teilt. Eine praktische Methode, wenn man einmal mit einem unpräparierten Kartenspiel einen eindrucksvollen Effekt zeigen möchte.

Oder: Zuschauer und Vorführender denken beide an eine Karte. Der Vorführende nimmt eine Karte aus dem Spiel und legt sie bildunten auf den Tisch. Der Zuschauer nimmt ebenfalls eine Karte aus dem Spiel und setzt sich auf sie. Wenn beide Karten vorgezeigt werden, stellt sich heraus, dass beide Akteure die Karte des jeweils anderen gefunden haben. Ein toller Effekt, der an diesem Abend besonders mysteriös wirkte, weil beide zufällig an dieselbe Karte dachten. Methodisch hat Jan ein sehr altes Trickprinzip sehr effektvoll wiederbelebt und die Anwesenden ermuntert zu überlegen, ob nicht auch sie dieses Prinzip vielleicht hier oder da in ihrem Programm gewinnbringend einsetzen können.

Three Card TrickMit dem Quickchanging Joker zeigte Jan uns einen Effekt, den er so ähnlich auch bei seiner Weltmeisterschaftsnummer gezeigt hat: Ein Joker verwandelt sich nacheinander in verschiedene Kartenwerte.

Eindrucksvoll war auch Jans Version von David Wiliamsons »Three Card Trick«, bei dem sich die Karten unkontrollliert vermehren, bis der Zauberer zum Schluss scheinbar an die 150 Karten in Händen hält.

»Nebenbei« zeigte Jan Logemann uns auch eine interessante und überzeugende Forciermethode sowie einen sehr visuellen Färbe-Effekt mit einem Edding, den man immer dann bringen kann, wenn der Zuschauer eine Spielkarte oder sonst etwas signieren soll.

Höhepunkte des Seminars waren sicherlich seine zwei unglaubliche Platzwechsel-Routinen »Schein-Wein-Bar« und »Wondering«.

Schein-Wein-BarBei »Schein-Wein-Bar« borgt sich der Zauberkünstler zunächst einen Geldschein aus dem Publikum. Von diesem Geldschein reißt er zur Kontrolle eine Ecke ab und gibt sie dem freundlichen Spender zur Aufbewahrung. Der Restschein wird erst einmal in einen Zwanziger verwandelt. Da aber die Seriennummer nicht mit der der abgerissenen Ecke übereinstimmt, darf der Zuschauer ihn leider nicht behalten. Wo ist denn jetzt aber der Fünfer geblieben? Der Vorführende macht auf eine Weinflasche aufmerksam, die die ganze Zeit über auf einem Beistelltisch gestanden hat. In dieser (verschlossenen) Weinflasche dümpelt doch tatsächlich ein Fünf-Euro-Schein herum. Die Flasche wird geleert, die Weinflasche zertrümmert und der Geldschein mit einer Pinzette aus den Scherben herausgefischt. Die abgerissene Ecke passt perfekt, und auch die Seriennummer stimmt hundertprozentig überein. Tadaa!

Healed and SealedMit »Wondering« zeigte Jan Logemann einen ähnlichen Effekt. Hierbei wandert ein von einem Zuschauer ausgeliehener Fingerring in eine kleine Gummibärchentüte, die wiederum in einer größeren »Gummibärchentütentüte« steckt. Der Zuschauer darf beide Tüten selbst öffnen und sich davon übereugen, dass die Tüten unversehrt sind. Ein Clou: Die Gummibärchentüte befindet sich schon lange im Besitz eines anderen Zuschauers, während der Fingerring noch gar nicht verschwunden ist.

Zum Schluss konnte Jan es nicht lassen, uns noch seine Variante von »Healed and Sealed« zu zeigen – ohne sie zu erklären. Ein bisschen muss schließlich noch zum Staunen übrig bleiben.

Ein sehr unterhaltsames Seminar hat Jan Logemann uns da geboten. Nicht nur beherrscht er brillant die nötigen Techniken, sondern er kann auch sehr überzeugend schauspielern. Mit seiner sympathischen Art und seinem brutal trockenen Humor kommt er außerdem von Anfang bis Ende gut beim Publikum an. Die Unterschrift an der TürIn seinem Seminar kam außerdem bald eine sehr angenehme und entspannte Plauderstimmung zustande. Dass das Publikum eigentlich viel zu klein war, als Jan es verdient gehabt hätte, hat dazu sicherlich beigetragen. Man darf gespannt sein, was man von Jan Logemann noch zu hören und sehen bekommen wird.