65 Jahre Stolina

Seminarbericht Davd Ginn

Nach einem langen kalten, dunklen und trüben Winter wurde es langsam endlich Frühling, als Robert Fislage am 6. April 2013 wieder einmal zu einem Profi-Seminar in Oelde einlud. Unser Lehrmeister sollte dieses Mal David Ginn sein, ein erfahrener Profi-Kinderzauberer aus Georgia. Es war Davids erster Besuch in Oelde, und obwohl es sich wegen des Themas Kinderzaubereium ein nicht gerade massentaugliches Seminar handelte, war der Seminarraum von Stolina Magie vergleichsweise gut gefüllt. Zur Unterstützung, vor allem beim Verkauf seiner Artikel, hatte David Ginn seinen Freund Marty Hahne dabei, einen Zaubergerätehersteller aus Missouri.

TücherketteNach einigen praktischen Tipps zum »Drumherum« (Wie werde ich angekündigt? Wie sorge ich dafür, dass die Kinder sich hinsetzen? usw.) ging es los mit einigen Aufwärmtricks, die man in sein Programm aufnehmen kann, um in den ersten Minuten das sprichwörtliche Eis zu brechen. All diesen Tricks gemeinsam ist unter anderem, dass man keinen Helfer auf der Bühne braucht.
Bunt ging es los mit einem schnellen Blendo-Effekt.
Aber auch laut ging es her mit einer Hupe, mit der David in Form eines Running Gags immer wieder alle möglichen Gegenstände und Menschen »desinfiziert«, bis ihm zum Schluss der Show damit ein lustiges Missgeschick passiert.
Eine gute Idee hatte David zu bieten für den Einsatz eines sechsten Fingers als kurzen Comedy-Horror-Effekt.
Und noch einige weitere Ideen mit Zahlen, Zauberstäben, Tüchern und Schwammbällen hatte David Ginn anzubieten.
Und wussten Sie, dass man aus einem Gummihandschuh sechs verschiedene Ballontiere formen kann?

Im zweiten Teil des Seminars ging es um Kunststücke, die man gut zu Musik vorführen kann - in diesem Fall natürlich keine getragene klassische Musik, wie man sie vielleicht für seine Zombie-Routine wählen würde, sondern flotte Pop-Musik, bei der die Kinder kräftig mitklatschen können.

Ein bunter StraußEine wahre Farbenexplosion bot David da, mit riesigen Motivtüchern (zum Beispiel diesem oder auch diesem hier ), die er aus seinem Zylinder zauberte, einem schier ewig langen, bunten Seidenstreamer aus einer Produktionsröhre oder einem riesigen Blumenstrauß, den er aus drei leer gezeigten Tüchern erscheinen ließ.
Dazu kam noch eine einfache, aber effektive Geldscheinproduktion, ein Salzverschwinden und -wiedererscheinen und ein kurzes und bündiges Seilzerschneiden. Eine Lektion gab es bei letzterem übrigens noch ungewollt, dafür aber gratis dazu: Immer vorsichtig mit der Schere!

Der dritte Teil des Seminars bestand aus Kunststücken mit Publikumsbeteiligung, unter anderem drei Kartentricks mit verschieden großen Karten. Gerade der »kleinste« dieser drei Kunststücke ist für Zuschauer wohl am eindrucksvollsten: Ein Zuschauer zieht eine Karte, deren Wert anschließend in seinem Fingerabdruck erscheint, der magisch auf einem kleinen Stück Papier Gestalt annimmt.
Außerdem gab es eine lustige Routine zu sehen, bei der ein Frosch (aus Schaumstoff) verschwindet und erscheint und die Kinder dem Zauberer natürlich immer eine Nasenlänge voraus sind.
Für viele Anwesende ebenfalls sehr eindrücklich war Davids Linking-Ropes-Routine: Drei verschiedenfarbige Seile werden zu Ringen verknotet, die sich ver- und wieder entketten.

Nach der wohlverdienten Pause, in der es selbstverständlich viele David-Ginn-Produkte zu kaufen gab (sowie leckeren Kuchen - den allerdings freundlicherweise von einer Teinehmerin gespendet), ging es dann in den Schlussspurt.

Im letzten Teil des Seminars zeigte David uns eine kunterbunte Mischung aus verschiedenen Kunststücken, von denen einige auf einfachen physikalischen Prinzipien beruhten, die aber für Kinder dennoch wie wahre Magie aussehen. So schwebte ein ganz normaler Hosengürtel an einem Plastikhaken scheinbar schwerelos auf dem Finger eines kleinen Zuschauers. Als kleines Extra gab es sogar für jeden Seminarteilnehmer einen dieser Haken als Geschenk - so eine nette Geste erlebt man auch nicht alle Tage!Kaninchenroutine

Vielen Anwesenden dürfte auch die Schlangendose in lebhafter Erinnerung geblieben sein: Aus einer vorher leer gezeigten Papiertüte schießt plötzlich eine ca. zwei Meter lange Schlange (aus Stoff) hervor. Da kommt Leben in die Bude! David zeigte uns einige interessante Abwandlungen dieses Grundprinzips.

Der Höhe- und Schlusspunkt in Davids Kinderprogramm ist das erscheinende Kaninchen. Für die Seminartournee hat David als verantwortungsbewusster Kaninchenbesitzer natürlich nicht sein echtes Kaninchen mitgenommen, sondern einen mechanischen Ersatz, aber man kann sich gut vorstellen, welche tolle Wirkung dieses Kunststück auf Kinder hat: Der Zauberer kündigt an, dass er heute nicht sein echtes Kaninchen dabei hat. Als Ersatz hat er eine Kaninchen-Handpuppe dabei, die zuerst lauter nette und nicht so nette Dinge sagt, anschließend bei einem Tuchtrick mitwirkt und sich zum Schluss sogar doch noch in das heiß ersehnte echte Kaninchen verwandelt, das die kleine Zuschauerassistentin natürlich streicheln darf.

Zum Schluss legte David uns noch ein paar wichtige und gute Worte über das Zaubern für Kinder mit auf den Weg, bevor er mit dem klassischen »The End«-Tuch sein Seminar zu einem schönen Abschluss brachte.

Man merkt Die Unterschrift an der TürDavid an, dass er mit Leib und Seele Kinderzauberer ist und mit dem Herzen dabei ist, wenn er auf der Bühne steht. Wie bei einem Seminar über Kinderzauberei zu erwarten war, gab es tricktechnisch nicht die allerneuesten Errungenschaften der Zauberwelt zu bestaunen, sondern solide, bewährte Klassiker. Aber das an sich ist ja schon eine wichtige Lektion für angehende Kinderzauberer: Hier kommt es nicht auf diabolische methodische Feinheiten an, sondern auf den Spaß für die Kinder. Und da kann David Ginn mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung keiner so schnell etwas vormachen.

Frank Ollermann