| Etwa
zwanzig Zauberinnen und Zauberer hatten sich an diesem schönen
Vorfrühlings-Sonntag auf den Weg nach Oelde gemacht und –
um es gleich vorweg zu sagen - wurden keinesfalls enttäuscht.
Im
Rahmen der MZvD Seminartour war der bekannte slowenische Zauberkünstler
Wladimir morgens um 11.00 Uhr bei Robert Fislage zu Gast.
Nachdem der Gastgeber nach einer kurzen Begrüßung den
roten „Kaufverhinderungsvorhang“ vor seinen Zauberartikeln
geschlossen hatte, begann das Seminar mit einem gut aufgelegten,
aber nach eigenem Bekunden noch etwas müden Wladimir. Eine
lange Zaubernacht und die Anfahrt von 500 Kilometern aus Belgien
lagen hinter ihm.
Er eröffnete
den Reigen seiner Darbietungen mit akustischen Gags unter Einsatz
eines Knackfrosches, diesem Lärmmacher, den
man aus Kindertagen kennt. In der Hand palmiert und mit einem Finger
das „Knack“ ausgelöst, prüfte Wladimir Euro-Noten
und andere Dinge auf ihre Echtheit. Dieser „Frosch“
- richtig eingesetzt - bietet dem Tabelhopper endlose Einsatzmöglichkeiten
und manches Lachen auf den Gesichtern seiner Zuschauer.
Dann ein herrliches „Warming up“: Ein gefalteter und
auf die Schmalseite aufgestellter Geldschein kippte - wie von Geisterhand
- um! Die Lösung lag für die meisten Teilnehmer nahe -
war dafür jedoch falsch. Die Auflösung ließ alle
auflachen … und später sicherlich nachmachen!
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte man das Gefühl, als wenn sich
der Seminarist noch steigern müsste. Und er tat es sofort!
Eine gezeichnete Münze verschwand und erschien mitten im Spiel
auf einer vom Zuschauer zuvor frei gewählten Karte.
Bildunten und bildoben, einwandfrei ineinander gemischte Karten,
orden sich in eine Richtung und vier an verschiedenen Stellen ins
Spiel gesteckte Asse werden trotz mischen … mischen mischen
…, effektvoll zum Vorschein gebracht. Kartentechnik in Perfektion?
Unglaubliche Handfertigkeit? Eben ein Profi? Die Lösung schon
fast enttäuschend – aber genial: Ein allen bekanntes
Spezial-Kartenspiel in neuer Verkleidung! Super!
Es
folgte ein „Vier-Ass-Trick“, bei dem
der Höhepunkt eine sich drehende Karte in der Hand darstellte,
aus der nacheinander die vier Asse erschienen und sich förmlich
aus der Karte materialisierten. Ein Effekt wie im Trickfilm! Anmerkung
des Schreiberlings: „So alt kann ich gar nicht mehr werden,
um diese Griffe zu erlernen“. Einfach faszinierend, was uns
da geboten wurde.
Weiter
folgten nun einige Effekte mit der Kugelkette:
Knoten erscheinen, wandern auf der Kette hoch und runter, um schließlich
auf den Tisch zu fallen. Der Zuschauer kann bei dieser Routine die
Kette als auch jeden einzelnen Knoten untersuchen. Dieses Kunststück
kann sehr gut als Einleitung für die bekannten Kugelkettenroutinen
eingesetzt werden. Wladimir erklärte schmunzelnd, dass es nicht
nur das kleine Aufbewahrungsglas (Mini-Honigglas) in Hotels geben
würde, sondern auch an mancher Badewanne die Kugelkette.
Vor der
Pause wurden uns nun zwei Riesenkarten-Routinen präsentiert,
die einen sehr hohen Unterhaltungswert beinhalten. „Jumbozwillinge“
und „Riesen-Ballonkarte“ lassen sich im kleinsten Kreis
wie auch auf der Bühne vorführen. Jumbozwillinge
ist ein Übereinstimmungseffekt. Der Zuschauer wählt von
zwei Riesenkartenspielen eines aus und daraus völlig frei eine
Karte, die er in der Hand behält. Der Magier nimmt das andere
Kartenspiel, gibt es in einen großen Umschlag und sticht,
in diesem Fall mit einem Korkenzieher, von außen durch den
Umschlag in eine Karte. Der Umschlag wird geöffnet und …
na, man kann es sich denken: Auf dem Korkenzieher steckt die Duplikatkarte
aus dem anderen Spiel. Sehr unterhaltsame und leicht einzustudierende
Routine, die jedoch noch etwas „flüssiger“ werden
muss.
Bei der
Präsentation des Effektes „Riesenballonkarte“
bedarf es allerdings schon einer Portion Sicherheit und Frechheit.
Der Zuschauer wählt sich aus einem Riesenkartenspiel wiederum
völlig frei eine Karte, diese wird gekennzeichnet und ins Spiel
zurückgegeben. Unter Einsatz vieler kleiner verbaler Gags findet
letztendlich der Magier in seiner Hosentasche einen Luftballon.
Dieser wird aufgepustet, ein Messer gezückt, der Ballon zerstochen.Die
Karte des Zuschauers erscheint unter lautem Knall - wo auch anders
als - aus dem Ballon. Das Timing des Vorführenden ist bei dieser
Vorführung besonders eindrucksvoll. Für mich die stärkste
Routine des Seminars.
In der Pause,
und das habe ich in der Tat noch nicht erlebt, wurde neben dem „immer
wieder gern genommenen Kaffee samt Keksen“, von einigen Besuchern
„Eckenzauberei“ dargeboten. Ebenfalls ein unterhaltsames
Novum an diesem Tag.
Das
Hauptthema nach der Pause war die Manipulationsroutine mit
Riesenmünzen, die klassisch mit einem Sektkühler
präsentiert wurde. Diese zu beschreiben, würde den Bericht
sprengen. Es war eine Augenweide.
Die Routine hat einen sehr hohen Unterhaltungswert, da sie unter
Einsatz eines „Streichholzschachtelkunststücks“
und „Pyrofadens“ unterhaltsam aufgelockert wurde. Wladimir
entzündet mit nur einer Hand ein Streichholz, das natürlich,
ebenfalls „einhändig“ aus der Schachtel entnommen
wurde, um damit einen Pyrofaden anzuzünden. Es ist eigentlich
ein Close-Up-Kunststück für sich selbst. Einfach einsame
Klasse! Um die Manipulationssequenz im Einzelnen erklären zu
können, verwendete der Seminarist einen durchsichtigen Kunststoffsektkühler.
Tolle Idee!
Als Abschluss
des eigentlichen Seminars zeigte Wladimir noch eine seiner „Vier-Ass-Routinen“:
„Der einarmige Bandit“. Die vier Asse
eines Spiels werden ins Kartenspiel zurückgegeben und natürlich
wieder präsentiert. Und dieses einhändig! Die Story des
einarmigen Banditen, der eigentlich nur betrügen konnte, weil
er ja nur einen Arm hat, hat man eigentlich unter dem Eindruck der
speziellen Griff-Folge gar nicht wahrgenommen. Ein Vier-Ass-Effekt,
an dem man lange Zeit üben muss und der ein toller Seminar-Schluss-Effekt
war!
Nachdem
die „Zugabe“-Rufe jedoch nicht verstummten, zelebrierte
Wladimir seine Routine der „Geldmaschine“.
Neben den unmöglichsten Drucken, die diese Maschine ausspuckte,
war die Vorführung mit so vielen optischen und verbalen Gags
verbunden, dass man das bekannte Geheimnis einfach vergaß.
Ebenso
sehenswert seine perfekte Vorführung des „Schwebenden
Tisches“. Selbst der, der das Geheimnis kannte, war
fasziniert!
Ein vorbildliches
Seminarheft (gedruckt wie auch als CD mit kurzen Videosequenzen)
als auch einige Requisiten konnten bei Wladimir erworben werden.
Auf mich hat
dieses Seminar insgesamt einen sehr kompetenten und an Unterhaltsamkeit
und Qualität der vorgeführten Routinen hochwertigen Eindruck
hinterlassen.
Einen lieben
Dank auch an Maria und Robert für die Ausrichtung und die Bewirtung
vor, während und nach dem Seminar. Der Wohlfühleffekt
bei Stolina-Magie war einfach da!
Charly –
Frank Dörries |