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Weit
entlang der Hans-Böckler-Straße standen die Autos der
Seminarteilnehmer, und die Kennzeichen ließen vermuten, dass
zum Teil mehrere hundert Kilometer Anfahrt in Kauf genommen worden
waren. Doch zu Beginn fehlte vor allem eines: der Referent. Das
Dumpingangebot an einer Hamburger Tankstelle hatte bereits bei der
Abfahrt zu einer staubildenden Verzögerung geführt. Mit
20 Minuten Verspätung eingetroffen, sprach Christoph der Magier,
mit einer Tasse Kaffe in der Hand, dann auch zunächst darüber,
dass die Hauptbelastung eines Profis im Vergleich zu vor zehn, fünfzehn
Jahren weniger in den Auftrittsbedingungen als in der automobilen
An- und Abreise liege. Ein ausführlicher Bericht über
das Strassenzaubereifestival in Bludenz/Österreich stellte
den Übergang zum Seminarthema dar. Kurz bevor sich unter den
Teilnehmern eine Unruhe bzw. Unzufriedenheit über den ausgedehnten
verbalen Einleitungsteil breit machte (die Schröder mit dem
zutreffenden Hinweis konterte, dass die Analyse und Beschreibung
von Auftrittssituationen wichtiger seien als die Befriedigung von
"Trickgeilheit"), packte er seine Requisiten aus seiner
Reisetasche aus, die sowohl das Strassen- als auch Teile eines Bühnenprogramms
enthielten.
Bei der Konzentration
auf komprimiertes Strassenauftrittsprogramm reduziert sich der Berg
an Zaubergerätschaften schnell auf einige bewährte Klassiker:
- Die Schnurstäbe
(bei Christoph "türkische Schnurstäbe") bilden
die ideale Eröffnung, da sie für das später hinzukommende
Publikum auch ohne den Anfang interessant sind.
- Im mittleren
Teil stand beispielhaft der Eierbeutel, wie ihn Schröder
fast vollständig in der klassischen Form von Otto Stolina
übernommen hat.
- Den Abschluss
markierten die Odd Ropes (auch: Professor's Nightmare) mit einem
überzeugenden und hervorragend getimten Vortrag über
Illusionen und Wirklichkeit.
An die Darstellung
der Vorzüge dieser Klassiker auch bei verschärften Auftrittsbedingungen
(kleines Gepäck, umringt vorführbar, keine zeitaufwändige
Präparation etc.) schlossen sich Anekdoten, aber auch Analysen
von Auftrittsorten und -bedingungen an. Die Gespräche in der
Pause bestätigten die Beobachtungen beim Einparken: einige
Teilnehmer hatten eine zum Teil sehr weite Anreise in Kauf genommen,
und viele waren zum ersten Mal bei einem Seminar in den Räumen
von Robert Fislage.
Im
zweiten Seminarteil nach der Pause stellte Ch. J. Schröder
zwei Variationsmöglichkeiten für den mittleren Teil des
oben beschriebenen Programm vor:
- den Card
Stab, das Kartenstechen einer vom mitwirkenden Zuschauer gewählten
Spielkarte (das es als komplette Routine mit Requisiten nach wie
vor bei Stolina Magie zu kaufen gibt),
- das Ringsiel
mit 9 Ringen in der Version "verliebt, verlobt, verheiratet"
unter Mitwirkung eines Herrn aus dem Publikum und einer weiblichen
Zuschauerin.
Beide Routinen
wurden anschließend bis in Details der Handhabung und -haltung
analysiert:
- Wie trifft
der Zuschauer tatsächlich seine gewählte Karte und nicht
die Hand des Vorführenden?
- Wie kann
der Schlüsselring als massiver Ring vorgezeigt werden?
Einzelheiten,
die sogar denjenigen, die mit der Handhabung der Requisiten vertraut
waren bzw. diese selbst vorführen, informative Neuigkeiten
vermittelten. Quasi als Zugabe zeigte Schröder abschließend
eine geringfügig präparationsaufwändige Variante
der Odd Ropes: die Geschichte mit dem (Zuschauer-)Cowboy und dem
Lasso, das als zwei ungefähr gleich lange Seile präsentiert
wird, deren Unterschiedlichkeit jedoch vom (kindlichen) Publikum
zunehmend lautstark beschrieben bzw. berufen wird. Nach diesen gut
3 Seminarstunden war Christoph, der Magier, nicht zu müde,
auf Einzelanfragen einzugehen, wie etwa Finessen in der Seilführung
beim falschen Vorzählen, seine Variante der Silver/Copper Coins
etc.
Fazit:
Wahrscheinlich werden sich die wenigsten der Seminarteilnehmer am
nächsten schönen Frühlingstag in den Park stellen
und Strassenzauberei betreiben - obwohl dies eine ernsthafte Einstiegsempfehlung
des Dozenten ist. Jedoch hat die Präsentation und breite Diskussion
einer Handvoll Klassiker der Zauberkunst grundlegende Kriterien
der Handhabung und Vorführung so behandelt, dass sowohl die
weniger vertretenen alten Hasen als auch Erstbesucher entscheidende
Informationen und Anregungen mit nach Hause nehmen konnten. Vielleicht
führt Gerd demnächst in Warstein mit seinen Schülern
auch den Card Stab vor ... Und: Man darf dem im sic!-Verlag angekündigten
Buch über Christoph-Joachim Schröder im positiven Sinne
entgegenfiebern!
Uwe Möller-Lömke
(Emmello)
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