| Fast
auf den Tag genau vier Jahre ist es her, dass Richard Sanders das
letzte Mal in Oelde zu Besuch war. Und auch diesmal bestach der
quirlige Kanadier durch seinen humorvollen und sympathischen Vorführstil
und durch seine visuellen magischen Effekte.
Einer seiner bekanntesten Effekte dürfte »Fiber
Optics« sein – eine Seilroutine mit vielen innovativen
und visuellen Effekten, die sich leicht in bereits bestehende Seilroutinen
einbauen lassen. Richard zeigte uns einige neue »Moves«,
darunter einen sehr überzeugenden wandernden Knoten, bei dem der
Zuschauer den Knoten zum Schluss selbst öffnen kann.
Sein Bestreben, bereits gute Effekte noch besser zu machen, wurde
auch an »Extreme
Burn« deutlich. Auch hier steht die starke visuelle Wirkung
des magischen Moments im Vordergrund. Die trockene Beschreibung
des Effekts wird demselben nicht im Geringsten gerecht: Eine Handvoll
Geldscheine verwandelt sich komplett in Geldscheine einer völlig
anderen Währung. Diesen Effekt kann man technisch natürlich auf
recht unterschiedliche Weise bewerkstelligen. So wie Richard Sanders
die Sache gelöst hat, ist das Ganze ein besonderer Augenschmaus:
Die Verwandlung geschieht blitzschnell und ohne verdächtige Bewegungen.
Ein
weiterer Effekt aus Richards Lieferprogramm (natürlich auch hier
bei Stolina Magie erhältlich) ist »Interlace«: Der
geliehene Ring eines Zuschauers verschwindet aus der Hand des Vorführenden
und erscheint aufgeknotet auf dem Schnürsenkel seines Schuhs. Auch
hier wieder sind eine starke visuelle Wirkung sowie eine innovative
und im besten Sinne einfache Methode auf bestmögliche Weise vereint.
Wer
sein letztes Seminar besucht hatte, der wusste, dass Richard Sanders
sich auch bestens auf Karteneffekte versteht. Dies demonstrierte
er auch dieses Mal wieder. Bei einem Effekt verwandeln sich alle
Karten – bis auf die vom Zuschauer gezogene Karte –
in Doppelblankokarten; bei einem anderen verwandeln sich Striche,
die der Vorführende auf die Rückseite einer Karte gezeichnet hat,
in den Namen des Zuschauers.
Zwei Effekte möchte ich hier hervorheben, die mir besonders in
Erinnerung geblieben sind. Ein Zuschauer wählt frei eine Karte und
unterschreibt sie. Die Karte wird ins Spiel zurückgegeben und letzteres
gemischt. Die zwei Joker, die dem Spiel vorsorglich entnommen worden
waren, werden oben auf das Spiel gelegt. Ohne, dass der Vorführende
dem Spiel in irgendeiner Weise nahekommt, erscheint nun zwischen
diesen beiden Jokern die vom Zuschauer unterschriebene Karte. Ein
unglaublich starker Effekt!
Ein
anderer starker Karteneffekt, den Richard Sanders vorführte und
erklärte, bestach durch die starke Reaktion, die man damit bei seinem
Zuschauerassistenten erzielen kann. Der Zuschauer denkt an eine
beliebige Karte und entnimmt dem Kartenspiel zur späteren Kontrolle
die entsprechende Menge Karten. Ein Teil des Spiel wird nun auf
dem Tisch ausgestreift. Auf sehr publikumswirksame Weise nennt der
Vorführende nun die vom Zuschauer nur gedachte Karte. Mehr will
ich an dieser Stelle nicht verraten, denn dieser eine Satz, mit
dem die Karte genannt wird, ist schon fast so wertvoll wie die gesamte
vorangegangene Tricktechnik.
Richard Sanders hat mit diesem Seminar einmal mehr seine Innovativität,
sein Gespür für publikumswirksame Effekte und sein Geschick als
Seminarlehrer unter Beweis gestellt. Er ließ zu keinem Zeitpunkt
Langeweile aufkommen und überzeugte sowohl bei der Vorführung als
auch bei der Erläuterung seiner Routinen durch seine lockere, freundliche
und humorvolle Art. So soll es sein!
Bilder: Georg Fabisch
Text: Frank Ollermann |