| Nach
einem halben Jahr voller Entbehrungen fand am 15. Oktober 2004 endlich
wieder ein Seminar bei Stolina Magie statt. Und was für eines! Richard
Sanders aus Kanda hatte sich angekündigt, ein ausgewiesener
Experte für visuelle Zauberei vor allem mit Karten, Geldscheinen
und Seilen. Und tatsächlich behandelte das Seminar fast ausschließlich
diese drei Requisiten. Trotzdem war es ein abwechslungsreicher Abend,
und es war für jeden etwas dabei.
Es ging los
mit einigen Effekten, die sich eines neuen, schlauen Trickprinzips
bedienten. Damit sind einige sehr visuelle Effekte möglich. Zum
Beispiel:
4 Card Crunch:
Zuschauer und Vorführender halten jeweils zwei Joker. Plötzlich
verwandeln sich alle Karten in Zehnen. Ein im besten Sinne einfacher
Karteneffekt.
Color Killer:
Eine besonders visuelle Version des farbwechselnden Spiels (Color
Changing Deck).
Open Prediction
Gone Wild: Eine Vorhersagekarte wird bildunten zwischen zwei
bildoben liegende Bildkarten gegeben und auf dem Tisch abgelegt.
Eine Karte wird gezogen, unterschrieben und wieder ins Spiel gegeben.
Schließlich zeigt sich, dass es sich bei der Vorhersagekarte um
die unterschriebene Karte des Zuschauers handelt! Das Schöne bei
dieser Version ist, dass die Vorhersagekarte bis zum Schluss nie
das Blickfeld des Zuschauers verlässt.
The
Alpha Deck: Der Vorführende und ein Zuschauer finden gemeinsam
die vier Buben aus dem Kartenspiel. Alles passiert ganz langsam
und fair. Der Hammer ist dann allerdings, dass das gesamte Restspiel
aus lauter Blankokarten besteht!
Super Duper
Jumping Gemini: Ein Päckchentrick mit mehreren visuellen Effekten,
der in einer kompletten Verwandlung aller vier Karten endet.
Ein weiteres
Thema waren Kunststücke mit Geldscheinen. Auch hier legte Richard
besonders viel Wert auf visuelle Effekte.
Double bill
switch: Eine Weiterentwicklung des 100-Dollar Bill Switch. Ein
geborgter Geldschein wechselt zwei Mal seinen Wert und wird zum Untersuchen ins Publikum gegeben. Genial einfach und praktisch!
Slow Burn:
Eine visuelle Verwandlung von vier Geldscheinen. Die Verwandlung
passiert hierbei nicht so schnell wie bei Fred Kaps' "Blanks to
Bills", sondern durch ein langsames Darüberstreichen mit der Hand.
Dadurch wirkt der Effekt noch unglaublicher.
Daneben zeigte
Richard Sanders noch weitere Karteneffekte, unter anderem Trick
photography (eine gewählte Karte verschwindet aus der Hand des
Zuschauers und erscheint auf dem Foto einer Ausweiskarte) und Behind
my back (eine ultrakurze und praktische Version der "Karte
im Mund"). Mit Fiber Optics zeigte er uns eine
unterhaltsame Seilroutine und erklärte einige Griffe, die man
leicht in seine vielleicht schon bestehende Seilroutine einbauen
kann, um diese noch visueller zu machen.
Zwei Effekte
möchte ich noch hervorheben, die mir besonders gefallen haben:
Castle
Purse: Diese Routine war lange Zeit der Rahmen von Richards
Shows im Magic Castle. Zunächst wird eine kleine Geldbörse gezeigt,
die eine Vorhersage enthält sowie einen Geldschein. Falls die Vorhersage
nicht stimmen sollte, könne der Zuschauer dieses Geld behalten.
Im Verlauf seiner Show zeigt der Vorführende einige Effekte, bei
denen eine Karte un ein Geldschein signiert werden. Zum krönenden
Abschluss seiner Darbietung holt der Vorführende mit einer Pinzette
die Vorhersagekarte aus der Geldbörse. Es handelt sich um die vorher
unterschriebene Karte des Zuschauers! Aber nicht nur das: Auch der
Geldschein ist derjenige, der gerade erst von einem Zuschauer unterschrieben
worden ist!
Pile of Change:
Dieses Kunststück ist vor allem deswegen so gut, weil man nicht
die geringste Vorbereitung benötigt und dabei trotzdem einen sehr
starekn Effekt erzielen kann. Und das alles sogar noch mit dem Geld
eines Zuschauers. Der Effekt: Ein 2-Cent-Stück verwandelt sich in
ein 2-Euro-Stück. Das Starke: Sowohl vor als auch nach der Verwandlung
sind die Hände des Vorführenden leer. Scheinbar vermehren Sie also
das Geld des Zuschauers! Das ist doch mal ein sympathischer Effekt!
Und
mit dem Wort "sympathisch" wären dann auch schon
Seminar und Seminarlehrer beschrieben.Richard Sanders hat es aufs
Beste verstanden, sowohl mit seinen Vorführungen als auch mit
seinen Erklärungen zu unterhalten. Wenn Sie also einmal Material
von diesem Künstler in die Hände bekommen: Kaufen!
Bis zum nächsten
Mal!
Frank
Ollermann |