|
Puh - das waren
eine Menge Kunststücke, die Rich Marotta uns da vorgeführt
hat. In einem atemberaubendem Tempo führte er eine Nummer nach
der anderen vor, garniert mit vielen nützlichen Tipps aus der
Praxis.
Aus der großen
Zahl der gezeigten Kunststücke greife ich einmal einige besonders
interessante, praktische und täuschende Programmpunkte heraus.
"Fan
See Card Trick": eine gewählte Karte erscheint auf
einem Kartenfächer. Das Praktische ist, dass der Zuschauer
fast nichts tun muss, wodurch sich dieses Kunststück hervorragend
für Stehparties und ähnliche Anlässe eignet, bei
denen die meisten Gäste keine Hand frei haben. Außerdem
verdeutlichte Rich Marotta, wie wichtig es für ihn ist, dass
alle Zuschauer gleichzeitig den Effekt registrieren.
"Card
in Orange": ein Bühnenkunststück, bei dem eine
zerrissene Karte mit Ausnahme einer Ecke verschwindet und in einer
Orange wiedererscheint - und das ohne die hinlänglich bekannte
und oftmals nicht so überzeugende "gezwungene Wahl".
"Ring on Rope" und "Poor Man's Ring Flight":
Anhand dieser Kunststücke demonstrierte Rich Marotta, wie man
viele kleine Effekte zu einer Gesamt-Routine zusammenfügt.
Dadurch eignet sich eine solche Routine dann wieder sehr gut für
"Walk Around Magic", wo man oft gezwungen ist, ein Kunststück
kurz zu unterbrechen und später wieder fortzuführen. Kennen
Sie übrigens den Mann, der bei einer Hochzeit auf einem Schiff
den bekannten "Ring Flight" mit dem 50.000-Dollar-Ring
der Braut vorführte und diesen dann wegen eines "technischen
Defekts" seines Hilfsmittels über Bord gehen ließ?
Das war der Mann, der Rich Marotta daraufhin nahegelegt hat, doch
lieber einen anderen Abschlusseffekt für seine Fingerring-Routine
zu wählen. So entstand "Poor Man's Ring Flight",
bei dem der Ring in ein Schmuckkästchen wandert. Als Bonus
gibt es noch einen Riesenlacher obendrauf. Übrigens ward der
oben erwähnte Ehering trotz des Einsatzes von Tauchern (!)
nicht wiedergefunden - bleibt zu hoffen, dass der Kollege gut versichert
war!
"Repeat Escape": Rich zeigte uns eine sehr starke
Wanderung einer frei gewählten Karte aus dem Päckchen
des Zuschauers in das Päckchen des Vorführenden. Er wiederholte
den Effekt sogleich, doch diesmal wanderten alle Karten des Zuschauerpäckchens
in das Päckchen des Vorführenden - außer der gewählten
Karte! Einer der stärksten Effekte des Seminars, und dazu noch
sehr einfach vorzuführen. Für alle Zauberkünstler,
die immer wieder zu hören bekommen: "Zeig' nochmal!",
eine perfekte Routine, weil man dem Wunsch des Zuschauers zunächst
scheinbar nachkommt, dann aber mit einem völlig anderen und
unerwarteten Effekt abschließt.
"Marked Prediction": Ein Zuschauer denkt an irgendeine
Spielkarte. Der Vorführende nimmt eine große Karte zur
Hand und behauptet, auf dieser Karte sei die Zuschauerkarte abgebildet.
Dreht er die Karte um, so sieht man, dass darauf alle 52 Karten
des Spiels abgebildet sind - sehr witzig! Doch nun markiert der
Vorführende eine der abgebildeten Karten mit einem Kreuz. Wählt
der Zuschauer nun wieder frei eine Karte und dreht der Vorführende
die Karte um, ist tatsächlich die Karte des Zuschauers mit
einem dicken Kreuz markiert. Ein starker und sehr einfach vorzuführender
Effekt, den Sie auch bei uns bestellen können (weitere
Informationen zu "Marked Prediction").
Sehr überzeugend ist auch Rich Marottas klassische Force,
die er dermaßen überzeugend und locker durchführt,
dass einem nur ungläubiges Kopfschütteln bleibt.
Und wo wir schon einmal von Karten sprechen: Mit "A.P.E."
und "Card Rise" zeigte uns Rich, dass man ein Requisit
für mehrere Effekte einsetzen sollte, in diesem Fall das Pochettentuch.
Beim ersten Effekt handelt es sich um eine sehr saubere "Karte
durch Taschentuch", während "Card Rise" eine
praktisch technikfreie Variante des Kartensteigers darstellt, die
bei einigem pantomimischen Geschick dennoch extrem visuell ist.
"Ambitious Photography" stellt eine gelungene Verbindung
zwischen einer "Ehrgeizige Karte"-Routine und dem Kunststück
"Mental Photography" dar, bei dem zunächst die Rückseite,
dann die Vorderseite der gewählten Karte "gedruckt"
wird. Hier hat Rich einen Händlertrick auf logische Weise in
eine längere Routine eingebaut und ihn gleichzeitig so verändert,
dass selbst Besitzer dieser Trickausstattung getäuscht werden.
So sollte gute Zauberkunst sein!
Ein weiterer Karteneffekt war "Repeat Two Cards to Pocket",
bei dem zwei Zuschauerkarten jeweils zweimal in die Taschen des
Vorführenden wandern. Sehr sauber, sehr direkt, sehr stark!
Aber
auch mit Münzen weiß der Meister umzugehen: "Quick
Matrix" ist eine kurze und sehr starke Matrix-Routine,
die ohne Spielkarten und nur mit einem einzigen Griff auskommt (,
der übrigens in Paul Gertner's Steel
and Silver ab Seite 15 beschrieben wird).
Soweit meine
kleine Auswahl an Kunststücken, die wir an diesem Sonntagnachmittag
zu sehen bekamen. Mein Fazit: Rich Marotta ist Profi, der
weiß, worauf es in der realen Welt ankommt. Seine Kunststücke
zielen gewiss nicht darauf ab, Kollegen zu verblüffen (, auch
wenn ihm dies einige Male gelang), sondern Laienpublikum zu unterhalten.
Das Seminar war also weder eine Selbstbeweihräucherungs-Show
noch eine Verkaufspräsentation, sondern ein ausgesprochenes
Praxisseminar.
Als Seminarist wirkte er auf mich allerdings zeitweise etwas unstrukturiert
und fahrig, wodurch einige seiner Erklärungen auch etwas an
Gründlichkeit einbüßten. Aber abgesehen von dieser
kleinlichen Kritik hat sich der Weg nach Oelde wieder einmal so
richtig gelohnt, und ich bin mir sicher, dass alle Teilnehmer eine
Menge Anregungen mit nach Hause genommen haben. Bis zum nächsten
Mal!
Frank
Ollermann
|