|
Zwischen
Steyr (Österreich) und Dresden liegt Oelde. Dies zwar nicht
direkt räumlich, sondern im zeitlichen Ablauf der Seminartournee
von Rafael Benatar. Seine Darstellungen in Roberts Showroom waren
zwar keine Handlungen in Vorübergehen, gipfelten aber in der
Behandlung der Zauberpsychologie in mehreren Beispielen für
Ascanios "acciones in transito". Schwerpunktmäßig
als Kartenzauberei - aber mit welcher Brillianz! Darüber hinaus
ein Kunststück mit Münzen und - ein Becherspiel, bei welchem
die Bälle als E-Mails hin und her wanderten, um schließlich
für's E-Shopping als Kartoffel, Zwiebel und Zitrone im Angebot
zu erscheinen. Aber der Reihe nach:
Benatar eröffnete
- wie bei realen Auftritten - mit "Die Lieblingskarte meiner
Freunde", bei dem er seinen Zuschauern vermittelt, dass
sie seine Freunde sind und dass deswegen seine Lieblingskarte zwischen
den Favoriten zweier seiner Gäste zu finden ist. Alternativ
zu Hofzinsers Unterfächertechnik zeigte Benatar seine Gorilla-Unterfächertechnik,
dem Vermeiden verdächtiger Bewegungen.
"Mitten zwischen die Augen" zielte ein Kartentrick
unter Mitwirkung einer Dame und eines Herrn, bei dem letzterer eine
freigewählte Karte aus den Handlinien ersterer "erlas"
und diese dann auch noch in Sekundenschnelle aus einem Spiel zog,
das in der Innentasche seines Jacketts steckte. Das Publikum begleitete
die Ankündigung des Vorführenden "Torero!" mit
einem lautstarken "Olé!" - viel Spaß, Unterhaltung
und Staunen.
Am publikumswirksamsten an diesem Abend und am genauesten um Erklärung
erbeten war das Kartenkunststück "FAX". Zwei
Zahlenkarten mit Werten entsprechend den Endziffern einer Faxnummer
stellen ein Empfangsgerät dar. Eine weitere Karte wird wie
eine Botschaft beschriftet, in das Kartenspiel vom Zuschauer geschoben
- und erscheint gleichzeitig zwischen den beiden Karten in der anderen
Hand. Ein Zauberkunststück, das - so Benatar - Geschäftsleute
verrückt macht und das sie immer wieder sehen wollen. Eine
allzu schnelle Nachahmung verhindert die anspruchsvolle Technik,
wenn etwa eine Karte im "Gambler's Cop" palmiert werden
muss - unter Beachtung der entsprechenden Winkel.
Diese
drei Beispiele mögen stellvertretend stehen für eine ganze
Reihe weiterer hochklassiger Kunststücke wie "Gerade
Schwarz", "viermal hoch" oder den geradezu
fingerbrecherischen "Marmeladen-Poker" ... "Es
wäre eine Sünde, in dieser Entspannungssituation keinen
Austausch (Übergabe etc.) vorzunehmen!" Dieser von ihm
geäußerte Satz kennzeichnet prägnant Rafael Benatars
Timing- und Zauberpsychologie. "Wenn Sie nur eine Sache von
diesem Seminar mitnehmen, dann diese Übergabe" - so wies
er auf eine Lademethode seines Becherspiels hin, das 15 Jahre Arbeit
an seinen Grundprinzipien deutlich machte. "Wichtig ist der
Zeitpunkt, wenn sich der Blick ändert."
Als dann die
meisten Seminarteilnehmer gegangen waren, nahm sich Benatar noch
Zeit, der Becherspieldarbietung des ältesten Seminarteilnehmers,
Fritz Mels (75) aus Borken seine Anerkennung zu zollen. Dies alles
sprach für ein großartiges Seminar!
Emmelo
|