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Am
21. September hielt Pit Hartling, Mitglied der kreativen
Gruppe "Die Fertigen Finger", sein "kleines grünes
Seminar" ab. Für etwas Verwirrung sorgte im Vorfeld die
kurzfristige Nachricht, dass statt der zwei geplanten Termine nur
einer stattfand. Der Grund hierfür war schnell gefunden: Pit
war für viele Seminare in den umliegenden Ortszirkeln engagiert
worden; wer zu diesen Zirkeln gehörte, schaute sich den "kleinen
grünen Mann" natürlich "zu Hause" an. So
entstand in Oelde ein zwar kleiner, aber dadurch auch sehr gemütlicher
Kreis von Interessierten, die gespannt auf das warteten, was der
Meister denn so zeigen würde. Es sei vorausgeschickt, dass
es sich um ein sehr informatives und unterhaltsames Seminar handelte,
das entgegen meiner Erwartung auch und gerade den Nicht-Kartenfreak
ansprach. Es dürfte bekannt sein, dass Pit Hartling in der
Welt der Kartenkunst eine Größe ist. Aber gerade deswegen
verliert er den Effekt nie aus den Augen und ersetzt, wenn möglich,
schwierige Griffe durch raffinierte Manöver.
Los ging es
mit "Robin Hood": zunächst wurden die vier
Asse auf sehr visuelle Art produziert. Die Asse wurden sorgfältig
mit einem Gummiband verschnürt und in die Kartenschachtel gegeben,
die auf gleiche Art "eingepackt" wurde. Dann zog ein Zuschauer
drei Karten, die dann wieder ins Spiel gegeben wurden. Mit einem
improvisierten Bogen schoss Pit die drei Karten (bzw. "Pfeile")
nacheinander unsichtbar in die Kartenschachtel zu den vier Assen
(daher der Name des Kunststücks). Die drei Karten waren daraufhin
nicht mehr im Spiel, sondern wurden tatsächlich von den vier
Assen "eingefangen". Ein tolles Kartenkunststück,
das sich sehr gut für Stand-Up-Bedingungen eignet und eine
der technikärmsten mir bekannten "Collectors"-Varianten
darstellt. Für zusätzlichen Spaß sorgt die Einbeziehung
eines Zuschauers, der für die nötigen Hintergrundgeräusche
zuständig ist.
Weiter
ging es mit "Defekt", einer verrückten Effektfolge
unter Einbeziehung dreier Zuschauer, die jeweils eine Karte ziehen.
Unter Zuhilfenahme des "elektronischen Kartenspiels" steigt
zunächst die Karte des ersten Zuschauers "magisch"
aus dem Spiel. Die zweite Karte steigt ebenfalls aus dem Spiel,
aber es handelt sich um eine falsche Karte. Hier bestach Pit durch
sein ausgezeichnetes schauspielerisches Talent - wohl jeder im Raum
war der festen Überzeugung, dass tatsächlich etwas schiefgelaufen
war. Dem war allerdings nicht so: noch "magischer" als
zuvor verwandelte sich die falsche in die richtige, vom zweiten
Zuschauer gezogene Karte. Bei der dritten Karte schien das technische
Wunderwerk allerdings komplett zu versagen - nichts tat sich. Kein
Wunder - baumelte doch ein kleines Schildchen mit der Aufschrift
"DEFEKT" aus dem Spiel. Das Schildchen wurde herausgezogen,
und daran war eine wirklich defekte (verformte) Karte geknotet.
Um welche Karte es sich dabei handelte, dürfte der geneigte
Leser bereits ahnen... In diesem Kunststück verwirklicht Pit
(auf gewohnt unterhaltsame Weise) die Theorie von Juan Tamariz,
möglichst viele verschiedene Emotionen in einer Routine zu
vereinigen.
Das letzte Kunststück vor der Pause war "Feurio".
Unter unmöglichsten Bedingungen findet der Vorführende
zwei gezogene Karten. Dabei ist die Ausführung dieses Wunders
praktisch technikfrei. Kaum zu glauben, wenn man diesen Effekt gesehen
hat! Wirklich genial ist, wie Pit durch einen raffiniert ausgeklügelten
und dennoch mit Leichtigkeit präsentierten Vortrag die Zuschauer
gedanklich in eine Sackgasse führt, aus der es kein Entrinnen
gibt.
In
der Pause wechselten bereits die ersten Seminarhefte den Besitzer
(wer weiß, wie schnell die weg sind?...), und Pit stand geduldig
für alle Fragen zur Verfügung. Dann begann die zweite
Halbzeit.
Den Auftakt bildete "Triathlon", ein Kunststück,
das seinen Namen durchaus verdient, denn es gibt für den Vorführenden
dabei einiges zu memorisieren. Für mich war dieses Kunststück
eines der stärksten Kartenroutinen, die ich je gesehen habe.
Aber wiederum beruhte der Effekt nicht auf Fingerfertigkeit, sondern
auf einer gehörigen Portion Psychologie und eben einer Menge
"Gehirn-Jogging". Der Effekt hört sich unglaublich
an, und, glauben Sie mir, ebenso sieht er auch aus: der erste Zuschauer
merkt sich durch Abrauschen eine Karte (keine bekannte Peek-Methode!),
der zweite Zuschauer denkt (!) sich eine Karte, und der dritte Zuschauer
schließlich kennt seine Karte nicht einmal - er zieht hinter
seinem Rücken irgendeine Karte und setzt sich drauf, ohne sie
eines Blickes zu würdigen. Zwischendurch wird das Spiel von
den Zuschauern immer wieder gemischt. Zu diesem Zeitpunkt schüttelten
bereits alle Anwesenden (zumindest innerlich) mit dem Kopf, denn,
jetzt mal ehrlich: Wie soll man als Vorführender nach so viel
Fairness auch nur ansatzweise eine Chance haben? Pit Hartling hatte
eine - und er nutzte sie! Mit ungläubigem Staunen (und wahrscheinlich
offenem Mund) musste ich mit ansehen, wie dieser Mann mein Weltbild
ins Wanken brachte. So stark war dieser Effekt, dass ich es fast
bedaure, das Geheimnis zu kennen ...
Zum
Abschluss des fast zweistündigen Seminars zelebrierte Pit "Amor"
- das wahrscheinlich romantischste Kartenkunststück der
Welt ... Da sich unter den Seminarteilnehmern keine Dame befand,
erklärte sich die Tochter Robert Fislages freundlicherweise
bereit, an diesem Abschlusseffekt mitzuwirken. Und spätestens
jetzt offenbarte sich der Vorteil eines kleinen Publikums: man konnte
viel besser zusammenrücken, um in gemütlicher Atmosphäre
dieses letzte Kunststück zu genießen. Das Thema ist fürwahr
romantisch: Der Joker spielt die Rolle des "Amor", der
bekanntlich die Menschen zusammenbringt. Nach einem "romantischen"
Mischen wird die Hälfte des Spiels beiseite gelegt. Aus dem
Restspiel wird eine Karte gezogen, die durch die Kraft Amors ihre
"Partner-"(=Zwillings-)Karte findet. So geht es in stetiger
Steigerung weiter, bis schließlich der ganze Tisch voll von
"verliebten Pärchen" ist (O-Ton Pit Hartling: "Gruppenhex").
Pit Hartling
hat es geschafft, ein tolles und abwechslungsreiches Seminar zusammenzustellen,
auch wenn es sich bei den Kunststücken ausschließlich
um Kartenkunststücke handelte. Zudem ist Pit ein sehr sympathischer
Mensch, der nicht nur ein ausgezeichneter Seminarist ist, sondern
es auch versteht, durch seinen ausgeprägten Humor und seine
natürliche Art dafür zu sorgen, dass man sich gerne an
ihn und seine Kunststücke erinnert.
Frank
Ollermann
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