| Petrick
& Mia stammen aus der ehemaligen Tschechoslowakei und
haben sich in den späten 70ern in den USA niedergelassen. Obwohl
ich eigentlich gedacht (und gehofft) hatte, dass sowohl Petrick
als auch Mia zaubern würde, war leztendlich nur Petrick für
die Zauberei zuständig. Mia fungierte im Hintergrund als Assistentin,
die Petrick immer wieder in perfektem Timing Requisiten reichte
bzw. ihm wieder abnahm (und ihm manchmal sogar aus den Taschen holte!).
Ein tolles Team also!
Hier einige
Eindrücke von Kunststücken, die mir aus verschiedenen
Gründen im Gedächtnis geblieben sind. (Da ich mir nicht
durchgehend Notizen gemacht habe, erheben die folgenden Beschreibungen
keinen Anspruch auf Vollständigkeit.)
Rings
of Smoke
Drei Plastikringe ver- und entketten sich. Praktisch ein Dreier-Ringspiel,
nur dass statt Stahlringen drei flache Plastikringe zum Einsatz
kommen, die aussehen, als würden sie aus mehreren Segmenten
bestehen. Ich glaube nicht, dass viele Zuschauer hier getäuscht
werden. Wenn ich mir vorstelle, Petrick hätte das Kunststück
mit einem normalen Dreier-Ringspiel vorgeführt, dann wäre
es ein gar nicht so übler Trick gewesen. So aber hat er einen
Klassiker meiner Meinung nach "verschlimmbessert".
Ring
inside the Rose
Ein entliehener Fingerring erscheint in einer Plastikrose, die sich
in einer fest verklebten, durchsichten Plastikröhre befindet,
und diese wiederum steckt in einem verschlossenen Stoffschlauch.
Ein gutes Kunststück, weil der Zuschauer glaubt, der Ring befinde
sich noch auf einem Ringstativ, während es sich in Wirklichkeit
schon in der Rose befindet. Aber das ist ja in der althergebrachten
Version des Mehrfachkästchens ja auch schon so. Und so bleibt
es letztlich eigentlich nur eine Frage des Geschmacks, ob man lieber
Holzkästchen, Messing- oder Plastikdöschen oder glitterdurchsetzte
Stoffschläuche, glitterbeklebte Plastikröhren und Plastikrosen
verwendet.
Bewildering
Bracelets
Eine Ring-Seil-Routine mit zwei Armreifen. Im Prinzip ja keine schlechte
Idee, statt Stahlringen ohne jeglichen Alltagsbezug Armreifen zu
benutzen, aber wer bitteschön trägt heutzutage noch Armreifen
aus spiralförmig gedrehtem Plastikdraht? Ich wusste bis zu
diesem Seminar noch nicht einmal, dass es solche Dinger überhaupt
gibt! Aber gut, Geschmäcker sind nun einmal verschieden, und
schlecht war das Kunststück auf keinen Fall.
Houdini
Card Escape
Eine Karte wird gewählt und ins Spiel zurückgegeben. Das
Spiel wird in die Kartenschachtel zurückgesteckt, welches wiederum
geschlossen und mit zwei Gummibändern gesichert wird. Das Ganze
kann von allen Seiten gezeigt werden. Trotzdem zieht der Vorführende
scheinbar mühelos die Zuschauerkarte aus der verschlossenen
Schachtel. Ein toller visueller Effekt.
Mit dem gleichen Trickprinzip ist es auch möglich, eine Karte
in einer durchsichtigen Plastikbox erscheinen zu lassen. Aber auch
eine super saubere Variante der Ehrgeizigen Karte ist mit dieser
Idee möglich, bei der der Zuschauer alles alleine macht! Dieses
Trickprinzip ist vielleicht das beste, was man aus dem Seminar mit
nach Hause nehmen konnte. Mit ein wenig Geschick kann man sich das
Gimmick vielleicht sogar selbst herstellen. Aber für wenig
Geld gab es das Hilfsmittel auch zu kaufen.
Ring
on the Rope und Knotted Card
Zuerst dachte ich, Petrick würde sich selbst ein bisschen auf
die Schippe nehmen, als er sagte, er hätte hier ein "ganz
normales Seil". Erst einige Sekunden später merkte ich,
dass es das wirklich ernst meinte! Dabei handelte es sich um ein
farbiges Seil, das in Abständen von ca. 5 cm scheinbar von
breiten goldenen Klebestreifen umwickelt war. Das war so ziemlich
das am präpariertesten aussehende Seil, das ich in meinen Leben
jemals gesehen habe! Dass sich mit diesem Seil Fingerringe und Karten
aus einer Tüte fischen lassen, dürfte selbst arglose Zuschauer
nicht unbedingt vom Hocker reißen. Schade für den an
sich guten Trick; hier hätte ein wirklich normal aussehendes
Baumwollseil besser gepasst.
Lethal
Teeth
Dieses Kunststück gehörte aus meiner Sicht zu den besten
des Seminars. Ein Zuschauer wählt eine Karte, die in eine Tüte
gegeben wird. Ein kleines Kunststoffgebiss soll nun in bester Kartenseil-Manier
die Zuschauerkarte finden. Scheinbar jedoch schlägt dieser
Versuch fehl. Der Zuschauer wird gebeten, das Spiel nach seiner
Karte zu durchsuchen. Er findet seine Karte — aus der eine
Ecke herausgebissen wurde! Öffnet der Vorführende nun
das Gebiss, fällt die abgebissene Ecke heraus - ein herrlich
trockener Gag! Unnötig zu erwähnen, dass die Ecke genau
passt!
PM Magic
Reel
Mit diesem Ringzieher sind eine Menge visueller Kunststücke
möglich. Dank des Arretiermechanismus und der schlauen Verschlusstechnik
ist die Handhabung besonders komfortabel. Nicht billig, aber für
den Profi sicher sein Geld wert. Ein schöner Effekt, den Petrick
zeigte, war "Visible Ribbon Fusion".
Mehrere kürzere Stoffstreifen verbinden sich zu einem langen
Stoffstreifen. Es blieb zwar die Frage im Raum stehen, warum man
mehrere Stoffstreifen miteinander verbinden sollte, aber vielleicht
findet der eine oder andere ja eine Motivation für diesen Effekt
(Gefängnisausbruch? Abschleppseil?).
Straw
through Card
Der Titel sagt es: Ein Trinkhalm wird durch eine Karte geschoben.
Besonders täuschend hierbei: Der Zuschauer hat die freie Wahl,
bei welcher Karte im Spiel er abheben möchte. Mit dieser Karte
wird der Effekt vorgeführt. Außerdem sieht man beim Blick
in den Trinkhalm nicht etwa durch die Karte hindurch, sondern man
erkennt das Rückenmuster der Karte. Der Trinkhalm scheint also
tatsächlich durch die Karte zu schmelzen.
PM
Magic Coins
Die Tricks, die Petrick mit diesen Requisiten zeigte, hinterließen
bei mir einen zweispältigen Eindruck. Auf der einen Seite sind
mit diesen "Münzen" sehr schöne Effekte möglich,
auf der anderen Seite sehen diese runden Plastikscheiben nicht gerade
aus wie Münzen, sondern eben wie Plastik- oder Pappscheiben,
die mit glänzender Folie beklebt wurden. Schlimmer noch: Sie
klingen nicht im entferntesten wie Münzen. In Verbindung mit
einem Plastikkelch, wie Petrick ihn benutzte, klingt das Ganze dann
doch eher nach einem dezenten Klappern oder Scheppern, nicht aber
nach einem Klimpern. Hier wird ein wichtiger akustischer Effekt
leichtfertig verschenkt. Mit echten Münzen und einem echten
Glas vorgeführt, würde solch ein Effekt deutlich besser
"rüberkommen".
The
Buzz Saw Card
Eine Karte wird senkrecht durch ein Kartenspiel geschoben. Die Karte
wird also nicht zwischen den Karten hindurch geschoben, sondern
durchdringt scheinbar jede einzelne Karte des Spiels. Das sieht
schon irre aus. Die Zuschauer dürfen die Karten sogar anfassen
und feststellen, dass sich keine Schlitze oder sonstige Öffnungen
darin befinden.
Card
through Card
Eine Spielkarte durchdringt eine andere Spielkarte. Geschickt wechselt
Petrick bei dieser Routine immer wieder die Methode, so dass er
teilweise sogar die Karten aus der Hand geben kann.
Mein Fazit:
Insgesamt war es ein gutes Seminar, und der Weg nach Oelde hat sich
auf jeden Fall gelohnt. Petrick zeigte eine solide Leistung als
Vorführender, wenngleich er in Sachen Attraktivität und
Anmut von seiner Partnerin "etwas" in den Schatten gestellt
wurde.
Etwas
befremdlich bleibt aber die Wahl der Requisiten. Der ausufernde
Gebrauch von Glitzer und Plastik passt einfach nicht in eine moderne
Zauberdarbietung. Münzen sind eben aus Metall und nicht aus
Plastik oder Pappe. Gläser sind aus Glas, und nicht aus Plastik,
und ein Ringspiel mit klingenden Stahlringen kommt einfach besser
rüber als eines mit Plastikringen. Hier gibt es noch eindeutigen
Verbesserungsbedarf. Aber so eine Seminarkritik kommt ohne Meckern
eben nicht aus …
Bis zum nächsten
Mal!
Frank
Ollermann |