| 18°C,
kein Wölkchen am Himmel und Robert (Fislage) staunte nicht
schlecht, dass sich doch noch so viele Zauberfreunde lieber in sein
kleines Theater setzten als in einen Biergarten. Zum einen liegt
es sicher an der Gastlichkeit und der wirklich netten Atmosphäre
im Hause Stolina. Ich befürchte aber trotzdem, dass der Name
"Martin Lewis" den stärkeren Anteil an der Ursache
der Pilgerfahrten hatte. Und er zeigte auch warum.
Ein blendend
aufgelegter Martin Lewis betrat die Bühne und begann sofort
damit, ein Seidenpapier zu zerreißen und
zu zerknüllen. Als er das Seidenpapier wieder ausrollte, um
es restauriert zu zeigen, passierte es: Eine Kugel Seidenpapier
des gleichen Typs fiel zu Boden und rollte die Bühne entlang.
Augenzwinkern und süffisanter Applaus waren das Ergebnis, bis … – bis
er die Kugel aufhob und ebenfalls heil und unversehrt zu einem Blatt
ausrollte. Nun folgte echter Applaus. Er steigert dieses Spielchen
noch, indem er seinen (echten) Zuschauern den Trick erklärt
und dafür dann zur besseren Übersicht Seidenpapier in
zwei verschiedenen Farben benutzt. Natürlich weiß der
"Ottonormalzuschauer" am Ende wieder nicht, wie es geht.
Wie er selbst sagte: Eine schöne Eröffnung und alles nur
aus einer (Jackett-)Tasche. Two Color Torn Paper
hat sein Vater bereits 1937 gezeigt und wurde nur wenig weiter entwickelt.
Natürlich ist das kein neuer Trick, aber mit dem entsprechenden
Vortrag à la Lewis allemal sehenswert.
Weiter ging
es mit Crystal Gazing. Der Wert einer (man glaubt
es nicht, wenn man nicht da war) wirklich frei gewählte Karte
aus einem Jumbospiel erscheint einem nicht eingeweihten Zuschauer.
Hierzu bedeckt Martin seine Hand mit einem kleinen weißen
Seidentuch und legt darauf eine kinderfaustgroße Kristallkugel
mit flachem Boden. Dem Zuschauer erscheint allein aus der Gedankenkraft
des Magiers auf unerklärliche Weise der Index der gesuchten
Karte. Als Martin das Geheimnis preisgab, lag eine Mischung aus
fassungslosem Lachen und Staunen in der Luft.
Er
blieb gleich beim Thema Karten und präsentierte Jumbo
Halve-It. Sieben Riesenkarten von As bis Sieben. Ein Zuschauer
erwürfelt die gewünschte Karte, und diese wird aus dem
Spiel entfernt. Anschließend forciert Martin mit Hilfe von
vier kleinen Karten die Farbe der Karte, in unserem Falle Kreuz.
Dann wird der Zuschauer, der bereits mit dem Würfel die Karte
ermittelt hatte, gebeten, den Wert der Karte zu erwürfeln.
Hierzu soll er das oben und unten liegende Ergebnis des Würfels
addieren und durch zwei teilen. Heraus kam also eine Kreuz 3 ½,
welche Martin dann auch als die entnommene Karte des Spiels präsentierte.
Hierzu gab es auch sofort die Erklärung, wie man diese Riesenkarten
sehr leicht selbst herstellen kann.
Es folgte der
"Eierbeutel nach Lewis' Art". Seiner
ist anders präpariert als das alther bekannte Original. Das
auffälligste Merkmal ist, dass er innen und außen gleich
aussieht. Ein klassisches Schottenmuster macht die Präparation,
die auch etwas woanders sitzt, nahezu unsichtbar. Auch hierzu hatte
er einen schönen Abschluss, als er sich eine Armbanduhr auslieh
und diese in den Beutel gab. Leider fiel sie unten heraus und wurde
von ihm schnell an den hinteren Rand der Bühne gekickt. Nur
um der Chronistenpflicht gerecht zu werden, sei erwähnt, dass
der Zauberkollege seine Uhr unversehrt zurück erhalten hat.
Bevor
es zur großen Pause läutete, gab es noch die Vorführung
von Harbin's Card in Bottle. Eine nette Routine,
in der eine (forcierte) Karte in einer kleinen Schnapsflasche, die
in zwei verschlossenen Zigarrenkisten liegt, wieder auftaucht. Liest
sich vielleicht im ersten Moment nicht so spektakulär, aber
mit dem passenden Vortrag … – ich wiederhole
mich.
Pause
Der zweite
Teil des Seminars sollte sich, so erklärte Lewis, mit Close-Up
beschäftigen und fing mit einer weiteren Bühnenillusion
an. Bevor es richtig losging, bedankte er sich bei der Familie Fislage
für den besten Kaffee, den er je getrunken habe, wobei er ins
Stolpern geriet und um ein Haar die Kaffeetasse in der ersten Sitzreihe
gelandet wäre – ein netter Gag am Rande.
Er zeigte und
erklärte Cardiographic, den Kartensteiger
einer gezeichneten Karte. Dies ist wohl die Illusion, an die alle
denken, wenn sein Name genannt wird. Er hatte das Trickgeheimnis
bereits mehrfach veröffentlicht, trotzdem nahm kein anderer
Zauber diesen Trick in sein Programm auf, bis er 1996 von Copperfield
aufgeführt wurde. Danach natürlich …
Nun nahm er
Platz und führte eine "Zwei in der Hand, einen in die
Tasche" Nummer mit Würfeln und einem Würfelbecher
vor, die durch sein Dice Finale eine nette Klimax
zum Abschluss erhielt. Der leer vermutete Becher war randvoll mit
Miniwürfeln gefüllt, die sich beim Ausschütten des
Bechers alle auf der Mikromatte verteilten. Wie er selbst bemerkte,
fast ein Becherspieleffekt.
Beim
Magician's Poker mit 25 Karten teilte er sich immer
wieder einen Royal Flush zu. Augenzwinkernd sagte er, er selber
spiele niemals Karten. Wenn er gewinnen würde, sagten ja alle,
er hätte manipuliert. Würde er jedoch verlieren, bekäme
er gesagt, er wäre ein schlechter Zauberer. Ich glaub', da
ist was dran.
Danach präsentierte
Lewis seinen Ghostwriter. Er malt mit einem Kugelschreiber
einen Kreis auf eine Serviette und lässt einen Zuschauer in
der Zwischenzeit aus fünf Karten, die er beiläufig vom
Kartenstapel nahm, eine Karte wählen. Den Namen der Karte sollte
der Zuschauer nun durch weiteres Abziehen der Karten vom Stapel
buchstabieren, z.B. N-E-U-N = vier Karten. Die nächste Karte
wurde nun vom Stapel genommen, ohne dass jemand sehen konnte, um
welche es sich handelt. Die Serviette wird um den Kugelschreiber
herumgefaltet und dem Zuschauer in die Hand gegeben. Dieser soll
magische, kreisende Bewegungen über der Karte machen. Auf magische
Weise sei nun der Wert der Karte in den Kreis geschrieben worden,
was sich beim Öffnen der Serviette bewahrheitet. Nettes Gimmick!
Gut
versichert ging es zu in Re-Covered. Eine frei
gewählte und anschließend vom Zuschauer signierte Karte
wird in einen Briefumschlag gegeben und dieser sichtbar zugeklebt.
Ein weiterer Zuschauer signiert einen Umschlag, der aus einer Plastikfolie
gezogen wird. Es stellt sich heraus, dass Zuschauer Nr. 2 eine Versicherungspolice
gegen verlorengegangene Karten unterzeichnet hat. Diese ist genau
so "löcherig" wie die Policen der großen Versicherer.
Es sind auf der Police Karten des Spiels abgebildet, nur bei der
gezogenen ist ein Umschlag, diesen beiseite geschoben erscheint
ein Loch. Um es ganz kurz zu machen: Im Umschlag (der in der
Police war, die gefaltet in der Plastikfolie eingewickelt war, die
aus der Innentasche des Jacketts kam … puh) war
die signierte Karte von Zuschauer Nr. 1.
Kurz vor "Toreschluss"
zeigte er den Sidewalk Shuffle, eine Kümmelblättchen
-(Monte-)Routine mit Assen und Blankokarten.
Zum
Abschluss präsentierte er mit den McAbee Rings eine
kleine Version der Linking Rings (oder auch bekannt als Chinese
Rings oder auch nur Ringspiel) mit 3 gewellten Ringen (Damenarmreifen)
und je einem Zuschauer an seinen Seiten. Er holte sie (die Ringe,
nicht die Zuschauer!) aus einer sehr schönen kleinen Holzkiste
hervor. Des weiteren war in diesem Kistchen (wirklich ein sehr schönes
Kistchen!) noch eine Spieluhr, die mit "My Way" seine
Manipulationen mit den Ringen gefühlvoll, atmosphärisch
unterstützte. Er beendete die Darbietung, in dem er die Ringe
von den beiden Zuschauern untersuchen ließ und wieder in das
Holzkistchen (hatte ich schon bemerkt, dass es ein sehr schö…)
und sagte: Die Magie lag nicht in den Ringen, sondern einzig und
allein in der Musik. Dabei hob er das Kistchen am Deckel an (Deckel,
Rahmen und Boden wurden von Scharnieren aneinandergehalten), und
man sah ein leeres, zerlegtes Holzkistchen. Es mag dem geneigten
Leser vielleicht nicht ganz entgangen sein, dass mir das Holzkistchen
gut gefiel. Als ich ihn nach der Vorstellung danach fragte, erklärte
er mir, dass es sein Hobby sei, so etwas herzustellen (das Wort
"basteln" wäre hier unangebracht!) und dass es sich
um ein Einzelstück handle.
Die Beschreibung
der gezeigten Tricks und des Seminarablaufes sind leider sehr viel
nüchterner, als es wirklich war. Allein die fröhliche
Präsenz des Martin Lewis lässt sich eben nicht schwarz
auf weiß darstellen. Anschließende Gespräche mit
anwesenden Zauberkollegen zeigten mir, dass diese ebensoviel Spaß
hatten wie ich und mit dem Seminar sehr zufrieden waren. Ich habe
jedenfalls nirgendwo Sehnsüchte nach einem Biergarten vernommen …
Bis denne mal
sacht
Zauber Minze

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