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Die Bude war
rappelvoll am Abend des 20. November 2000. Dirk Losander
hatte sich angekündigt, der Spezialist für Schwebeeffekte
aller Art. Vor dem Seminar plauderte er noch eine halbe Stunde lang
in unserem Chat. Dann, um 19.00 Uhr ging es los. Das Seminar befasste
sich (fast) ausschließlich mit Schwebeeffekten, den stärksten
überhaupt möglichen Effekten in der Zauberkunst. Ich wollte
schon lange einmal einen Schwebeeffekt in mein Programm einbauen,
war aber bisher noch nicht dazu gekommen. Hatte ich mich vielleicht
nicht getraut, einen solchen Effekt vorzuführen? Passte ein
Schwebeeffekt überhaupt zu mir und meinem Programm? Nach diesem
Seminar - das kann ich hier schon verraten - war mir klar, woran
es lag: Ich hatte einfach noch keine gute Anleitung gehabt. Doch
mit diesem Seminar hatten die Ausreden ein Ende - gleich am nächsten
Tag machte ich mich über meine Zombie-Kugel her! Doch der Reihe
nach:
Als
Eröffnung wählte Dirk Losander "Die magnetisierte
Banknote", einen Stegreif-Effekt mit einem geliehenen Geldschein.
Ein Geldschein wird statisch aufgeladen und "klebt" an
der Handfläche. Als Höhepunkt dieses kurzen Spuks wird
der Geldschein sogar von der Handfläche angezogen und schwebt
zu ihr hoch! Zum Schluss kann der Zuschauer den Geldschein selbst
von der Handfläche des Vorführenden nehmen. Eine verblüffende
kleine Routine, bei der sich wahrscheinlich schon so mancher Zuschauer
am nächten Tag gefragt hat, ob er sich alles nur eingebildet
hat. Interessant ist auch Losanders Ansatz, den Zuschauer durch
die Geschichte mit der statischen Aufladung auf eine falsche Fährte
zu locken.
Es folgte
"Der schwebende Geldschein". Eine geliehene Banknote
fängt plötzlich an, zwischen den Händen zu schweben.
Ganz in Zombie-Manier scheint der Schein dem Vorführenden sogar
davonfliegen zu wollen. Wenn man entsprechend gerüstet ist
und irgendwann einmal gefragt wird, ob man "nicht mal schnell
etwas zaubern" könne, gibt es wohl kaum ein Kunststück,
mit dem man seine "magischen" Fähigkeiten eindrucksvoller
unter Beweis stellen kann.
Der
schwebende Papierball war der nächste Effekt im Programm.
Ein aufblasbarer Papierball springt in die Hand des Zauberkünstlers,
und schwebt zum Schluss scheinbar frei im Raum. Der Vorteil dieser
Routine ist, dass er ständig vorführbereit ist und ständig
in der Tasche getragen werden kann. So ist man immer für eine
kleine Schweberoutine gerüstet.
Als einzigen
Nicht-Schwebe-Effekt führte Drik Losander nun ein Kunststück
vor, das Laien mit Sicherheit lange im Gedächtnis bleiben dürfte,
wenn sie es einmal sehen. Eine Gabel wird auf den Fußboden
gelegt. Mit gespreizten Fingern macht der Vorführende beschwörende
Gesten über der Gabel, bis diese plötzlich beginnt, sich
langsam zu drehen. Ein irrer psychokinetischer Effekt, bei
dem kaum die Gefahr besteht, dass ein Zuschauer hinter das Geheimnis
kommt. Bonus: In dem Moment, da die Gabel sich nicht mehr bewegt,
ist man automatisch "sauber", und die Gabel kann aufs
Gründlichste untersucht werden.
Immer
wieder gab Dirk Losander wertvolle Tipps für die Arbeit
mit Fäden, worauf man beim Hintergrund und beim Licht achten
muss, wann man Fäden besser nicht einsetzen sollte und was
man gegen Verlust und Reißen von Fäden tun sollte.
Nun kam
ein Klassiker, der wahrscheinlich schon lange im Schrank von so
manchem Zauberfreund vor sich hin schlummert: der tanzende Stock.
Das Besondere an Losanders Ausführung ist die Art und Weise,
wie das gewisse Etwas befestigt und aufgenommen wird. Eine Lösung,
die es ermöglicht, den tanzenden Stock auch auf Messen oder
unter ähnlichen Bedingungen vorzuführen, ohne dass man
sich Gedanken über die Präparation machen muss. Einfach
den Stock nehmen und loslegen! Eine nette Anekdote aus Dirk Losanders
Vorführpraxis machte übrigens deutlich, wie wenig Sorgen
man sich manchmal machen muss: Ein Messebesucher hatte ihn den tanzenden
Stock 200mal (!) vorführen sehen und war bis zum Schluss davon
ausgegangen, dass der Effekt durch den Einsatz eines im Boden eingelassenen
Elektromagneten zustande kam ...
Dass man
diesen Effekt nicht nur mit einem Stock zeigen kann, bewies Dirk
Losander nun mit der tanzenden Kerze - gleiches Prinzip,
andere Wirkung; nicht nur schöner anzusehen, sondern vor allem
auch psychologisch viel täuschender.
In
der Pause stärkten sich die Anwesenden mit Kaffee und
Gebäck, wie man es von den guten Gastgebern aus der Hans-Böckler-Straße
ja mittlerweile gewohnt ist. Hier hatte man Gelegenheit, sich über
das soeben Gesehene zu unterhalten, und man war sich einig, dass
man es hier eindeutig mit einem Experten auf seinem Gebiet zu tun
hat, der weiß, wovon er redet und worauf es ankommt.
Als ersten Effekt
nach der Pause führte Dirk Losander die altbekannte Zombie-Kugel
vor. Nun ja, so altbekannt nun auch wieder nicht. Die Verbesserung
des Gimmicks nämlich macht das Schweben so echt und täuschend,
dass man schon fast von einem neuen Trickprinzip sprechen kann.
Klar, um ein überzeugendes Schweben zu erreichen, muss man
schon gründlich üben und choreographieren; aber meine
Angst, diesen Effekt vorzuführen, war mir endlich genommen!
Bei den
nächsten Effekten kam mit der Verwendung von Seifenblasen zum
ohnehin schon magischen Effekt des Schwebens noch der Aspekt der
Vergänglichkeit hinzu, was auf der "Bauchebene" noch
sehr viel direkter und stärker anspricht. Man kann sich der
Wirkung dieser kleinen Wunder einfach nicht entziehen - nicht einmal,
wenn man weiß, "wie's geht". Zunächst ließ
Dirk Losander Seifenblasen über seiner Hand schweben. Dann
führte er eine Zombie-Schwebe mit einer Seifenblase
(!) vor. (Auf diese Idee muss man erst einmal kommen!) Und als wäre
das nicht schon erstaunlich genug, ließ er schließlich
noch eine Okito-Schwebe
mit einer Seifenblase folgen! Die Seifenblase schwebt vom Zauberkünstler
weg und wieder auf ihn zu, durch einen Ring und wieder zurück
- ein unglaublicher Anblick! Künstler mit einer poetischen
Ader kamen hier voll auf ihre Kosten. Zudem gab er wichtige Tipps
zum Umgang mit Seifenblasen, vor allem zum Thema Zugluft. Was passieren
kann, wenn man keine optimalen Bedingungen hat, zeigte eine weitere
kleine Anekdote aus Japan, wo man für Dirk Losander bei aller
Höflichkeit offensichtlich nicht in der Lage war, pünktlich
zur Show die Klimaanlage auszuschalten ... Dennoch ist Dirk Losander
offensichtlich Optimist geblieben. Wie sonst soll man es erklären,
dass er bei der Besprechung dieser beiden Effekte davon sprach,
ihm sei die Seifenblase zu Anfang "ein bisschen geplatzt"???
Den krönenden
Abschluss bildete das Kunststück, für das Dirk Losander
wohl am bekanntesten sein dürfte: "Der schwebende Tisch".
Eine Routine, die bis ins letzte Detail ausgefeilt wurde und die
an Wirkung nichts zu wünschen übrig lässt. Aus verständlichen
kommerziellen Gründen folgte allerdings keine Erklärung
dieses Effektes.
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