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So,
das ist also der Schlawiner, der schöne Blonde aus dem Norden,
der Highlander - dachte ich so bei mir. Man kann Helge Thun viele
Namen geben, und irgendwie passen diese auch sehr gut zu ihm. Doch
jetzt mal im Ernst: Meiner Meinung nach ist er einer der besten
und unterhaltsamsten deutschen Zauberkünstler. Bisher kannte
ich Helge Thun nur vom Lesen verschiedener Veranstaltungsberichte
oder von seinen Routinen bzw. Beiträgen aus der Fachliteratur.
(Hier sind "Das Buch" der Fertigen Finger und die MAGIE-Ausgaben
10/98 und 1/99 besonders zu erwähnen.)
Um sich gleich von Anfang an ein besseres Bild über die Teilnehmer
machen zu können, erkundigte sich Helge während seiner
Begrüßung nach den Bereichen wie Bühne, Stand-Up,
Close-Up oder Kinderzauberei. Die erste Routine des Seminars, die
er vorführte und genau erklärte, war eine Becherspielroutine,
in der ein Chop-Cup verwendet wird. Damit wollte er denjenigen Mut
machen, die sich bisher noch nicht an dieses anspruchsvolle Kunststück
herangewagt hatten. Durch den Einsatz eines Chop-Cups lassen sich
aber so klare, starke Effekte erzielen, die sonst nur annähernd
mit schwieriger Grifftechnik möglich wären. Während
seiner Vorführung kam auch indirekt das bekannte D'Light
kurz zum Einsatz. (Nur so, um mal zu zeigen, was man mit etwas Witz
daraus machen kann, ohne nur imaginäre Glühwürmchen
aus der Luft zu fangen.) Sehr gut waren auch seine Tipps zu den
Schlussladungen, mit denen er vielen Teilnehmern die Angst davor
nahm.
Beim Thema "Karten" zeigte Helge anschließend als
erstes seine Instant Camera Card. Diese Routine ist ein Paradebeispiel
für perfekte und professionelle Routinenplanung. Hier konnte man
viel über gute Time-Misdirection lernen - besonders bei der
Kontrolle einer "vom Zuschauer gewählten" Karte.
Im Anschluss sahen wir Helges Rollmops. Nein, nein! Das ist
eines seiner bekanntesten und stärksten Kartenkunststücke,
bei dem ein Geldschein zum Einsatz kommt. Und da wir Zauberkünstler
ja gerne Kunststücke mit meistens von Zuschauern geliehenen
Geldscheinen vorführen, gab Helge uns zu diesem Thema eine
ganze Reihe wirklich guter und praktischer Ratschläge aus seiner
Erfahrung. (Wie kann ich mir den "100-Dollar-Bill-Switch"
vereinfachen? Wie funktioniert gutes Miscalling bei Geldscheinnummern?
Welche guten Gags gibt es für Geldscheinnummern? Was mache
ich, wenn mir tatsächlich mal ein Zuschauer einen 1000-Mark-Schein
gibt?)
Da die Zeit bis jetzt viel zu schnell verging, konnte Helge leider
nicht auf eines seiner Hauptanliegen eingehen: den Vortrag.
(Wer die Möglichkeit hat, sollte unbedingt seinen Beitrag "Texter
texten Texte" in der MAGIE 10/98 ausführlich
studieren.) Auch über seine Erfahrungen und Gedanken, wie man
mit dem "schwierigen" Zuschauer ungehen sollte, konnte
er aus Zeitmangel nicht näher sprechen. (Dazu gibt es seinen
empfehlenswerten Aufsatz "Status und Improvisation"
im o.g. Fertigen-Finger-Buch.)
Bei
allem, was Helge vorführte, was er erklärte, worüber
er sprach, erkannte man, dass die Persönlichkeit des Vorführenden,
seine Kreativität, seine Sprache und sein Witz einen sehr hohen
Stellenwert besitzen. Das konnte man bei der folgenden Close-Up-Routine
"Trickfilm" - mit genialen Wortspielen - genauso
erkennen, wie bei seinen Ideen zur Kreidekelle, die einfach
gesagt neu aber klasse waren. Für mich persönlich war
es die Krönung, als Helge uns zum Schluss drei Nummern seines
Repertoirs vorführte, sozusagen für uns zauberte, wie
er es für sein Publikum tut.
Im Stile
der Comedian Harmonists sang Helge zur Musik von "Isabella
von Kastillien" und zeigte uns seine wirklich witzige Würfelkasten-Routine.
Man muss das gesehen und gehört haben, um zu begreifen, was
er unter guter Unterhaltung versteht. Wäre ich dabei nicht
schon vor Lachen vom Stuhl geknallt, dann spätestens bei der
folgenden Nummer. Helge als "Kinderzauberer", der mit
dem Becherspiel
einen Sexualkunde-Unterricht der ganz besonderen Art vorführte.
Und ganz zum Schluss trat Helge noch als "Dänischer Butterfahrt-Zauberer"
mit dem Pom-Pom-Stab für uns auf. Danach ging im wahrsten
Sinne des Wortes wirklich nichts mehr! Eines der meiner Meinung
nach besten Seminare, die ich gesehen habe, war vorbei. Mit einem,
und jetzt wiederhole ich mich gerne aus Überzeugung, der unterhaltsamsten
und kreativsten deutschen Zauberkünstler - mit Helge Thun.
Matthias
Kottucz
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