| Sieben
Jahre ist es her, dass Daryl das letzte Mal
in Oelde zu Besuch war. In der Zwischenzeit ist der Meister
gereift – nicht so sehr äußerlich, sondern vielmehr innerlich.
Nachdem er auf seiner »Millennium World Tour« 1999 und
2000 sage und schreibe 250 Städte besucht hatte, waren es sieben
Jahre später nur noch eine Handvoll. Es mag damit zu tun haben,
dass vor gut vier Jahren seine Tochter geboren wurde und Daryl mit
seiner Familie aus dem lauten Las Vegas in das vergleichsweise beschauliche
Auburn in den Bergen Kaliforniens zog. Er kann es sich leisten,
nur noch dort aufzutreten, wo es ihm Spaß macht. Und in Oelde, einem
der wenigen ausgewählten Stationen seiner Mini-Tour, scheint ihm
das Zaubern Spaß zu machen – gleich zwei Termine musste Robert
Fislage aufgrund der hohen Nachfrage anbieten. Und das Publikum
wurde nicht enttäuscht: In seiner unvergleichlich quirligen Art
präsentierte und erklärte der Meister seine praxiserprobten und
publikumswirksamen Kunststücke.
Happy Birthday Card
Der Vorführende lässt eine Karte ziehen und wieder zurückgeben. Das Spiel wird dann noch gemischt, und trotzdem findet der Vorführende die Karte wieder – indem er »Happy Birthday« singt. Sie haben richtig gelesen: Für jeden Taktschlag diese Liedes teilt der Vorführende eine Karte auf den Tisch. Die letzte ist tatsächlich die des Zuschauers.
Pyro-Maniact
Eine nahezu aus dem Stegreif vorführbare Version des verbrannten
und wiederhergestellten Taschentuches – in kürzeser Zeit vorbereitet
und von starker Wirkung.
Rising Card from Envelope
Eine Karte wird gewählt und ins Spiel zurückgegeben. Dann wird es
in einem Briefumschlag verschlossen, das dann oberhalb der Karten
durchgerissen wird, so dass eine Tasche entsteht. Nun wird ein Bleistift
durch den Umschlag gesteckt, so dass er links und rechts aus dem
Umschlag hervorsteht. Der Umschlag mit den Karten baumelt an dem
Bleistift. Der Vorführende versetzt die Karten un in eine leichte
Schaukelbewegung, und langsam steigt eine Karte aus dem Kartenspiel
– die gewählte. Eine schöne Stegreif-Version des Kartensteigers,
zu der Daryl noch eine wunderbare Idee lieferte, mit der man drei
Karten nacheinander aus dem Kartenspiel steigen lassen kann.
Card in the Envelope
Eine vom Zuschauer bestimmte Karte verschwindet aus dem Kartenspiel
und erscheint in einem leeren Umschlag, auf dem der Zuschauer die
ganze Zeit über gesessen hat. Sauberer kann man einen solchen Effekt
kaum vorführen. Zwei geniale Gimmicks erledigen den Großteil der
Arbeit. Beide können auch in vielen anderen Routinen wertvolle Dienste
leisten. Eine davon ist »Shattered«, ein Kartenkunststück,
das Darly bereits vor einigen Jahren auf den Markt brachte und das
durch das geniale Gimmick von Lubor Fiedler noch sauberer und überzeugender
vorgeführt werden kann.
Mystery
of the Travelling Marbles
Mein Lieblingskunststück des ganzen Seminars, das in wenigen Worten
erzählt ist: Mehrere kleine Gegenstände wandern unter zwei Servietten
hin und her. Diese Einfachheit des Effekts ist seine Stärke. Die
Methode ist recht schnell gemeistert, die Routine ist kurz und bündig,
völlig aus dem Stegreif und mit unterschiedlichsten Gegenständen
vorführbar.
Two Cards in the Eyeglasses
Zwei Zuschauer wählen jeweils eine Karte. Der Vorführende »verbindet« sich die Augen, indem er sich die zwei Joker hinter die Brillengläser steckt. Nun produziert er effektvoll zwei Karten, die sich allerdings als die zwei Joker herausstellen. Moment mal – sollten die nicht hinter den Brillengläser stecken? Dreimal dürfen Sie raten, welche beiden Karten sich dort befinden … Hier gefiel mir vor allem die überzeugende Mehrfachkontrolle, mit der man auch drei, vier oder noch viel mehr Karten wählen und effektvoll präsentieren kann.
Ring, Rope, Wand
Ein Fingerring wird auf ein Seil gefädelt, deren beiden Enden sodann
von zwei assistierenden Zuschauern gehalten werden. Mit den noch
freien Händen halten die Zuschauer dann noch die Enden eines massiven
Stabes fest. Trotz dieser unmöglichen Bedingungen durchdringt der
Fingerring sowohl Seil als auch Ring und ist schließlich auf dem
Stab aufgefädelt. Mit ein bisschen Kreativität lassen sich viele
Gelegenheiten finden, diesen eindrucksvollen Effekt vorzuführen,
auch wenn man nicht gerade seinen Zauberstab und sein Zauberseil
dabei hat.
Group
Session
Ein Effekt ähnlich dem Mental-Klassiker »Tossed Out Deck«,
dafür aber weniger heikel in der Vorführung. Mehrere Zuschauer merken
sich aus dem Kartenband jeweils eine Karte. Der Vorführende bittet
die assistierenden Zuschauer, sich zu erheben. Er liest nun die
Gedanken der Zuschauer und nimmt eine entsprechende Anzahl Karten
aus dem Spiel. Er liest nun die Kartenwerte vor und bittet die Zuschauer,
sich hinzusetzen, wenn die eigene gemerkte Karte dabei ist. Natürlich
hat der Vorführende alle Karten richtig ermittelt, und alle Zuschauer
sitzen wieder auf ihren Plätzen.
Double Crossed
Drei frei gewählte Karten wandern von einem Kartenpäckchen in ein
anderes, obwohl beide Kartenpäckchen von einem Zuschauer gehalten
werden. Eine äußerst raffinierte Methode und ein starker Effekt,
der auch auf einer größeren Bühne eine starke Wirkung entfaltet.
3 Fly III
Ein wunderschöner und eleganter Effekt mit drei großen Silbermünzen,
die auf sehr visuelle Weise zwischen den Händen des Vorführenden
hin und her wandern. Keine Gimmicks, natürliche und logische Bewegungsabläufe:
Man merkt der Routine an, dass Daryl sie über Jahre – wenn
nicht Jahrzehnte – perfektioniert hat.
Daryl's Amazing Acrobatic Knot
Früher unter dem Namen »Jumping Knot of Pakistan« bekannt:
Ein Knoten wandert von einem weißen auf ein rotes Seil (und ist
dort wohlgemerkt immer noch weiß!). Dieser Knoten wird vom Seil
abgenommen und wieder ans Seil gezaubert, auf dem Seil hin und her
geschoben. Schließlich löst sich der weiße Knoten auf, und man sieht,
dass dieser nicht etwa nur auf das rote Seil gesteckt war: Das rote
Seil ist über einen Bereich von ca. 10 Zentimetern tatsächlich weiß.
Mit
diesem Lieblingseffekt von Daryl ging ein gut zweistündiges Seminar
zu Ende – zwei Mal an diesem Tag, wie gesagt. Ein Seminar,
das wieder einmal unter Beweis stellt, was für ein Vollblutprofi
Daryl ist. Auch sieben Jahre nach seinem letzten Besuch in Oelde
hat er nichts von seinem Esprit verloren. Er hat sein Leben lang
von der Zauberei gelebt. Das schafft man nur mit der nötigen Begeisterung.
Und diese Begeisterung war an diesem Tag spürbar!
Frank Ollermann
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