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Da stand er
auf der Bühne und bereitete gewissenhaft seine Effekte vor:
Danny Archer, ein kleiner Mann in den besten Jahren und voller
Energie. Mit seinem Seminar war er zum ersten Mal in Deutschland,
und Oelde war seine fünfte Station auf dieser Tour. Bei dem
dargebotenen Material handelt es sich sozusagen um ein "Best
of" aus seinen bedien Seminaren "Working Alone" und
"Still Working Alone".
Mit "Balls"
zeigte Danny zu Beginn eine flotte Routine, in der sich ein kleiner
Ball mehrmals verschwindet, erscheint, sich färbt und verwandelt.
Sicherlich keine Routine, die man schon nach zehn Minuten Übungszeit
vorführen kann, dafür eine sehr eindrucksvolle Visitenkarte
gleich zu Beginn einer Show.
Es
folgte "Lost and Smelled", eine Kartenroutine,
bei der ein Zuschauer an eine beliebige Uhrzeit denkt und durch
entsprechendes Abzählen eine Karte bestimmt. Trotz mehrfachen
Mischens durch den Zuschauer (!) findet der Vorführende die
Karte (zumindest in 99,9% aller Fälle, so Archer).
Mit "Triple
Threat" zeigte Danny dann seine Version des Effektes "Mental
Epic" (hier bei Stolina unter dem Namen Occult
Board, auch als Close-Up-Version,
erhältlich). Ein Haustier, ein Lieblingsspeise sowie ein Wort
aus einem Buch werden vom Vorführenden vorausgeahnt. Wie beim
Occult Board werden die Vorhersagen getroffen, bevor der
jeweilige Zuschauer sein gedachtes Wort nennt. Das Schöne an
Dannys Version ist, dass die Routine sich durch die gesamte Vorführung
zieht und einen herrlichen roten Faden bildet.
Bei "Par
for the Course" geht es um die Vorhersage einer Runde Golf.
Mehrere Zuschauer schreiben auf eine Punktekarte beliebige Zahlen,
deren Summe der Vorführende als Vorhersage in einem Umschlag
deponiert hat. Eine Zusatzlektion gab es an diesem Abend gratis
dazu: Weil die Vorführung ein wenig schiefging, musste Danny
improvisieren, was ihm jedoch tadellos gelang. Motto: Nur keine
Panik!
Als letzten
Effekt vor der Pause zeigte Danny eine Routine, bei der drei Münzen
nacheinander erscheinen, verschwinden und wieder erscheinen. Der
Einsatz eines Gimmicks und die geschickte Präsentation (bei
der die Münzen scheinbar hinter den Ohren und im Ellenbogen
deponiert werden) macht aus dieser Effektfolge ein eindrückliches
Wunder.
In der Pause
gingen bereits die ersten kommerziellen Effekte über den Tisch,
und Danny stand den Seminaristen für Fragen zur Verfügung.
Mit "A
Barrel of Fun" ging es nach der Pause weiter. Bei Dannys
Version von Nest of Boxes wandert eine unterschriebene Münze
in die innere von drei ineinandersteckenden Spielzeugfässern.
Während es sich bei diesen Fässern um ein in den USA recht
verbreitetes Spielzeug handelt, werden sich die meisten Deutschen
wohl ein anderes Requisit aussuchen müssen. Praktischerweise
sind dem einfallsreichen Zauberfreund hierbei jedoch kaum Grenzen
gesetzt.
"Magic
Jeopardy" ist eine sehr unterhaltsame Routine, bei der
es darum geht, aus mehreren Schlüsseln genau den herauszusuchen,
der ein Schloss öffnet. War das Thema in diesem Fall ein Gewinnspiel,
bei dem die mitwirkenden Zuschauer leider leer ausgingen, so lässt
sich das Prinzip bei vielen anderen Gelegenheiten einsetzen, vom
Kindergeburtstag bis zur Hochzeit.
Den Höhepunkt
sparte sich Danny Archer jedoch bis zum Schluss auf. "Outfoxed"
ist seine Version von Paul Fox' Miracle Gimmick. Danny kommt jedoch
ohne eben dieses Gimmick aus, sondern nutzt ein Prinzip, das aus
dem 16. Jahrhundert stammt! Es ist schon erstaunlich, mit was für
"ollen Kamellen" man ausgewachsene Zauberkollegen täuschen
kann. Ein Kartenspiel wird in mehrere Päckchen geteilt und
im Publikum verteilt. Jeder der mitwirkenden Zuschauer mischt sein
Päckchen und merkt sich daraus frei irgendeine Karte. Nach
und nach ermittelt der Vorführende alle Karten! Durch das praktisch
undurchschaubare Prinzip werden alle verdächtigen Handlungen
auf ein absolutes Minimum reduziert, so dass der Effekt wie echtes
Gedankenlesen wirkt. Nach diesem "Showstopper" geht wirklich
nichts mehr! Als Bonus erklärte Danny noch seinen "Archer
Shuffle", das überzeugendste komplette Falschmischen
in der Luft, das ich kenne (und auch das einzige
).
Nach dem eigentlichen
Seminar demonstrierte Danny Archer noch einige Kunststücke
und Requisiten, die er zum Kauf anbot. Darunter auch seine Version
von "Balls and Net", die er nicht nur demonstrierte,
sondern auch erklärte. Die Routine ähnelt sehr stark der
von Johnny Thompson (siehe "Commercial
Classics of Magic" Band 1) und endet mit einer überraschenden
Schlussladung.
Na,
da hat sich der Weg mal wieder gelohnt. Danny Archer zeigte Kunststücke,
die oftmals erstaunlich problemlos vorführbar, dafür aber
in jedem Fall absolut publikumswirksam sind. Mit diesem Seminar
setzte er bewusst einen wohltuenden Kontrapunkt zum gegenwärtigen
"Close-Up-Boom". Und neben den eigentlichen Inhalten des
Seminars gab es mindestens zwei weitere Lektionen zu lernen
1.: Lustig kann nur der sein, der über sich selbst lachen kann.
2.: Man muss nicht groß sein, um ein Großer zu sein.
Bis zum nächsten Mal!
Frank
Ollermann
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