| Es war ein Erlebnis: Banachek, einer
der anerkanntesten Mentalisten der heutigen Zeit, war mit seinem
Seminar bei Stolina in Oelde zu Besuch. Mitgebracht hat er, neben
seiner Frau Heidi, eine Menge augefeilter Mentalroutinen und noch
mehr gute Ideen, wie man diese so effektvoll wie möglich präsentieren
kann.
Es
ging los mit einer im besten Sinne einfachen Vorhersage:
Mehrere Zuschauer nennen jeweils eine zweistellige Zahl, die von
einem assistierenden Zuschauer auf der Bühne addiert werden.
Das Ergebnis dieser Berechnung steht auf einem kleinen zusammengefalteten
Post-It-Zettel, den der Mentalist aus seinem Portemonnaie holt.
Mit einem unverfänglich aussehenden Requisit vollbrachte Banachek
sodann gleich zwei Wunder nacheinander – ohne nachzuladen,
gewissermaßen. Im Publikum werden mehrere Zettel und Stifte
verteilt. Mehrere Zuschauer schreiben auf diese Zettel einige Informationen.
Die Zettel werden wieder eingesammelt, und eine assistierende Zuschauerin
zieht aus diesen Zetteln einen. Von diesem Zettel wählt sie
etwas aus und zeichnet es nur in Gedanken. Dennoch ist der Vorführende
in der Lage, die Gedanken der Zuschauerin zu lesen und malt genau
das nach, was die Zuschauerin denkt. Als wäre das nicht schon
eindrucksvoll genug, ermittelt der Mentalist nun auch noch, was
andere Zuschauer auf ihre Zettel geschrieben haben. Hier zeigte
sich Banacheks ausgeprägtes schauspielerisches Talent, mit
dem er alles aus diesem Effekt herausholt.
Als
Nächstes zeigte Banachek einen starken Effekt mit einem Telefonbuch,
aus dem mehrere Zuschauer einen Eintrag ermitteln. Und – wer
hätte das gedacht – genau diese Zahl hat der Meister
korrekt vorhergesagt. Wer dabei war, wird an dieser Stelle vielleicht
merken, wie trocken sich diese Beschreibung liest, wenn man sie
mit Banacheks Vorführung vergleicht. Mit ausgefeilten sprachlichen
Mitteln versteht er es, aus diesem Grundeffekt ein eindrucksvolles
Mentalwunder zu machen.
Mit »This and That« zeigte Banachek einen netten kleinen
Trick mit vier Karten, den man leicht bei sich tragen und unter
allen Bedingungen vorführen kann. Der Zuschauer wählt
von vier Karten eine aus. Offensichtlich wusste der Vorführende
schon vorher, für welche Karte der Zuschauer sich entscheiden
würde, denn sie trägt als einzige auf der Rückseite
die Aufschrit »DAS« – alle anderen Karten tragen
auf der Rückseite die Aufschrift »DIES«. Im englischen
Original mit den Wörtern »THIS« und »THAT«
sprachlich ein ganzes Stück eleganter, ist eine Vorführung
im deutschen Sprachraum etwas holpriger. Das Grundprinzip erlaubt
es dem findigen Zauberfeund jedoch, eine ganze Menge weiterer Varianten
vorzuführen.
Nach der Pause ging es gleich mit einem Knüller weiter: Zwei
Zuschauer nehmen auf der Bühne Platz. Der Vorführende
berührt einen der beiden Zuschauer. Obwohl er weit weg vom
anderen Zuschauer steht, spürt dieser die Berührungen
ebenfalls! (Unter dem Titel Psychokinetische
Berührungen hier bei Stolina erhältlich)
Ein
Highlight des Seminars war sicherlich das Metallverbiegen,
das Banachek nun demonstrierte. Mit viel Liebe zum (psychologischen)
Detail verbogen er und ein Zuschauer ganze Gabeln (sogar in Spiralform!),
einzelne Zinken einer Gabel, bis eine Gabel sogar zerbrach. In Worten
beschreiben lässt sich das kaum. Wer beim Seminar nicht dabei
war, sollte sich die DVD »Psychokinetic
Silverware« zulegen.
Sie kennen doch die Sache mit der Asche auf dem Arm, bei der ein
Kartenwert erscheint? Wenn Sie gerade mal keine Asche zur Hand haben
(das dürfte mit dem fortschreitenden Nichtraucherschutz ja
sicher öfter mal vorkommen), haben Sie mit »Stigmata«
mehr als nur einen Ausweg. Der Wert einer Karte erscheint schemenartig
in roter Farbe auf Ihrem Unterarm. Stegreif-Zauberei vom Feinsten!
Den Bogen schloss Banachek mit der genial einfachen Vorhersage
eines Wortes aus einem Buch. Keine speziell gedruckten Bücher
oder ähnliches, sondern unverfängliche Requisiten, ein
geschliffener Vortrag und ein eindrucksvoller Schlusseffekt für
dieses eindrucksvolle Seminar.
Steve
»Banachek« Shaw hat mit diesem Seminar bewiesen, dass
er zu den ganz großen der gegenwärtigen Mentalszene gehört.
Er besitzt eine Bühnenpräsenz und Glaubwürdigkeit,
die einen vom ersten Moment and in den Bann zieht. Schade, dass
die drei (!) Stunden so schnell vorbei waren – andererseits
ist das doch das beste Kompliment, das man einem Künstler machen
kann, oder?
Frank Ollermann |