| Preisfrage:
Was würden Sie tun, wenn Sie ein Seminar hielten und ein Besucher
Sie mit einem Handy-Video aufzeichnet? So tun, als würden Sie es
nicht bemerken und die Person dann vielleicht in der Pause darauf
ansprechen? Darauf hinweisen, dass Sie das nicht wünschen? Axel
Hecklau entschied sich dafür, hart durchzugreifen. Er verwies den
Delinquenten kurzerhand des Raumes – nicht ohne sich zuvor
noch zu vergewissern, dass die Aufnahme auch tatsächlich gelöscht
worden ist. Tja, was soll man nun davon halten? Gerechte Strafe?
Übertriebene Härte? Längst überfälliges Exempel? Wie Sie sich leicht
denken können, sorgte dieser Vorfall zu Beginn des Seminars schon
in der Pause für reichlich Gesprächsstoff und wird auch wohl noch
einige Zeit nachwirken. Möge die Diskussion der Sache dienen!
Aber kommen wir zur Hauptsache des Seminars: zum Inhalt. Als Erstes zeigte Axel Hecklau uns, wie man effektiv, effizient und elegant ein T-Shirt zusammenlegen kann. Zwar kein magischer Effekt, aber doch unterhaltsam. Das Video dazu kursierte schon seit längerer Zeit im Internet, aber erst jetzt habe ich verstanden, wie es funktioniert. Jetzt macht das Wäsche-Zusammenlegen endlich Spaß! Der erste im engeren Sinne magische Routine war Axel Hecklaus berühmt-berüchtigtes Zeitungszerreißen »Newsflash«, mit dem er in der Zauberszene bereits für Aufruhr sorgte – zu Recht. Diese Version vereint das Beste aus allen bisherigen Versionen (z. B. No Tear und die bekannte Version von Gene Anderson) und wirkt durch die Ökonomie der Bewegungsabläufe besonders überzeugend.
Es
folgte »Ein Becher«. Nicht nur der Titel, sondern auch
die Routine war im besten Sinne einfach: Ein Ball ist mal unter
dem Becher, mal in der Hand, mal in der Tasche, aber nie dort, wo
der Zuschauer es vermutet. Der Ball durchdrngt sogar unsichtbar
den Becherboden, und zum Schluss erscheint überraschend eine Kartoffel
unter dem Becher. Das kommt Ihnen bekannt vor? Sie haben Recht –
das ist der klassische Chop Cup. Wenn Sie ihn aber in der Bearbeitung
von Axel Hecklau gesehen haben, werden Sie sich fragen, ob es nicht
vielleicht doch einen eigenen Namen verdient – von der Tricktechnik
ist praktisch nur noch das Grundprinzip übrig geblieben. An den
meisten anderen Stellen hat Axel Hecklau so viel verbessert, dass
selbst Kenner des Trickprinzips ins Schleudern geraten.
Auch ein Mentaleffekt durfte nicht fehlen. Axel Hecklau zeigte uns seine Version des Center Tears. Eine äußerst gut durchdachte Routine, die den meisten von uns die Angst vor dem »ersten Mal« genommen haben dürfte. Eine Zuschauerin notiert auf einer Visitenkarte den Namen einer berühmten Person. Die Visitenkarte wird zerrissen, und der Vorführende liest nun langsam die Gedanken der Zuschauerin. Schließlich notiert er seinerseits den Namen der gedachten Person auf einer weiteren Visitenkarte, die er der Zuschauerin übergibt. Diese nennt nun den Namen der gedachten Person, und der Vorführende hat natürlich goldrichtig gelegen. Axel Hecklau weihte uns in alle Details und »Outs« ein, so dass keine Fragen offen blieben. Alle Bewegungen sind gut motiviert, so dass die Vorführung sowohl vergleichsweise leicht als auch sehr überzeugend ist.
Nach
der Pause erklärte Axel Hecklau uns erst einmal, wie er bei Auftritten
in kleinerem Rahmen für die richtige Beschallung sorgt. Der Vorteil
des »Systems Hecklau«: Es besteht aus Komponenten, die
man bei Bedarf leicht wieder nachkaufen kann, ohne gleich ein komplettes
System zur Reparatur geben und vielleicht noch Wochen lang warten
zu müssen. Außerdem ist die Technik nicht sonderlich kompliziert
– das System besteht zum größten Teil aus einem durchdachten
Konzept mit kreativen Ideen.
Die aus meiner Sicht allerbeste Routine des Seminars war »Cola Cap«: Eine Colaflasche wird »entkronenkorkt« und geleert. Der Kronenkorken wird nun durch den Flaschenboden in die Flasche geworfen. Anschließend wird der Kronenkorken noch einmal magisch der Flasche entnommen und noch einmal besonders visuell in die Flasche befördert. Diese fade Beschreibung wird der Routine nicht im Geringsten gerecht. Sie ist von vorne bis hinten durchstrukturiert und enthält keinerlei überflüssigen Bewegungen. Alles passt wunderbar zusammen, und es muss einen Riesenspaß machen, diese Routine vorzuführen. Zum Abschluss zeigte uns Axel Hecklau mit »One Coin« noch eine kurze Routine mit einer Münze, die mehrmals verschwindet und wieder erscheint. Auch hier spürte man das Bemühen von Axel Hecklau, sämtliche Griffe in logische Bewegungsabläufe zu »verpacken«, so dass nur noch pure Zauberei übrigbleibt. Insgesamt genossen wir ein hervorragendes Seminar nach dem Motto »Klasse statt Masse«: Es waren nicht sehr viele Kunststücke, die Axel Hecklau uns zeigte und erklärte, aber das hat, zumindest mir, nicht im Geringsten etwas ausgemacht. Der Titel des Seminars lautete nicht umsonst »Details«: Axel Hecklau lag viel daran, uns in alle Feinheiten seiner über Jahre gewachsenen Routinen einzuweihen, denn oft sind es gerade diese Details, die aus einem Trick ein Wunder machen. Dabei waren die Erklärungen zu keinem Zeitpunkt langatmig oder langweilig. Mit seiner kompetenten und selbstsicheren Ausstrahlung, die mich mal an Pit Hartling, mal an Michael Ammar erinnerte, vermochte Axel Hecklau uns von Anfang bis zum Ende – und das waren nicht weniger als drei Stunden – mit seinen Vorführungen zu unterhalten und mit seinen Erklärungen zu fesseln. Ein rundum gelungenes Seminar! Text: Frank Ollermann Fotos: Georg Fabisch
|