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Am 25. und
26. Mai war es endlich wieder so weit: Michael Ammar besuchte
nach vier Jahren das schöne
Westfalen, um für zwei Tage jeweils ein Seminar und
- das war neu - einen Workshop zu geben. Nachdem ein Stau
für eine kurze Verzögerung sorgte, erschienen Michael und Hannah
Ammar gut gelaunt bei Stolina-Magie in Oelde. Und schon nach wenigen
Minuten stand er dort vor uns auf der kleinen Seminarbühne
und begrüßte uns auf freundliche und sympathische Art.
Dabei sprach er unmissverständlich darüber, warum die
Klassiker für gute Zauberkunst so unerlässlich sind. Denn
beherrscht man einmal die tief liegenden Prinzipien dieser klassischen
Routinen und hat man ihre grundlegenden Erkenntnisse verstanden
und verinnerlicht, dann besitzt man das Wissen für erstklassige
Zauberkunst. Und dieses wertvolle Wissen lässt sich für die
eigene Zauberei, egal welchen Weg man gehen möchte, sehr ergiebig
nutzen. Nach einer sehr sauberen Flaschenproduktion zeigte
Michael eine seiner "Münze in Flasche"-Varianten. Als
er anschließend sehr verständlich und detailliert diese
Routine erklärt hatte, sprach er auch über die vielfältigen
Einsatzmöglichkeiten des Topits. Diese demonstrierte
er beeindruckend anhand verschiedener Effekte. Er versuchte damit
zu zeigen, welches geniale Werkzeug ein Topit sein kann, wenn man
sich damit richtig auseinandersetzt, darüber richtig nachdenkt
und damit im Kopf kreativ arbeitet (und natürlich übt!).
Viele kennen Michael Ammar's Floating Bill. Sei es von den
"Classic Renditions"- oder "Live at the Magic Castle"-Videos. Doch
wenn man es erst einmal von ihm persönlich aus zwei Meter Entfernung,
sozusagen unter der eigenen Nase vorgeführt sieht, lernt man
diese Routine noch mehr zu schätzen. Sehr witzig und unterhaltsam
erzählte uns Michael, welche Pannen dabei passieren können
und ihm auch schon während einer TV-Produktion passiert sind.
Die Art wie solch ein Könner über "unser" Schreckgespenst
Panne spricht, war mehr als beeindruckend und lehrreich.
Es
folgte J.C. Wagner's Super-Closer, eine der Kartenroutinen,
bei welcher der Zuschauer eigentlich alles selbst macht. Zum Schluss
findet der Zuschauer die von ihm selbst zuvor produzierten vier
Asse, die zwischendurch unauffindbar im Spiel verloren waren, auf
verblüffende Art und Weise selbst wieder. Ein absoluter Höhepunkt
des Seminars war natürlich das Becherspiel. Jeder Zauberkünstler,
der sich ernsthaft mit diesem Klassiker auseinandersetzt, besitzt
wahrscheinlich sein Cups-and-Balls-Buch, oder vielleicht seine Videobänder
dazu. Als "aufmerksamer" Seminarteilnehmer konnte man nämlich
feststellen, dass sich seine eigene Routine, die er im Buch beschreibt,
von derjenigen, die er jetzt vorführt, in kleinen, aber interessanten
Details unterscheidet. Michael Ammar erklärte dies auch. Um
seine "Cups and Balls" noch "more streamlined"
zu gestalten, arbeitete er jeden einzelnen Effekt der Routine für
den Zuschauer noch klarer und direkter aus. Warum macht das Michael
Ammar, dessen Name ein Synonym für erstklassige Zauberkunst ist?
Denkt man über diesen Punkt genauer nach, so versteht man, was er
einem damit zeigen will. Ein weiteres Beispiel: Die Verschwindemethoden
eines Balls mit Hilfe des Zauberstabs (Through the Fist Vanish,
Vernon Wand Spin Vanish, Williamson Striking Vanish) folgen in seiner
Routine einer klaren Effektsteigerung. Aus diesem Grund ist der
Vernon Wand Spin Vanish an zweiter, und nicht an dritter Stelle
in dieser Sequenz. Denn
das Verschwinden des Balls mittels Striking Vanish ist für
den Zuschauer am visuellsten. Und wenn man dann erfährt, dass
Lance Burton, mit dem Michael Ammar dessen Becherspiel-Routine ausarbeitete,
genau die selben Fragen oder Gedanken dazu hatte wie wir auch, dann
ist das schon sehr interessant und aufschlussreich! Vor der Pause
sahen wir - neben verschiedenen Effekten für das Überreichen
von Visitenkarten - "Xerox Card", ein
einfaches, aber starkes Kartenkunststück, bei dem eine vom
Zuschauer gewählte Karte später auf einer Fotokopie erscheint.
Dann gab es eine etwa 20-minütige Pause, in der wir uns alle
mittels Schnittchen, Kaffee oder diversen anderen Getränken
stärkten. Sehr sympathisch dabei war, dass sich Michael nicht
zurückzog, sondern immer in der Gruppe blieb und so für jedermann
stets ansprechbar war. Mit "The Difference between Gambling and
Magic" ging es dann wieder weiter. Es handelt sich dabei um
eine Chop-Cup-ähnliche Routine mit einer kleinen Würstchendose,
die, wie sich zum Schluss herausstellt, noch völlig verschlossen
ist. Auch hier schenkte Michael Ammar, genauso wie bei allen zuvor
gezeigten Routinen, seine größte Aufmerksamkeit der richtigen
Routinenplanung und der Psychologie des Zuschauers. So verging die
Zeit wie im Fluge, denn nachdem er seine Variante des Klassikers
"Tuch
zu Ei" gezeigt und detailliert erläutert sowie sämtliche
Fragen beantwortet hatte, ging nach gut drei Stunden (!)
ein wirklich erstklassiges Super-Seminar zu Ende. (Wenn man einmal
ein exakt 60-minütiges Seminar eines deutschen Topkünstlers
erlebt hat, weiß man das noch mehr zu schätzen!) Doch
etwas später ging es auch schon mit dem Workshop los!
Ich nehme mal an, dass so wie ich die meisten Teilnehmer dieses
Workshops sehr gespannt und vielleicht auch ein bisschen aufgeregt
waren, was jetzt wohl so passieren würde. Der
geneigte Leser wird es schon ahnen: ja, es war Spitze! Nachdem man
gemeinsam festgelegt hatte, was man denn jetzt abhandeln möchte
(, wobei aus Zeitproblemen längst nicht alles berücksichtigt
werden konnte), erarbeitete Michael mit uns gemeinsam eine Kartenroutine,
die mit einem starken Reverse-Effekt endet.( Dabei zeigte sich Robert
Fislage sehr spendabel, und schenkte jedem von uns ein nigelnagelneues
Bicycle-Spiel.) Als Michael bemerkte, dass ein Teilnehmer, der wenig
Erfahrung mit Karten hatte, beim Halten eines Spaltes Schwierigkeiten
bekam, zeigte er diesem eine völlig grifflose Variante. Dann
arbeiteten wir sehr ausführlich das Thema Gummibänder
durch. Ich denke, dass sich einige der Gruppe schon mehr oder weniger
mit diesem Thema beschäftigt hatten. Doch
wenn es dir persönlich Michael Ammar ganz genau zeigt, es mir
dir zusammen übt, mit unendlicher Geduld und ehrlichem Interesse
daran, dass du es richtig verstanden hast, dann ist das mehr als
effizient und beeindruckend. Es folgte als krönender Abschluss
der ultimative Hammer, der für uns alle wie pure Zauberei wirkte!
Die "Shadow Coins" sind eine Münzenmatrix auf dem Fußboden.
Und auf diesem liegt, so wie es Michael nennt, das eigentliche Geheimnis
dieser "Zauberei". Man muss es selbst gesehen haben, um
sich so wie wir darüber zu freuen. Dann waren schon wieder 2 1/2
Stunden vorbei, als auch der Workshop zu Ende ging. Nicht
ganz, denn auf die Bitte eines Teilnehmers hin zeigte Michael noch
"Coin on Ceiling", sozusagen als Bonus-Routine.
Und in Ermangelung einer flachen Zimmerdecke fanden wir uns alle
abends noch draußen unter dem Stolina-Zylinder, der den Eingang
schmückt. Es war spät, als man widerwillig "Bye-bye"
sagte und wir alle auseinander gingen. Vielleicht,
wie ich, mit dem Gefühl, etwas Seltenes erlebt zu haben, und
etwas wehmütig darüber, dass es jetzt auch wieder vorbei
ist. Als ich Michael Ammar 1995 das erste Mal in einem Seminar sah,
wurde ich von seiner Art der Stand-Up und Close-Up-Zauberei stark
beeinflusst. Heute, vier Jahre später, weiß ich, warum
ich mir seitdem immer gewünscht habe, wieder einmal die Gelegenheit
zu bekommen, ein Michael-Ammar-Seminar zu besuchen. Es ist seine
Persönlichkeit, seine Offenheit und seine Größe.
Ein Mensch, der auf jemanden, der keinen Spalt halten kann, mit
dem selben ehrlichen Interesse eingeht wie auf Lance Burton bei
der Arbeit an dessen Becherspiel.
(mk)
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