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Beim
Namen Aldo Colombini dachte ich bisher eher an den Besitzer
einer Pizzeria, zumal es wirklich eine solche mit dem Namen Mamma
Mia gibt.
Dann der erste Eindruck: Ein großer Brummbär philosophiert
vor Beginn des Seminars auf Englisch mit italienischem Akzent über
das gute Gelingen (s)einer Ehe. Eigentlich fehlt nur noch, dass
er seiner ebenfalls anwesenden Frau Andrea mit tiefer Bassstimme
ein Liebeslied singt. Also doch das perfekte Bild eines Pizzabäckers?
Diesen Eindruck
verwischt der sympathische Italo-Amerikaner, indem er wieder philosophiert.
Diesmal allerdings über die Eigenart der Zauberer, immer schwierigere
Griffe zu erlernen und sich gegenseitig damit zu übertreffen,
obwohl der Effekt zählen sollte und nicht die Methode.
Den Beginn des
"Feuerwerks der Kunststücke" macht das "Chinese Purse",
bei dem eine chinesische Münze auf einem Seil zwischen zwei
Knoten erscheint. Dabei wird auf das Prinzip der Scheinknoten eingegangen.
Hier spricht Aldo Colombini davon, dass die Methode fast schon besser
sei als der Effekt.
Vor
dem nächsten Kunststück wird den aufmerksamen Seminarteilnehmern
noch der Unterschied zwischen dem Publikum in den USA und Europa
erklärt. In den USA lässt sich das Publikum einfach unterhalten.
In Europa artet eine Vorstellung schnell zu einem Wettbewerb zwischen
den Vorführenden und dem Publikum aus. Schön, wenn die
eigenen Eindrücke von einem Profi bestätigt werden.
"A Book Is Better" basiert auf einem Kunststück
von Peter Duffie und lässt eine gezogene und wieder ins Spiel
gesteckte Karte in einem Buch erscheinen. Die Karte liegt genau
bei der Seitenzahl, die durch Ziehen von drei weiteren Karten ermittelt
wird. Als Aldo Colombini die Erklärung gibt, fallen zum
ersten und nicht zum letzten Mal die Worte: "I'm so bad!"
("Ich bin so böse!"). Bei diesen Worten funkeln seine
Augen, und er freut sich wie ein Schuljunge über die einfache
Durchführung.
Dieses Funkeln setzt sich fort, wenn er das staunende Publikum an
der Nase durch den "Coin Wrap" an der Nase herumführt
und eine Karte, die angeblich unauffindbar ist, nach einer simplen
aber effektvollen Münzenwanderung in seiner Jackentasche auftaucht.
Das
nächste Kunststück basiert auf einer Idee von Kevin Kelly.
Zwei Zuschauer versehen mit Lochzangen eine Anzahl von Karten mit
mehreren Löchern. Eine der Karten wird ausgesucht. Es ist die
gleiche Karte, die sich von Anfang an als Voraussage in einem Umschlag
befunden hat. Und als sich zeigt, dass sich die Löcher auf
beiden Karten an genau den gleichen Stellen befinden, ist die Begeisterung
über "Double Punch" groß. Einer der
stärksten Effekte des Seminars. Und wieder: "I'm so
bad!"
Danach zeigt Aldo Colombini seine Ring-Seil-Routine "Ringing
Around Too", und bei "Ring Up"
wird ein Ehering auf ein Seil geknotet. Der Ring befreit sich: "I'm
so bad!"
Und wieder kehrt der Pizzabäckertyp zu den Karten zurück.
Genauer gesagt zu einem Blankospiel. Bei "Draw a Blank"
ist die gewählte Karte des Zuschauers die einzige bedruckte
Karte im Spiel. Ein Effekt der genauso großartig , wie seine
Erzielung einfach ist. He is so bad!
Dann kam es zur Vorstellung des letzten Seminarpunktes: Der "Perpetual
Calendar" ist bei der Bestätigung einer Voraussage
(Karte) behilflich. An jedem Tag des Jahres ist auf dem Kalender
eine Karte vermerkt. Der Zuschauer ermittelt einen Tag durch das
selbstständige Auswählen einiger Karten. Und wer hätte
es gedacht? An eben jenem Tag ist die sich von Anfang an in einem
Umschlag befindliche Karte vermerkt.
Und das war das Seminar - aber noch nicht das Ende des Abends. Der
Hauptdarsteller war so in Fahrt, dass er noch einige Zugaben gab.
Während einer dieser Zugaben produzierte er sieben vom Publikum
gemerkte Karten unmittelbar hintereinander auf unterschiedliche
Weise. Die letzte Karte wurde per Wasserfall ans Licht gebracht.
Eine visuell unglaublich ansprechende Technik.
Außerdem
zeigte er noch seine kurze Seilroutine "Rope Puzzle"
, bei der die reichlich vorhandene Comedy in keinster Weise
von den starken Effekten ablenkte. Seine Auffassung von "Exposing
the Gimmick" werden allerdings wohl eher nur die ganz Mutigen
teilen.
Aber leider
waren auch die Zugaben einmal beendet. Was bleibt, ist die Erinnerung
an einen schönen, fesselnden Abend mit einem sympathischen
Herzblutzauberer mit Charisma, der es nicht umsonst in den USA geschafft
hat. Und in Zukunft werde ich beim Namen Aldo Colombini bestimmt
nicht mehr an Pizza denken! Denn: He is so good!
Reinhard
Schlüter
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